Corona-Verdacht bei Kramp-Karrenbauer Verbarrikadiert im Ministerium

Wegen eines Corona-Kontakts ging Annegret Kramp-Karrenbauer Anfang der Woche in Quarantäne. Doch statt sich zu Hause isolieren, sitzt die Verteidigungsministerin in ihrem Ministerium. Darf sie das?
Annegret Kramp-Karrenbauer (am 29. Oktober): Privat Kontakt zu einem Infizierten

Annegret Kramp-Karrenbauer (am 29. Oktober): Privat Kontakt zu einem Infizierten

Foto: Michael Kappeler / dpa

Mit Quarantänemaßnahmen wegen einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus hat die Bundesregierung reichlich Erfahrung. Ganz früh ging Wirtschaftsminister Peter Altmaier in Isolation. Kanzlerin Angela Merkel folgte kurz danach. Gesundheitsminister Jens Spahn, sozusagen der oberste Corona-Kämpfer, musste Ende Oktober zu Hause bleiben, nachdem er positiv getestet wurde. Aktuell ist Außenminister Heiko Maas in Isolation wegen eines Verdachts, für den SPD-Mann ist es schon das zweite Mal.

Vergangenen Montag dann meldete sich auch Annegret Kramp-Karrenbauer, als Verteidigungsministerin auch Inhaberin der Kommandogewalt über die Bundeswehr, ab. Kurz zuvor hatte die Corona-App der Ministerin eine Warnung ausgespuckt. Kramp-Karrenbauer hatte wohl privat Kontakt zu einem Infizierten. Vorsorglich begab sie sich gleich in Quarantäne, verpasste sogar ein wichtiges Treffen mit den Haushältern des Bundestags, um das Milliardenbudget für die Bundeswehr zu diskutieren.

Schon am Nachmittag aber tauchte die Ministerin wieder in der Öffentlichkeit auf. Per Video, scheinbar vom Esstisch ihrer Wohnung in Saarbrücken, meldete sie sich zu einem Bericht über die Reformen beim Kommando Spezialkräfte zu Wort. Vor einer kahl-weißen Wand lobte Kramp-Karrenbauer die erreichten Neuerungen, mahnte aber auch zu weiteren Anstrengungen. Neben ihr war nur eine schlichte Blumenvase mit ein paar Schmetterlingen zu sehen.

Einige erfahrene Ministeriale wurden bei den Bildern stutzig. Ihnen kam die Vase irgendwie bekannt vor. Das gleiche Modell stehe doch im Ministerbüro im zweiten Stock des historischen Teils vom Bendlerblock. Das könne doch kein Zufall sein. Und so geisterten schnell Gerüchte umher. Ist die Ministerin gar nicht in Quarantäne? War die öffentliche Ankündigung ein Ablenkungsmanöver? Bricht ausgerechnet die Befehlshaberin, die ihre Soldaten noch kürzlich zur Corona-Disziplin ermahnte , selbst die Vorschriften?

Eingeschlossen im schmucklosen Seitenzimmer

Die Wahrheit über die Quarantäne wird vom Ministerium bis heute sorgsam geheim gehalten. Denn tatsächlich verkroch sich Kramp-Karrenbauer anders als ihre Ministerkollegen nach der Corona-Warnmeldung am Montag nicht zu Hause. Stattdessen blieb sie im Ministerium. Hastig installierten ihr Techniker eine Kamera für Videoschalten auf dem Schreibtisch im Chefbüro. Seitdem regiert die Ressortchefin ihr Ministerium virtuell, macht in der Quarantäne Homeoffice, allerdings vom Arbeitsplatz aus.

Glaubt man ihren Leuten, ist die ungewöhnliche Corona-Absonderung in puncto Infektionsschutz genauso sicher wie eine Quarantäne daheim. Schon Vorgängerin Ursula von der Leyen hatte im Ministerbüro ein kleines Seitenzimmer mit einem Einzelbett und Waschecke installiert. Sie wohnte dort während ihrer sechsjährigen Amtszeit dauerhaft, nahm sich nie eine Wohnung in Berlin. Nun ist Kramp-Karrenbauer in das schmucklose Seitenzimmer eingezogen und verlässt das Ministerbüro nicht mehr.

Dokumente per Mail, Unterschrift per Computer

Für die Isolation im Bendlerblock soll es gute Gründe gegeben haben. So habe Kramp-Karrenbauer ihre Personenschützer nach der Corona-Warnung nicht durch eine Fahrt von Berlin nach Saarbrücken in Gefahr bringen wollen. Ihre Amtsgeschäfte führe sie rein virtuell, ohne jeden persönlichen Kontakt, selbst mit ihrem Büroleiter kommuniziere sie nur per Skype und Telefon. Die Vorlagen aus dem Haus erreichen die Ministerin demnach komplett elektronisch. Statt mit grüner Tinte zeichnet sie die Papiere dieser Tage per Computer ab.

Lange muss die Ministerin das selbst gewählte Einsiedlertum im Ministerbüro mit Blick auf den Landwehrkanal nicht mehr durchhalten. Am Samstag hat sie die Quarantänezeit im Bendlerblock abgesessen. Nach einem erneuten Corona-Test kann sie zurück nach Saarbrücken fahren.

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