Usedom Rechtsextreme brachten Obdachlosen um

Ein Obdachloser, dessen Leiche vor wenigen Tagen in Ahlbeck auf Usedom gefunden worden ist, ist offenbar das Opfer von vier Jugendlichen aus der rechten Szene geworden. Drei von ihnen nahm die Polizei jetzt fest.


Ahlbeck - Die festgenommenen Verdächtigen sind 15, 16 und 19 Jahre alt. Nach einem 24-Jährigen wird noch gefahndet, sagte am Donnerstag Ralf Lechte, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stralsund. Erst vor zwölf Tagen hatten fünf Jugendliche in Wismar einen 52-jährigen Obdachlosen zu Tode getreten.

Die verdächtigen Jugendlichen stammen laut Staatsanwaltschaft aus dem Seebad Ahlbeck. Die mutmaßlichen Täter hätten aus niederen und rechtsradikalen Motiven gehandelt. "Sie gehören von ihrem Weltbild und Gedankengut her zur rechten Szene, ohne allerdings in Kameradschaften organisiert zu sein", sagte Lechte. Nach Polizeiangaben haben sie die Auffassung geäußert, dass "Asoziale und Landstreicher nicht in die Gesellschaft passen".

Der 51-jährige Obdachlose soll in der Nacht zum Montag von den jungen Männern mit Schlägen und Fußtritten gegen Oberkörper und Kopf getötet worden sein. Zuvor sollen die Tatverdächtigen zusammen mit dem Obdachlosen noch Alkohol getrunken haben, teilte die Polizei mit.

In den vergangenen Wochen war es in Mecklenburg-Vorpommern mehrfach zu tödlichen Übergriffen auf Obdachlose gekommen. Ende Juni wurde ein 47-jähriger Obdachloser in Greifswald auf offener Straße von drei Jugendlichen erschlagen. Ein 20-jähriger Jugendlicher und zwei 18-jährige Mädchen konnten wenig später als mutmaßliche Täter gefasst werden. Vor knapp zwei Wochen brachten fünf Jugendliche in Wismar einen 52-jährigen Obdachlosen um. Gegen drei der fünf Jugendlichen zwischen 19 und 22 Jahren wurde Haftbefehl wegen gemeinschaftlichen Mordes erlassen. Die Polizei ordnete auch diese Täter der rechten Szene zu.



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