Debatte über "Veggie Day" Grüner Trittin kritisiert "Drogenhandel im Stall"

Der Vorschlag eines fleischlosen Tages in Kantinen hat den Grünen viel Ärger eingebracht. Jetzt verteidigt Spitzenkandidat Jürgen Trittin die Idee. Es gebe Tierärzte, die ihr Geld damit verdienten, möglichst viele Antibiotika zu verschreiben.
Grüner Spitzenkandidat Trittin: "Möglichst viele Antibiotika"

Grüner Spitzenkandidat Trittin: "Möglichst viele Antibiotika"

Foto: Swen Pförtner/ dpa

Hamburg - Nicht immer muss ein Sommerlochthema komplett sinnlos sein. Es stimmt, die Grünen sprechen seit mehr als drei Jahren davon, "Veggie Days" in Kantinen zu fördern - einen Tag in der Woche also, in dem Kantinen kein Fleisch anbieten. Die Zuspitzung in den Boulevardmedien war vorhersehbar, der Aufschrei des politischen Gegners aus Union und FDP ebenso.

Dennoch haben die Grünen eine Debatte angestoßen, die sinnvoll ist. Wie viel Fleisch können und wollen wir uns leisten? Und wie sollen die Tiere gehalten werden, die dieses Fleisch liefern? Jürgen Trittin, Spitzenkandidat der Grünen, hat die Position seiner Partei nun bekräftigt. In einem Interview der "Welt am Sonntag" nennt er den "Veggie Day" einen Vorstoß für mehr "Nachdenklichkeit" im Ernährungsverhalten. Der fleischlose Tag in Kantinen könne dazu beitragen, Fehlentwicklungen in der Lebensmittelproduktion zu bekämpfen, so Trittin.

"Mein Essverhalten betrifft nicht nur mich"

Und dann spricht er über ein Thema, das Tierschützer seit langem umtreibt: über den massenhaften Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung. Geschätzt werden in der konventionellen Tierhaltung mehr als doppelt so viele Antibiotika eingesetzt, wie den Bundesbürgern als Arzneien verschrieben werden. Die Folge: Es bilden sich Bakterien, die selbst gegen wichtige Antibiotika resistent sind, so dass die Mittel im Ernstfall nicht mehr helfen.

Trittin sagt, es gebe Tierärzte, die ihr Einkommen damit erzielten, "möglichst viele Antibiotika" zu verschreiben. Es sei dringend notwendig, das Tierarzneigesetz zu ändern: "Nur so können wir den Drogenhandel im Stall unterbinden."

Auf die Frage der "WamS", ob die Verbraucher nicht selbst entscheiden dürften, wie viel Fleisch sie essen, antwortet Trittin: "Natürlich. Aber auf einem Planeten mit sieben Milliarden Menschen betrifft mein Essverhalten nicht nur mich selbst, sondern unter anderem auch das Klima." Die Grünen wollten erreichen, dass darüber nachgedacht werde. Das habe man geschafft: "Jetzt diskutieren alle darüber, ob man mit der Massentierhaltung weitermachen soll."

FDP und Union hatten die Idee in der vergangenen Woche scharf kritisiert: "Menschen ständig Vorschriften zu machen, ist nicht mein Verständnis von Freiheit und Liberalität", sagte FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle der "Bild"-Zeitung. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe warnte in der "Neuen Westfälischen" vor einer "grünen Bundes-Verbots-Republik".

cte/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.