US-Bürger in Deutschland Do-it-yourself-Leitfaden zur Terror-Abwehr

Es war der erste tödliche Anschlag auf US-Soldaten in Deutschland seit 1986 - und die Nervosität der Amerikaner steigt. Auf der Homepage eines Stützpunktes veröffentlichen sie eine Gebrauchsanweisung zur Terrorabwehr. Die deutsche Polizei bleibt dagegen gelassen.

Polizist am Frankfurter Flughafen: Wachsamkeit erhöht
DPA

Polizist am Frankfurter Flughafen: Wachsamkeit erhöht

Von Mary Beth Warner und Andreas Niesmann


Berlin - Trauer und erhöhte Wachsamkeit: So lässt sich die Stimmung bei den US-Soldaten in Deutschland nach dem Attentat vom Frankfurter Flughafen zusammenfassen.

Der Befehlshaber der US-Luftstreitkräfte in Europa, General Mark A. Welsh III, sprach den Familien der getöteten Soldaten sein Beileid aus und versprach eine schnelle und umfassende Aufklärung. "Wir arbeiten eng mit den deutschen Behörden zusammen, um diesen Vorfall vollständig aufzuarbeiten", sagte der General.

Bei dem ersten tödlichen Angriff auf Angehörige der US-Streitkräfte in Deutschland seit dem Bombenanschlag auf die Berliner Discothek "La Belle" im Jahr 1986 hatte am Mittwoch der 21-jährige Kosovare Arid U. zwei US-Soldaten getötet und zwei weitere schwer verletzt. Der Täter soll nach ersten Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft einen radikal-islamischen Hintergrund haben, aber keiner terroristischen Vereinigung angehören.

General Welsh nannte das Attentat in seiner Beileidsbekundung eine "schrecklichen Tragödie". Gleichzeitig betonte er, dass er die Sicherheitslage in Deutschland grundsätzlich für ausreichend hält. "Wir glauben, dass Deutschland ein sicherer Ort für unsere Soldaten und deren Familien ist, um dort zu arbeiten und zu leben", sagte der General.

Selbsthilfeanleitung zur Terrorismus-Abwehr

Ob die Air Force die Sicherheitsmaßnahmen an ihren deutschen Stützpunkten in Folge des Anschlags verstärkt, wollte ein Sprecher weder bestätigen noch dementieren. Dass die Amerikaner allerdings nervöser als normal sind, zeigte eine Veröffentlichung auf der Internetseite des Stuttgarter US-Stützpunktes. Dort tauchte eine Selbsthilfeanleitung der Armeeführung zur Terrorismus-Abwehr auf. In der 60-seitigen Broschüre aus dem Herbst 2010 finden Angehörige des US-Militärs und deren Familien Hinweise, wie sie sich vor terroristischen Anschlägen schützen können.

Die Anleitung beschreibt anschaulich,

  • wie man verhindert, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken: "Entfernen sie die Namen von Briefkasten und Klingel. Vernichten Sie alle Umschläge oder Dokumente, die Ihren Namen oder Rang oder sonstige persönliche Informationen enthalten. Seien Sie immer freundlich zu Ihren Nachbarn.
  • das eigene Haus schützt: "Schließen Sie das Haus immer ab - auch wenn Sie zu Hause sind. Reduzieren Sie die Zahl der Hausschlüssel. Lassen Sie sofort die Schlösser auswechseln, wenn Sie einen Schlüssel verlieren."
  • woran man einen potentiellen Attentäter erkennt: "Anti-amerikanische Statements, aggressives Verhalten gegenüber Kollegen, Vorurteile gegenüber Minderheiten, ungewöhnliche Stimmungsschwankungen, häufige Verstöße gegen Regeln..."
  • wie man aus seinem Schussfeld flieht: "Vermeiden Sie das Sichtfeld des Angreifers. Gehen Sie in Deckung. Sichern Sie die Tür, indem Sie Möbel davor schieben. Granatsplitter fliegen bei einer Detonation nach oben weg - auf dem Boden zu liegen, reduziert das Risiko."
  • und - gewissermaßen als letzter Ausweg - wie man sich wehrt: "Treten Sie selbst aggressiv auf. Werfen Sie Gegenstände auf den Angreifer. Schreien Sie."

"Einen bewaffneten Attentäter selbst anzugreifen ist extrem risikoreich, könnte aber die beste Möglichkeit sein, um das eigene Überleben und das anderer zu sichern", heißt es in dem Leitfaden. "Wenn Sie sich entscheiden, dieses Risiko einzugehen", schreiben die Autoren, "müssen Sie allerdings auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen."

Außerdem ruft der örtliche Befehlshaber zur erhöhten Wachsamkeit auf und empfiehlt Vorsichtsmaßnahmen. So sollten sich die Stützpunkt-Angehörigen möglichst nicht längere Zeit in Uniform außerhalb des Stützpunkts zeigen und von ihren Autos Aufkleber entfernen, die auf eine Verbindung zur US-Armee hindeuten.

