Umgang mit Russland Von der Leyen wirft US-Präsident Planlosigkeit vor

Verteidigungsministerin von der Leyen ist nach dem Trump-Putin-Gipfel enttäuscht. Dem US-Präsidenten fehle jede Strategie im Umgang mit Russland, moniert sie im SPIEGEL - und vermutet einen Grund für seine Deutschland-Attacken.
Ursula von der Leyen

Ursula von der Leyen

Foto: Bernd Settnik/ dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat den Umgang von US-Präsident Donald Trump mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin als planlos kritisiert. "Eine klare Strategie des amerikanischen Präsidenten im Umgang mit Russland ist nach dem Treffen nicht zu erkennen", sagte von der Leyen dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch mit Ursula von der Leyen bei SPIEGEL+ .)

Trump hatte Putin kürzlich in Helsinki getroffen, es war das erste amerikanisch-russische Spitzentreffen seit Jahren. Danach hatte Trump von einem Neubeginn der Beziehungen gesprochen.

Von der Leyen sagte, Putin versuche, seine wirtschaftliche Schwäche zu überspielen, indem er sich als globaler Player positioniere. Was der US-Präsident wolle, sei indes nicht zu erkennen. "Das Problem von Helsinki ist doch, dass niemand wirklich weiß, was dort besprochen oder sogar vereinbart worden ist", sagte die Verteidigungsministerin.

Von der Leyen betonte, dass die klare und kritische Positionierung der Nato gegenüber Russland trotz Trumps vager Aussagen in Helsinki gültig sei. "Wir wünschen uns ein besseres Verhältnis zu Moskau, aber dafür liegt der Ball im Feld des Kreml", sagte von der Leyen.

Die CDU-Politikerin hatte Trump beim Nato-Gipfel zum ersten Mal aus nächster Nähe erlebt, sowohl in der Runde der Staats- und Regierungschefs als auch bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel.

"Ein Maximum an Unruhe"

Von der Leyen kritisierte den US-Präsidenten auch für seine ständigen Angriffe auf Deutschland. Diese seien auch durch sein antiquiertes Frauenbild motiviert, vermutet die Ministerin. "Eine Frau wie Angela Merkel, eine weltweit angesehene Regierungschefin mit langer Erfahrung, kam in seinem Weltbild vermutlich bisher nicht vor", sagte von der Leyen.

Merkel indes reagiere statt mit Gegenattacken sachlich auf Trump. "Am Anfang wollte er ihr nicht einmal die Hand geben. Inzwischen ist der Umgang respektvoll, er hört ihr zu", sagte die Verteidigungsministerin.

Nach dem chaotischen Nato-Gipfel Mitte Juli mahnte von der Leyen alle anderen Partner der Allianz, gelassen auf Trump zu reagieren. Der US-Präsident habe das Bündnis durch "eine Art Wechselbad aus wüsten öffentlichen Anfeindungen, harten Verhandlungen und manchmal Schmeicheleien" geschickt. "Das Ganze soll ein Maximum an Unruhe stiften, in der Präsident Trump seine Punkte machen kann, nach dem Motto: Kündigung-Drohung-Deal", so von der Leyen.

mgb/sby
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