Empörung über US-Botschafter Grenell Cool bleiben

Deutschland empört sich über den US-Botschafter Richard Grenell - zu Recht. Aber Trumps Mann in Berlin des Landes zu verweisen, hieße Populismus mit Populismus zu beantworten.

US-Botschafter Richard Allen Grenell (Archivfoto)
DPA

US-Botschafter Richard Allen Grenell (Archivfoto)

Ein Kommentar von


Lange nichts gehört von... Wolfgang Kubicki? Keine Angst: Er ist wieder da. Wochenlang war es verdächtig ruhig um den umtriebigen FDP-Vize, doch jetzt fordert Kubicki mit gewohnt sicherem Instinkt für Schlagzeilen, US-Botschafter Richard Grenell des Landes zu verweisen. Grenell, der die deutschen Haushaltspläne kritisiert hatte, weil sie zu niedrige Verteidigungsausgaben vorsähen, sei, so Kubicki, unverzüglich zur persona non grata zu erklären.

Sicher: Grenells Auftreten als Generalgouverneur von Kleindeutschland, sein maßregelnder Ton, die Großmachtattitüde, der grobschlächtige Versuch, deutsche Unternehmen unter Druck zu setzen und die Bundesregierung zum Wohlverhalten zu zwingen - all das ist unerträglich. Und es zeigt, wie schlecht es mit dieser US-Regierung um das deutsch-amerikanische Verhältnis steht.

Aber gleich die schärfste Waffe einsetzen, die der Diplomatie zur Verfügung steht? Rausschmeißen? Und dann? Kanzlerin Merkel hat in ihrer Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz gezeigt, dass man Trump auch ohne aufgeplusterte Empörung Paroli bieten kann.

Es ist nicht das erste Mal, dass der amerikanische Botschafter versucht, den Deutschen Ansagen zu machen:

Ein denkbar erfolgloser Botschafter

Erreicht hat Grenell mit seinen polternden Vorstößen nichts. Im Gegenteil. Seine Jobbeschreibung lautet, amerikanische Interessen in Deutschland zu vertreten, und in diesem Sinn ist er ein denkbar erfolgloser Botschafter. Der öffentliche Druck, mit dem er deutsches Wohlverhalten erzeugen will, bewirkt genau das Gegenteil: Je mehr Grenell die Deutschen öffentlich maßregelt, desto weniger können deutsche Politiker auf die amerikanischen Anliegen eingehen, selbst wenn sie berechtigt sind. Dass Deutschland etwa mehr für Verteidigung ausgeben sollte, ist die einhellige Meinung aller Nato-Partner. Aber Trump (und Grenell) haben es inzwischen fast unmöglich gemacht, auf diesen Wunsch einzugehen, weil jede weitere Million für die Bundeswehr mittlerweile wie eine Unterwerfung unter amerikanisches Diktat aussähe.

Grenell geht es ja vermutlich auch gar nicht darum, in Deutschland etwas zu erreichen. Seine rüden Vorstöße haben vor allem einen Adressaten: Donald Trump. Mit seinem Deutschland-Bashing will der Botschafter beim eigenen Präsidenten Pluspunkte sammeln, bislang allerdings ohne erkennbaren Erfolg. Das deutsch-amerikanische Verhältnis interessiert Grenell dabei nicht.

Das allerdings verbindet ihn mit Wolfgang Kubicki: Auch dem FDP-Vize geht es bei seinen populistischen Vorstößen allein darum, beim heimischen Publikum mit dem Fall Grenell zu punkten. Viel besser wäre: cool bleiben.

insgesamt 194 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ichfragmichwirklich 19.03.2019
1. knigge...
wer beim gastgeber die füße auf den tisch legt, mag ein guter cowboy sein. hier ist er fehl am platze.
Teutonengriller 19.03.2019
2. Nichts erreicht!
Guter Gedanke. Stimmt eigentlich. Außer heißer Luft hat der nichts produziert und uns demzufolge ja einen Gefallen getan, wenn wir nicht darauf reagieren dürfen aus Selbstachtungsgründen
haarer.15 19.03.2019
3. Hmm ... nein
Das ist die alte Leier. Man soll also ewig cool bleiben, obwohl dieser Ober-Diplomat mit seinen Eskapaden unerträglich geworden ist ? Sorry, da passt was nicht zusammen. Irgendwann müssen auch mal spürbare Konsequenzen her. Ignorieren gehört nicht (mehr) dazu.
jobmaschine 19.03.2019
4. Merkwürdiger Kommentar
Was hat wehren mit Populismus zu tun. Eher wird es Zeit Trump und seinesgleichen die Zähne zu zeigen. Der ist doch mehr ein Papiertiger mit Twittergeschnatter. Unseren Botschafter abziehen und den Ami nach Trumpmerika. Mal sehen was passiert. Uns Deutschen würde der aufrechte Gang gut tun. Auch als Zeichen für unsere Freunde in der Welt.
stefangimbel 19.03.2019
5.
Nun, hätte Herr Habeck die Ausweisung gefordert, wäre der Komentar anders ausgefallen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.