Verteidigungsministerium So teuer war von der Leyens Berater-Armee

200.000 Euro für sieben Monate Arbeit - pro Person. Bevor der Untersuchungsausschuss zur Berateraffäre richtig mit der Arbeit beginnt, sind Details zu den Honoraren bekannt geworden.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU)
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Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU)


In der Affäre um Beraterleistungen im Verteidigungsministerium wird es ernst. Ab Montag muss die Behörde von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dem ermittelnden Untersuchungsausschuss die ersten Akten übergeben. Darin könnten bereits Hinweise auftauchen, ob von Mitarbeitern des Ministeriums in unzulässiger Weise millionenschwere Aufträge an Beraterfirmen vergeben wurden.

Wie hoch die Honorare der engagierten Berater waren, ist nun durch eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag bekannt geworden. Demnach erhielten einzelne Berater Summen von mehr als 200.000 Euro in nur sieben Monaten, wie die "Bild am Sonntag" berichtet.

Allein zehn externe Berater, die für das IT-Projekt CITquadrat arbeiteten, bekamen im Zeitraum von Februar bis August 2018 insgesamt über zwei Millionen Euro. Abgerechnet wurden 1101 Personentage von jeweils acht Stunden. Ein Berater soll für 113 abgerechnete Arbeitstage sogar eine Summe von 228.599 Euro erhalten haben. An dem Programm waren den Angaben zufolge insgesamt 74 externe Berater beteiligt. Insgesamt seien für das Projekt zwischen Februar und August 2018 7,4 Millionen Euro ausgegeben worden.

Die Stundensätze erreichen dabei 223 bis 252 Euro. Wie der SPIEGEL kürzlich berichtete, liegen die Stundensätze für Anwälte, die das Ministerium nun in Rechtsfragen vor dem Ausschuss beraten sollen, noch höher.

"Wenn man sich die Bezahlung anschaut, muss man davon ausgehen, dass die Berater besser das Verteidigungsministerium beraten, als es die Ministerin führt", sagt Matthias Höhn, Wehrexperte der Linksfraktion im Bundestag. In sieben Monaten hätten sie mehr verdient als die Ministerin in einem Jahr. Dies sei demokratisch fragwürdig.

Das Ministerium versuchte am Sonntag, die Zahlen einzuordnen und damit zu relativieren. Ein Sprecher sagte, es gehe um "ein hochkomplexes IT-Projekt", das wegen "seiner grundsätzlichen Bedeutung für die IT-Struktur der gesamten Bundeswehr mit sehr engen Zeitlinien realisiert wurde". Die Berater-Honorare erschienen "auf den ersten Blick hoch", räumte er ein. Gleichsam seien sie für diese spezielle Expertise durchaus marktüblich, da Fachleute rar sind.

Neben Fragen zur Vetternwirtschaft soll der Untersuchungsausschuss auch klären, ob von der Leyen erst durch Berichte des Bundesrechnungshofs (BRH) im vergangenen Jahr von fragwürdigen Verfahrensweisen bei der Vergabe der Aufträge erfahren hat. Darüber hatte auch der SPIEGEL berichtet. Demnach sollen nach Ansicht des BRH Beraterleistungen für das CITquadrat-Projekt von Budgets bezahlt worden sein, die für andere Dinge vorgesehen waren.

Joe/mgb

insgesamt 202 Beiträge
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Datenschubser 03.03.2019
1.
Bei 7 Monaten Arbeit für 200.000 ? komme ich auf einen Tagessatz von unter 1.400 ?. Das ist geradezu ein "Schnäppchen". Die einschlägigen Management-Beratungshäuser nehmen normalerweise schon für einen Junior Consultant mehr.
Pfaffenwinkel 03.03.2019
2. Hier wurden Steuergelder zum Fenster rausgeworfen
Denn nach wie vor ist die Bundeswehr marode. Als Ministerin ist VdL dafür verantwortlich. Und ich frage mich außerdem: Was machen eigentlich die Bosse der Bundeswehr noch selber?
ddcoe 03.03.2019
3. Es ist erschreckend
in welchem Umfang im Ministerium der UvdLeyen unser Steuergeld sinnlos verbrannt wird. Weil vergessen wir dabei nicht - ein Berater kann tun was er will, er muss nie etwas verantworten, oder auch nur rechtfertigen. Er arbeitet wie jeder freie Unternehmer. Gewählt haben wir aber Parteien, die dann die Regierung gebildet haben. Wäre UvdLeyen Morgen endlich vom Hof gejagt - keiner würde es merken. Weil die Berater machen weiterhin irgendwas - und Kontrolle gibt es jetzt ja auch nicht.
Zorpheus 03.03.2019
4. Das sind keine Stundenlöhne, und das sind Experten auf ihrem Gebiet.
Von einem Beraterhonorar wird soweit ich weiß nicht nur die Zeit dort bezahlt, sondern auch die Zeit die für das Finden der Partner und das Treffen der Vereinbarung draufgeht. Und was ist mit Lohnnebenkosten, Mehrwertsteuer, Reise- und Unterbringungskosten? Wie werden die Stunden gerechnet, was ist mit Vorbereitungszeit. Und wie gesagt, es sind Experten, die bekommt man nicht zum Tariflohn.
joejoe_joejoe 03.03.2019
5. ganz normale berater Honorare
vielleicht ist die Gesamthöhe etwas über dem Normalmaß, aber durchaus im Rahmen. ob die Vergabe aber mit rechten Dingen zuging sollte untersucht werden.
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