Verdacht auf Vorteilsannahme Staatssekretär Thönnes im Visier der Ermittler

Der Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Franz Thönnes, steht schwer unter Druck: Der SPD-Politiker soll bei einer von E.on bezahlten Reise seine Frau als Angehörige des Ministeriums geführt haben. Nun will die Staatsanwaltschaft Köln wegen des Verdachts der Vorteilsannahme ermitteln.

Von Petra Bornhöft und


Hamburg/Berlin - Fleißig, uneitel, kompetent. So wird der SPD-Politiker Franz Thönnes, 52, von Mit-Parlamentariern beschrieben. Ähnlich gut ist Thönnes' Ruf in seinem Bad Segeberger Wahlkreis (Schleswig-Holstein), hört man von Kollegen aus der Lokalpresse.

SPD-Mann Thönnes: Staatsanwaltschaft will wegen Verdachts der Vorteilsannahme ermitteln
MARCO-URBAN.DE

SPD-Mann Thönnes: Staatsanwaltschaft will wegen Verdachts der Vorteilsannahme ermitteln

Umso größer nun die Überraschung: Die Staatsanwaltschaft Köln will gegen Thönnes, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, wegen des Verdachts der Vorteilsannahme ermitteln - der entsprechende Schriftsatz mit Datum vom 11. Juni 2007 an den Bundestagspräsidenten liegt dem SPIEGEL vor.

Der Vorwurf: Thönnes soll für eine vom Stromversorger E.on Ruhrgas AG bezahlte Norwegenreise seine Ehefrau Rita als Mitarbeiterin ausgegeben haben. 15 Personen nahmen laut Staatsanwaltschaft Köln vom 25. bis zum 27. Juli 2003 an der Norwegen-Reise teil, die Kosten beliefen sich demnach auf 4619,93 Euro pro Person. "Angesichts dieser Erkenntnisse bestehen zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für die Annahme, dass sich der von seiner Ehefrau begleitete Abgeordnete Thönnes durch die Teilnahme an der Reise nach Norwegen der Vorteilsannahme gemäß § 331 Abs. 1 Strafgesetzbuch strafbar gemacht haben könnte", heißt es in dem Schreiben des Leitenden Oberstaatsanwalts.

Zurzeit tagt der Immunitätsausschuss des Bundestags, danach will Thönnes eine Erklärung abgeben. Weder der SPD-Politiker selbst noch sein Büro wollten sich bisher gegenüber SPIEGEL ONLINE zu den Vorwürfen äußern. Auch aus dem Arbeitsministerium von Vizekanzler Franz Müntefering gibt es keine Informationen: "Ich verweise auf das Bundestagsbüro und die Erklärung von Franz Thönnes", sagte Ministeriumssprecher Stefan Giffeler SPIEGEL ONLINE.

Thönnes, der mit seiner Familie in Ammersbek wohnt, war 2003 parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, nach der Wahl 2005 wechselte er das Ressort. Von 1999 bis 2003 war der Politiker SPD-Vorsitzender in Schleswig-Holstein. Seit 1994 sitzt Thönnes im Bundestag. Er ist gelernter Industriekaufmann, von 1979 bis 2002 war Thönnes Gewerkschaftssekretär der IG Chemie - Papier - Keramik, darunter Bezirkssekretär und Geschäftsführer, bis 1994 in Hamburg.



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