Von der Leyen zum Fall Franco A. "Ich trage die Gesamtverantwortung"

Ursula von der Leyen reagiert auf die Kritik. Sie sei verantwortlich für alles, was bei der Bundeswehr passiere, sagt die Verteidigungsministerin. Angesichts der Missstände könne sie aber auch nicht wegschauen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen
REUTERS

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen


Es sind schwierige Tage für Ursula von der Leyen. Erst kam der Fall Franco A., dann noch die Erkenntnis, dass die Bundeswehr seit 2014 Hinweise auf eine rechtsextreme Gesinnung des Oberleutnants hatte. Die Verteidigungsministerin unterstellte der Truppe daraufhin ein Haltungsproblem und einen falsch verstandenen Korpsgeist - und wurde dafür selbst massiv kritisiert.

Nun reagierte die CDU-Politikerin auf die Vorwürfe. Sie widersprach der Deutung, sie wolle sich mit ihrer scharfen Reaktion auf die Skandale wegducken: "Ich trage die Gesamtverantwortung für alles, was in der Bundeswehr passiert", sagte von der Leyen der "Bild"-Zeitung. "Meine Verantwortung ist, belegte Missstände abzustellen, das tue ich gerade."

Kritik an von der Leyen hatte zuvor nicht nur der politische Gegner, sondern auch der Bundeswehrverband geäußert. Niemand könne nachvollziehen, "wie sich eine Ministerin jetzt sozusagen auf die Tribüne verabschiedet und über ihre Mannschaft urteilt", sagte André Wüstner, Chef des Bundeswehrverbands.

"Das wird dauern"

Darauf angesprochen, sagte die Ministerin der Zeitung, ein Soldat in Mali und Afghanistan habe nichts davon, "wenn er dort Großes leistet und hier zu Hause die Leute das Vertrauen in die Bundeswehr verlieren, weil jeden Monat neue Fälle von Rechtsextremismus, Schikane und Gewalt gegen Soldatinnen hochkommen, die teilweise über Jahre gegärt haben". Das beschädige die ganze Truppe. Deshalb müssten die Probleme benannt und die Ursachen angegangen werden.

Wie geht es nun weiter? Am Mittwoch reist von der Leyen nach Illkirch bei Straßburg, wo Oberleutnant Franco A. zuletzt seinen Dienst geleistet hatte. Für Donnerstag hat sie mehr als hundert Führungskräfte, Generale und Admirale der Bundeswehr nach Berlin geladen.

Mit einem schnellen Ende der Affäre rechnet die Ministerin nicht. Der "Bild"-Zeitung sagte sie: "Das wird dauern, noch viel aufwirbeln, uns in Atem halten, und diesen Weg gehe ich zusammen mit der Bundeswehr."

cte/AFP

insgesamt 73 Beiträge
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gibraldo 03.05.2017
1. ja dann trete bitte auch zurueck
... sonst ist das doch inkonsequent
pizzerino 03.05.2017
2.
Das ist der Knackpunkt in der Überschrift. Sie soll ja nicht wegschaun. Sondern hinschaun. Mit diesem Stilmittel stellt sie sich auf die Seite der Verantwortungsbewußten, nachdem sie die eigene Verantwortung auf ihre Untergebenen abwälzen wollte, was nicht so recht geklappt hat. Schlechter Stil.
Augustusrex 03.05.2017
3. Schon wieder
Schon wieder Worthülsen. Nach ihrer eigenen Aussage trägt die Bundewehr die Schuld. Sie dagegen ist die, die es jetzt aufklären wird. Wie immer. Eigentlich könnte sie es so ausdrücken: Ich trage die Verantwortung, aber ich bin für nichts verantwortlich.
Berg 03.05.2017
4.
Die Bundeswehr hat ein Problem mit dem Verstehen der deutschen Sprache. Wenn die Ministerin sagt, in der Bundeswehr gibt es EIN Problem, dann heißt das NICHT: die gesamte Bundeswehr ist ein Problem. Sondern jeder versteht das so, dass im ansonsten ordentlichen Haushalt EINE Stelle unordentlich ist. Und das weiß jeder von seinem Haushalt. Also: alle, die meinen, dass sie zu Unrecht gescholtenen wurden, sind gar nicht gescholten worden. Verstanden?
Spiegelleserin57 03.05.2017
5. noch viel Staub...
aufwirbeln werden diese Vorkommnisse mit Sicherheit. Außerdem sollte mal genau nachgeschaut werden wiel lange schon solche Zustände in der Bundeswehr herrschen, ich vermute schon länger als diese Ministerin im Amt ist. Wir werden wieder die vielen Probleme einer Aufarbeitung erleben wo vieles verjährt ist und etliche Akten plötzlich verschwunden sind. Es dürften wohl noch Monate wenn nicht sogar Jahre vergehen bis endlich Licht ins Dunkel der Amtsstuben kommt.
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