Pressestimmen zur US-Wahl "Die Demokraten haben nicht mehr das Zeug dazu, Wahlen klar zu gewinnen"

Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Trump und Biden ruft bei deutschen Medien Erinnerungen an die Wahl 2016 hervor. Stimmen nach einer Reform des US-Wahlrechts werden laut. Der Überblick.
Eine Unterstützerin von Präsidentschaftskandidat Joe Biden in Delaware

Eine Unterstützerin von Präsidentschaftskandidat Joe Biden in Delaware

Foto: MIKE SEGAR / REUTERS

Die Stimmen der US-Wahl sind noch nicht ausgezählt, der Ausgang ist völlig ungewiss. Viele deutsche Medien fühlen sich an die Wahl von 2016 erinnert, in der Hillary Clinton gegen Donald Trump verlor – und kommentieren die Spaltung des Landes.

Wie reagieren deutsche Medien auf die Wahlnacht? Der Überblick:

"Das Kopf-an-Kopf-Rennen zeigt erneut, wie gespalten die USA sind", schreibt die "Frankfurter Rundschau" . "Offensichtlich fühlen sich auch nach der vierjährigen Amtszeit Trumps mehr US-Amerikanerinnen und US-Amerikaner abgehängt vom technischen Fortschritt, als von vielen wahrgenommen." Außerdem hält die Zeitung eine Reform des Wahlsystems der USA für notwendig, "damit es nicht zu solch unübersichtlichen Resultaten kommt oder widersprüchlichen Aussagen wie beim Duell zwischen Trump und Clinton, die bundesweit die meisten Stimmen erhielt, aber dennoch nicht ins Weiße Haus einziehen durfte."

Das  ZDF  sieht mit Blick auf die hohe Wahlbeteiligung optimistischer auf die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft: "Amerikas Demokratie ist lebendig – trotz aller Einschüchterungen, Manipulationen, Bedrohungen vor der Wahl. Das polarisierte, zerrissene Land ist nicht in politischer Apathie versunken, sondern zu den Wahlurnen geströmt."

"Trump-Anhänger wussten genau, was sie taten"

Die Spaltung der USA ist auch im Berliner "Tagesspiegel"  Thema. Diesmal hätten die Trump-Anhänger genau gewusst, was sie taten, kommentiert die Zeitung: "Sie verzeihen Trump seine Lügen, Provokationen und die weitere Spaltung des Landes. Es sind Menschen, deren Bedürfnissen Trump offenbar eine Stimme gab. Diese Bedürfnisse, Ziele und Werte verschwinden auch dann nicht, wenn Trump abgewählt werden sollte."

"Zeit Online"  macht die Demokraten selbst für das knappe Rennen verantwortlich: "Die Demokraten haben, selbst wenn vieles für sie spricht, nicht mehr das Zeug dazu, entscheidende Wahlen in den USA klar zu gewinnen", daran sei nicht Trump schuld. Die Partei habe es versäumt, die Schwächen der USA klar zu benennen, die vor allem in der Corona-Pandemie Minderheiten besonders hart träfen.

Der "Münchner Merkur"  beschäftigt sich mit der Frage, was der Wahlausgang für Europa bedeutet: "Die US-Bürger entscheiden deshalb am Dienstag darüber, ob ihr Land noch als Führungsmacht des Westens fungieren will und kann. Mit Donald Trump ist das quasi ausgeschlossen, aber selbst bei einem Sieg von Joe Biden nicht selbstverständlich." Außerdem warnt die Zeitung: "Blinde Hoffnung, mit Biden werde alles besser, wäre zwar naiv. Trotzdem: Wenn die Ego-Show enden und im Weißen Haus einfach wieder mit Ratio regiert würde, wäre schon viel gewonnen."

luz
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