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19. März 2019, 20:32 Uhr

Empörung über US-Botschafter Grenell

Cool bleiben

Ein Kommentar von

Deutschland empört sich über den US-Botschafter Richard Grenell - zu Recht. Aber Trumps Mann in Berlin des Landes zu verweisen, hieße Populismus mit Populismus zu beantworten.

Lange nichts gehört von... Wolfgang Kubicki? Keine Angst: Er ist wieder da. Wochenlang war es verdächtig ruhig um den umtriebigen FDP-Vize, doch jetzt fordert Kubicki mit gewohnt sicherem Instinkt für Schlagzeilen, US-Botschafter Richard Grenell des Landes zu verweisen. Grenell, der die deutschen Haushaltspläne kritisiert hatte, weil sie zu niedrige Verteidigungsausgaben vorsähen, sei, so Kubicki, unverzüglich zur persona non grata zu erklären.

Sicher: Grenells Auftreten als Generalgouverneur von Kleindeutschland, sein maßregelnder Ton, die Großmachtattitüde, der grobschlächtige Versuch, deutsche Unternehmen unter Druck zu setzen und die Bundesregierung zum Wohlverhalten zu zwingen - all das ist unerträglich. Und es zeigt, wie schlecht es mit dieser US-Regierung um das deutsch-amerikanische Verhältnis steht.

Aber gleich die schärfste Waffe einsetzen, die der Diplomatie zur Verfügung steht? Rausschmeißen? Und dann? Kanzlerin Merkel hat in ihrer Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz gezeigt, dass man Trump auch ohne aufgeplusterte Empörung Paroli bieten kann.

Es ist nicht das erste Mal, dass der amerikanische Botschafter versucht, den Deutschen Ansagen zu machen:

Ein denkbar erfolgloser Botschafter

Erreicht hat Grenell mit seinen polternden Vorstößen nichts. Im Gegenteil. Seine Jobbeschreibung lautet, amerikanische Interessen in Deutschland zu vertreten, und in diesem Sinn ist er ein denkbar erfolgloser Botschafter. Der öffentliche Druck, mit dem er deutsches Wohlverhalten erzeugen will, bewirkt genau das Gegenteil: Je mehr Grenell die Deutschen öffentlich maßregelt, desto weniger können deutsche Politiker auf die amerikanischen Anliegen eingehen, selbst wenn sie berechtigt sind. Dass Deutschland etwa mehr für Verteidigung ausgeben sollte, ist die einhellige Meinung aller Nato-Partner. Aber Trump (und Grenell) haben es inzwischen fast unmöglich gemacht, auf diesen Wunsch einzugehen, weil jede weitere Million für die Bundeswehr mittlerweile wie eine Unterwerfung unter amerikanisches Diktat aussähe.

Grenell geht es ja vermutlich auch gar nicht darum, in Deutschland etwas zu erreichen. Seine rüden Vorstöße haben vor allem einen Adressaten: Donald Trump. Mit seinem Deutschland-Bashing will der Botschafter beim eigenen Präsidenten Pluspunkte sammeln, bislang allerdings ohne erkennbaren Erfolg. Das deutsch-amerikanische Verhältnis interessiert Grenell dabei nicht.

Das allerdings verbindet ihn mit Wolfgang Kubicki: Auch dem FDP-Vize geht es bei seinen populistischen Vorstößen allein darum, beim heimischen Publikum mit dem Fall Grenell zu punkten. Viel besser wäre: cool bleiben.

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