US-Wahlkämpfe Obama zu Kurzbesuch in Berlin gelandet

Die Sondermaschine landete auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel: US-Senator Barack Obama ist zu seinem Kurzbesuch in Deutschland eingetroffen. Unmittelbar nach der Landung folgt der erste Termin - mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.


Berlin - Hello, Mister Obama: Der designierte Bewerber um das US-Präsidentenamt ist kurz vor zehn Uhr vormittags mit einer Sondermaschine in Berlin eingetroffen. Es ist Barack Obamas erster Deutschland-Besuch. Der Demokrat wurde am Flughafen Tegel von einer Protokollbeamtin des Auswärtigen Amtes in der Bundeshauptstadt begrüßt. Unmittelbar nach seiner Ankunft wird der US-Politiker zum Kanzleramt gefahren.

Obama in der Kandidatenmaschine: Treffen mit Merkel dauert etwa eine Stunde
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Obama in der Kandidatenmaschine: Treffen mit Merkel dauert etwa eine Stunde

Der 46-jährige Senator aus Illinois wird zunächst im Kanzleramt zu einem Fototermin zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet, danach ist ein Gespräch der beiden geplant. Am Nachmittag wird er Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) treffen. Obama, der im Hotel Adlon wohnen wird, will dort außerdem kurz mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprechen. Die ARD berichtete darüber hinaus, Obama wolle in Berlin auch das Holocaust-Mahnmal und den Checkpoint Charlie, den früheren Übergang vom amerikanischen zum Sowjetsektor, besuchen. Auch ein symbolträchtiger Gang durch das Brandenburger Tor sei vorgesehen.

Rund 700 Polizisten werden Obama in Berlin schützen. Sein Auftritt in Berlin ist Teil einer internationalen Wahlkampfreise, die ihn bisher nach Afghanistan, in den Irak und in den Nahen Osten geführt hat. Weitere Stationen sind Frankreich und Großbritannien.

Kanzlerin Merkel sagte am Donnerstagmorgen, sie freue sich, den designierten Kandidaten der US-Demokraten persönlich kennenzulernen. Die Unterredung im Kanzleramt soll eine Stunde dauern. Sie erwarte allerdings keine grundlegend neue Außenpolitik Washingtons. Zugleich verteidigte sie ihre Einwände gegen eine zunächst erwogene Rede Obamas vor dem Brandenburger Tor. In den vergangenen Wochen hatte es eine Debatte um den Ort in Berlin gegeben, wo Obama seine Rede halten soll. Merkel hatte anders als Steinmeier Bedenken angemeldet. Am Mittwoch bekräftigten beide ihre Position. Steinmeier nannte die Diskussion kleinlich.

Am Abend wird Obama vor der weiträumig abgesperrten Siegessäule eine Rede zu seinen außenpolitischen Zielen halten. Mehr als 100.000 Zuhörer werden zum Auftritt an der Berliner Siegessäule erwartet. Die Berliner Rede ist die einzige, die Obama während seiner einwöchigen Tour durch den Mittleren und Nahen Osten sowie durch europäische Hauptstädte hält. Experten rechnen mit einer historischen Rede, die einen Neubeginn im deutsch-amerikanischen Verhältnis und eine kooperative Außenpolitik mit Europa in Aussicht stellt.

Der frühere US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum, erwartet, dass der designierte Kandidat der Demokraten auf ein stärkeres internationales Engagement Europas drängen wird. "Er wird nicht akzeptieren, dass allein die USA für alles bezahlen sollen. Das ist eine Message, die Obama von Berlin aus transportieren möchte - auch nach Amerika", sagte Kornblum dem "Münchner Merkur".

Auch der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit, Karsten Voigt, rechnet nicht damit, dass Obama generell ein einfacherer Partner wäre. "Bei Klimafragen dürfte es durch Obama eine Annäherung der USA an Europa geben", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag). Aber: "Bei wirtschaftlichen Problemen ist ein US- Präsident immer zuerst Vertreter amerikanischer Interessen."

Unmittelbar vor seinem Flug nach Deutschland hat der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama in Jerusalem die Klagemauer besucht. Bei seinem Nahost-Besuch am Mittwoch hatte er Israelis und Palästinensern seine Partnerschaft im Friedensprozess zugesagt. Er hoffe, sich an den Bemühungen beteiligen zu können, "einen dauerhafteren Frieden in der Region herbeizuführen", hatte der US-Politiker bei einem Treffen mit Israels Staatspräsident Schimon Peres betont.

Am Freitag reist Obama weiter nach Paris.

fat/Reuters/AFP/AP/dpa

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