Mitchell Moss, Sprecher der amerikanischen Botschaft in Berlin, sagte, es gebe keine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen für Einrichtungen der US-Diplomatie in Deutschland. "Business as usual" auch bei der Berliner Polizei, die für die Bewachung des Botschaftsgebäudes am Brandenburger Tor zuständig ist. "Unsere Sicherheitsstandards sind seit geraumer Zeit sehr hoch", sagte ein Sprecher, "daran hat sich nichts geändert."

Die deutschen Sicherheitsbehörden beobachteten vor allem den Frankfurter Flughafen mit erhöhter Aufmerksamkeit. Laut Sprecherin Nicole Ramrath von der örtlichen Bundespolizeidirektion gingen die Beamten am Flughafen vermehrt auf Streife. Die Schutzwesten und Maschinenpistolen, mit denen sie noch am Donnerstag durch die Terminals patrouilliert waren, hatten die Polizisten aber wieder abgelegt. Für US-Soldaten, die den Airport als Drehkreuz benutzen, gebe es keine Sonderbewachung. "Unsere Sicherheitsmaßnahmen sind auf konstant hohem Niveau", sagte Ramrath.

"Wir haben unsere Kräfte sensibilisiert"

Bundesweit gab es an potentiellen Anschlagszielen wie Bahnhöfen oder Flughäfen keine zusätzlichen Kontrollen. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe sah am Freitag keine Veränderung der Sicherheitslage. Bundesanwalt Rainer Griesbaum begründete diese Einschätzung damit, dass es sich bei dem Attentäter nach bisherigen Ermittlungen um einen Einzeltäter handele. Außerdem gebe es kein Indiz für einen bevorstehenden Anschlag einer planmäßig vorgehenden Terrorgruppe.

"Wir haben unsere Kräfte sensibilisiert, aber eine Aufstockung der Sicherheitsmaßnahmen findet nicht statt", sagte ein Sprecher des Bundespolizeipräsidiums in Potsdam. Die Lage sei keinesfalls vergleichbar mit der Situation im November, als der damalige Innenminister Thomas de Maizière vor drohenden Anschlägen islamistischer Terroristen in Deutschland gewarnt hatte. Seinerzeit waren die Sicherheitskontrollen an Flughäfen und Bahnhöfen deutlich verschärft worden.

insgesamt 38 Beiträge
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hilfloser, 05.03.2011
1. Ich bin alles
andere als USA kritisch, denke die US Amerikaner sind ein Garant für Sicherheit und Ordnung in der Welt und ohne die intervenierenden US Streitkräfte sähe die Welt weitaus schlimmer aus. Aber solche Empfehlungen wie in dem Leitfaden beschrieben sind da schon etwas sehr hysterisch und überzogen. So macht man sich selbst zum Gefangenen. Erinnert mich irgendwie an die Terrorphobie die in dem Film von Michael Moore beschrieben worden ist. Bei aller Notwendigkeit für Vorsicht und Aufmerksamkeit, sind doch in Deutschland noch keine Verhältnisse eingekehrt die solche Antiterrortips notwendig erscheinen lassen. Umgangssprachlich würde man sagen: Bleib mal aufm Teppich!
sinnentleerter 05.03.2011
2. Gibt keine Amis in der BRD
Amerikaner trifft man sowieso nicht hier in Deutschland. Die meisten schämen sich nämlich, zuzugeben, Ami zu sein :D
Alf.Edel 05.03.2011
3. "Seien Sie immer freundlich zu Ihren Nachbarn."
Dieser Satz hat mir am besten gefallen...
ratxi 05.03.2011
4. Wo ist mein Titel?
Zitat von sysopEs war der erste tödliche Anschlag auf US-Soldaten in Deutschland seit 1986 - und die Nervosität der Amerikaner steigt. Auf der Homepage eines Stützpunktes veröffentlichen sie eine Gebrauchsanweisung zur Terrorabwehr. Die deutsche Polizei bleibt dagegen gelassen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749214,00.html
Es wird allseits schwieriger. Für mich wäre ein Beruf nicht vorstellbar, in dem ich jederzeit damit rechnen müsste, dass mir deswegen irgendwer irgendwo auf der Welt nach dem Leben trachtet.
schwarzer Schmetterling, 05.03.2011
5. Statt
Zitat von sysopEs war der erste tödliche Anschlag auf US-Soldaten in Deutschland seit 1986 - und die Nervosität der Amerikaner steigt. Auf der Homepage eines Stützpunktes veröffentlichen sie eine Gebrauchsanweisung zur Terrorabwehr. Die deutsche Polizei bleibt dagegen gelassen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749214,00.html
ihre übliche Paranoia zu schieben, sollten doch die Amis einfach nach Hause fahren. Nicht dass demnächst auch bei uns jemand aus Selbstverteidigung in den Rücken geschossen bekommt.
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