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Ursula von der Leyen: Erste deutsche Verteidigungsministerin

Foto: Hannibal Hanschke/ dpa

Von der Leyen im Wehrressort Achtung, die Gewinnerin kommt!

Ursula von der Leyen wird wohl Verteidigungsministerin. In der Union bringt sie sich damit endgültig in die Rolle der Kronprinzessin. Angela Merkel löst mit der geschickten Personalie zugleich eine Reihe von Problemen.

Eine Frau als Verteidigungsministerin? Das hat es in Deutschland noch nicht gegeben, das weckt Neugier - bei den Soldaten, aber auch beim Publikum. Mit ihrer Idee, Ursula von der Leyen zur neuen Chefin des Wehrressorts zu küren, ist Angela Merkel ein geschickter Schachzug gelungen. Und das gleich aus mehreren Gründen:

  • Von der Leyen ist eine der beliebtesten Politikerinnen in Deutschland. Sie beim voraussichtlichen Verlust des Arbeitsministeriums an die SPD mit einem weniger wichtigen Ressort wie etwa dem Gesundheitsministerium abzufinden, würden weder sie noch die Wähler verstehen. Merkel umgeht einen unangenehmen Konflikt mit der ehrgeizigen Unionsfrau und kritische Nachfragen der Öffentlichkeit. Von der Leyen bleibt an herausgehobener Position, davon kann die Union bei den Zustimmungswerten insgesamt profitieren.

  • Thomas de Maizière hatte zuletzt im Wehressort keine glückliche Hand. Der Zoff um die Drohne "Euro Hawk" und andere schwierige Rüstungsprojekte belasteten seinen guten Ruf als effizienter Macher. Was er auch anpackte, schien schiefzugehen. Nun kann er im ihm wohlvertrauten Innenministerium einen Neustart schaffen. Merkel nimmt einen ihren wichtigsten Vertrauten aus der Schusslinie. Er bleibt ein potentieller Kronprinz.

  • Angela Merkel wird nicht ewig Kanzlerin bleiben, Ursula von der Leyen könnte sich im Verteidigungsministerium ebenfalls für ihre Nachfolge warmlaufen. Dann hätte Merkel die Wahl, wem sie das Zepter übergeben will. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wird Ursula von der Leyen sicher sein - schon bald dürfte sie sich als "Mutter der Kompanie" profilieren und bei den Soldaten Punkte machen.

  • Die Union behält gegenüber der SPD einen klaren Vorteil. Mit Angela Merkel und Ursula von der Leyen hat sie gleich zwei profilierte Frauen an der Spitze. Die Sozialdemokraten wirken hingegen eher wie eine traditionelle Männerpartei. Zwar gibt es mit Andrea Nahles, Manuela Schwesig und Barbara Hendricks auch drei SPD-Frauen im Kabinett. Doch sie sind längst noch nicht so profiliert wie Merkel und von der Leyen. Die Genossen werden sich anstrengen müssen, um diesen Nachteil aufheben zu können.

Natürlich gibt es bei der Operation von der Leyen auch das Risiko des Scheiterns: Das Wehrressort mit seinem gigantischen Apparat und der komplexen Unterteilung in eine politische und eine militärische Führung gilt als schwierig. Schon andere vermeintliche Stars hatten da ihre Probleme. Man erinnere sich etwa an Karl-Theodor zu Guttenberg.

Doch warum sollte Ursula von der Leyen nicht auch mit diesen Problemen fertig werden? Bislang bewies sie stets viel Geschick, wenn es darum ging, Probleme zu lösen. Sie ist führungsstark und mit einem guten Staatssekretär an ihrer Seite kann sie die anstehenden Themen wie die Wehrreform oder den Abzug der Truppe aus Afghanistan meistern.

Das Wort "Niederlage" kam in Ursula von der Leyens Wortschatz bislang nicht vor. Warum sollte sich nun plötzlich etwas daran ändern?