Angebliche "Ver.di-Schlampe"-Attacke in Schleswig-Holstein CDU wirft SPD Schmutzkampagne vor 

Aufregung im schleswig-holsteinischen Wahlkampf: Eine Sozialdemokratin wirft CDU-Spitzenkandidat Günther vor, sie im Landtag als "Ver.di-Schlampe" beschimpft zu haben. Die Union reagiert empört.

SPD-Ministerpräsident Torsten Albig (li.), CDU-Herausforderer Daniel Günther
DPA

SPD-Ministerpräsident Torsten Albig (li.), CDU-Herausforderer Daniel Günther


In zehn Tagen wird in Schleswig-Holstein ein neuer Landtag gewählt. Bislang war von Wahlkampf im Norden recht wenig zu spüren. Doch ein Satz im TV-Duell der Spitzenkandidaten von CDU und SPD sorgt nun für Ärger: "Sie haben mich mal 'Ver.di-Schlampe' genannt, im Landtag", sagte eine Zuschauerin im NDR zu CDU-Mann Daniel Günther. Das könne man nachlesen, legte die Frau nach. Ihr Name ist Gabriele Schwohn.

Günther reagierte konsterniert. Er wies den Vorwurf als "ungeheuerlich" zurück, so etwas habe er nie gesagt.

Nach der Sendung teilte der NDR bei Twitter mit, die Zuschauerin habe ihren Vorwurf aufrechterhalten. Die Beleidigung sei am Rande einer Sitzung gefallen. Sie habe aber keinen Beleg für ihre Anschuldigung. Auch ein Sprecher des Landtags stellte klar, dass "der Begriff 'Ver.di-Schlampe' nachweislich nicht im schleswig-holsteinischen Landtag protokolliert worden" sei.

Was die CDU nun besonders verärgert: Schwohn ist nicht nur Ver.di-Funktionärin, sondern auch SPD-Mitglied und gehört dem Kreisvorstand Flensburg an.

Günther wirft der SPD eine Schmutzkampagne vor und forderte eine Entschuldigung. Dazu sehen die Sozialdemokraten keinen Anlass: "Weder die SPD Schleswig-Holstein noch der SPD-Spitzenkandidat haben mit dem Vorgang etwas zu tun oder hatten Kenntnis davon", sagte Landesgeschäftsführer Christian Kröning. Alles Weitere müssten CDU und Ver.di untereinander klären.

Kurzzeitig drohte die CDU am Mittwoch damit, die Sache vor Gericht zu bringen: Man behalte sich "zivil- und strafrechtliche Schritte gegen Frau Schwohn vor", sagte Parteivize Tobias Koch. Das ist mittlerweile vom Tisch. Günther teilte mit, die CDU werde "angesichts der erfolgten Klarstellung über die Unwahrheit der Behauptungen" von rechtlichen Schritten absehen.

Eindeutig ist aber bislang nur, dass Schwohn ihren Vorwurf nicht beweisen kann. Ob er zutrifft oder nicht, wissen nur die Beteiligten. Die Gewerkschafterin war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Den "Kieler Nachrichten" sagte sie, sie wolle sich zu dem Vorfall nicht äußern.

In einer aktuellen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen schob sich die CDU in Schleswig-Holstein derweil vor die SPD: Die Christdemokraten kommen demnach auf 32 Prozent, die Sozialdemokraten von Ministerpräsident Torsten Albig auf 30 Prozent. Zuletzt hatte die SPD stets vor der CDU gelegen.

Die Grünen liegen in der neuen Umfrage stabil bei zwölf Prozent, die FDP weiter bei neun Prozent. Die Linkspartei stand mit fünf Prozent weiter auf der Kippe, die AfD erreicht sechs Prozent. Der von der Fünfprozenthürde befreite Südschleswigsche Wählerverband (SSW) kommt auf drei Prozent.

cte



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