Verdächtigte Araber Körting will nicht falsch verstanden werden

Drei seltsam aussehende Menschen, die nur Arabisch sprechen? Ein Fall für die Polizei, riet Berlins Innensenator Körting den Bürgern - zunächst. Jetzt bedauert er seinen ganz besonderen Anti-Terror-Tipp.

Berlins Innensenator Körting: "Möglicherweise unglücklich"
dpa

Berlins Innensenator Körting: "Möglicherweise unglücklich"


Berlin - Berlins Innensenator Ehrhart Körting nennt seine Äußerungen zur Meldung verdächtig aussehender Nachbarn "möglicherweise unglücklich". Am Mittwochabend hatte er im RBB-Fernsehen erklärt, Berliner sollten seltsam aussehende oder arabisch sprechende Nachbarn den Behörden melden.

Wörtlich sagte der SPD-Politiker: "Wenn wir in der Nachbarschaft irgendetwas wahrnehmen, dass da plötzlich drei etwas seltsam aussehende Menschen eingezogen sind, die sich nie blicken lassen oder ähnlich, und die nur Arabisch oder eine Fremdsprache sprechen, die wir nicht verstehen, dann sollte man glaube ich schon mal gucken, dass man die Behörden unterrichtet, was da los ist."

Das mutet äußerst seltsam an. Denn in einer Stadt wie Berlin dürfte die Entdeckung einer solchen Dreier-Combo kein allzu großes Problem darstellen.

Nun betonte Körting in der "Berliner Morgenpost", es gehe ihm um ernstzunehmende Hinweise, etwa auf Waffen oder verdächtige Pakete, nicht um Denunziationen: "Das gilt im Übrigen auch für die Moslems in der Hauptstadt. Wer in einer Moschee ein verdächtiges Gespräch mitbekommt, der soll sich sofort bei den Sicherheitsbehörden melden", so der langjährige Innensenator.

Der Türkische Bund Berlin-Brandenburg hatte zuvor kritisiert, Körting rufe nach den Terrorwarnungen zur Denunziation auf. Alle Menschen seien daran interessiert, dass Terror verhindert werde. Dies rechtfertige aber die Äußerungen nicht. Körting müsse sie zurücknehmen. Und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) solle seinen Senator zu Räson rufen, hatte der Bund gefordert.

Der Potsdamer Notfallpsychologe Gerd Reimann bezeichnete Körtings Verdächtigungen als "schon hart an der Grenze". Man solle "auf keinen Fall in Panik verfallen und einen Generalverdacht gegenüber einer Ethnie aussprechen". Das vergifte nur die Beziehungen.

sef/dpa

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boell 18.11.2010
1.
Zitat von sysopDie Terrorwarnung von Innenminister de Maizière hat eine neue Sicherheitsdebatte ausgelöst. Ist der Terrorschutz in Deutschland ausreichend?
Der Terrorismus hat sein Ziel auf ganzer Linie erreicht: Selbstterorisierung spart eigene Kräfte, eine alte militärische Lehre.
DerkurzeEugen, 18.11.2010
2. "der Terrorist mit der Bombe unterm Arm" ist schon unterwegs
Und wer oder was ist Schuld daran ? Natürlich, wir alle, die wir uns gegen den Polizeistaat wehren, die wir z.B. die Vorratsdatenspeicherung verhindert haben. Uhl: "Ohne Vorratsdatenspeicherung können die Menschen nicht mehr geschützt werden. Das ist völlig undenkbar." Ich frage mich, wie es uns so lange ohne Vorratsdatenspeicherung gelungen ist, das Land vor den Terror-Bombern zu schützen !? Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall, lieber Herr Uhl und ich hoffe es bleibt - wie bisher - dabei, dass wir keine Daten auf Vorrat speichern UND keinen Terror im Lande haben.
peter-bömmler 18.11.2010
3.
Das sehe ich genauso ... de Maizière: ".. die Bürger sollen wachsam sein.." hä, worauf soll ich denn GENAU aufpassen ?
plumperquatsch 18.11.2010
4.
Sehr erfeulich ist aber, daß offensichtlich kaum noch einer der Foren Nutzer auf die gefakten "Terror" Warnungen hereinfällt. Betrüblich ist jedoch, die zunehmende Gleichschaltung der Medien. Alles wird gut...
helmers 18.11.2010
5. Einladung an Terroristen aus dem Jemen
Warum hat man schon wieder voreilig die Sperre des Flugverkehrs mit dem Jemen aufgehoben, diese Frage muss die Bundesregierung und die Kanzlerin beantworten, wenn dies hier in unserem Land für Sicherheit sorgen soll, dann ist dies hundert Prozent der falsche Schritt gewesen.
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