Neue Verteidigungsministerin Wie von der Leyen die Bundeswehr reformieren will

Die Bundeswehr soll ein attraktiverer Arbeitgeber werden. Verteidigungsministerin von der Leyen will daher Teilzeitarbeit erleichtern und die Angebote zur Kinderbetreuung ausbauen. Schon bald sollen Tagesmütter in die Kasernen einrücken.
Verteidigungsministerin von der Leyen mit Soldatinnen: "Sie möchten ein glückliches Familienleben führen"

Verteidigungsministerin von der Leyen mit Soldatinnen: "Sie möchten ein glückliches Familienleben führen"

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Berlin - Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will die Bundeswehr zu einem familienfreundlichen Unternehmen umbauen. "Mein Ziel ist es, die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland zu machen. Das wichtigste Thema ist dabei die Vereinbarkeit von Dienst und Familie", sagte die CDU-Politikerin der "Bild am Sonntag".

Die Truppe müsse Dienst- und Familienzeiten besser aufeinander abstimmen. "Unsere Soldatinnen und Soldaten lieben ihren Beruf, aber sie möchten auch, dass ihre Ehen halten und sie ein glückliches Familienleben führen."

Die familienunfreundlichen Bedingungen in der Bundeswehr sind ein häufiger Kritikpunkt von Soldaten. Im vergangenen Jahr gingen beim Wehrbeauftragten der Bundesregierung, Hellmut Königshaus, so viele Beschwerden ein wie nie zuvor.

Automatische Versetzungen kommen auf den Prüfstand

Künftig sollen die Armeeangehörigen nach dem Willen der Ministerin ganz selbstverständlich Teilzeitmöglichkeiten nutzen können: "Wer etwa in der Familienphase die Option einer Drei- oder Viertagewoche nutzt, muss weiter Karriereperspektiven haben. Ich denke auch an Lebensarbeitszeitkonten, auf die Überstunden eingezahlt werden und von denen Freizeiten abgehoben werden können, sei es für die Betreuung von kleinen Kindern oder alter Eltern."

Die häufigen Versetzungen der Soldaten will von der Leyen auf das Notwendige begrenzen: "Karriere bei der Bundeswehr darf im Regelfall nicht bedeuten: immer im Dienst und alle paar Jahre ein Umzug." Da die Lebenspartner der Soldaten häufig selbst berufstätig seien, trügen Versetzungen große Spannungen in die Familien.

"Ich werde mir das System der nahezu automatischen Versetzungen alle zwei bis drei Jahre genau ansehen", kündigte von der Leyen an. "Wenn jemand eine steile Karriere macht, dann geht das auch in großen Wirtschaftskonzernen nicht ohne häufige Positions- und Ortswechsel. Aber die Frage ist, ob dies für die große Mehrheit der Soldatinnen und Soldaten immer sinnvoll ist."

Als eine der ersten Maßnahmen plant von der Leyen den Ausbau der Kinderbetreuung in den Kasernen. "Wir sollten gerade für die Betreuung in Randzeiten sehr viel stärker mit Tagesmüttern arbeiten", sagte die Ministerin. "Denn das ist eine besonders flexible Form der Kinderbetreuung, und wir haben den großen Vorteil, dass es in vielen Kasernen den Platz dafür gibt."

Von der Leyen hält an Aufklärungsdrohnen fest

Die ersten Reaktionen aus der Truppe seien positiv. "Den Skeptikern sage ich: Jetzt lasst mich mal machen, dann könnt ihr euer Urteil überprüfen." Wie sie ihre Pläne finanzieren will, ließ die Politikerin offen.

Um die Probleme bei Rüstungsprojekten in den Griff zu bekommen, will die Verteidigungsministerin einen neuen Umgang mit Fehlern etablieren. "Wir dürfen die Industrie nicht aus der Haftung lassen, aber es muss in Ordnung sein, dass die am Projekt Beteiligten Fehler frühzeitig melden, wir daraus Konsequenzen ziehen, aber die Fehlermeldung für den Einzelnen nicht gleich empfindliche Strafen auslöst."

Trotz des "Euro Hawk"-Desasters hält von der Leyen am Einsatz von Aufklärungsdrohnen fest. "Für den Schutz der Soldaten in gefährlichen Einsätzen ist die Aufklärungsdrohne existentiell wichtig", sagte die Ministerin. Über den Einsatz bewaffneter Drohnen müsse der Bundestag entscheiden. Drohnen mit automatisierten Tötungsprogrammen solle es auf keinen Fall geben.

syd/dpa