Vergewaltigungsvergleich Union fordert Berlins Innensenator zum Rücktritt auf

Berlins Innensenator Ehrhart Körting wird wegen einer umstrittenen Aussage im Zusammenhang mit den Krawallen vom 1. Mai massiv kritisiert. Der SPD-Politiker verglich die Randale mit einer Vergewaltigung - die Opposition fordert nun seinen Rücktritt.


Berlin - Gleich zweifach steht Berlins Innensenator Ehrhart Körting nach den Randalen zum 1. Mai in der Kritik: Zum einen musste der SPD-Politiker einräumen, dass diesmal das Deeskalationskonzept der Polizei gescheitert ist - 273 Beamte wurden bei Krawallen im Stadtteil Kreuzberg verletzt, 289 Randalierer wurden festgenommen, im Vorjahr waren es weniger als die Hälfte.

Zum anderen sorgt eine Formulierung Körtings bei einer Pressekonferenz am Samstag für helle Empörung bei Oppositionspolitikern. Körting hatte die Gewalteskalation bei den Krawallen mit einer Vergewaltigung gleich gesetzt und wörtlich gesagt: "Das ist wie bei Sexualdelikten: Ist die Frau erst mal ausgezogen und vergewaltigt, dann fällt es anderen leichter, auch mitzumachen."

Als "abstoßend" und einen "Skandal" bezeichnete CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla die Äußerung und forderte eine "sofortige" öffentliche Entschuldigung Körtings. Das berichtet die "Bild am Sonntag".

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt forderte sogar den Rücktritt Körtings.

"Körting muss sich öffentlich entschuldigen und dann seine Koffer packen und abhauen", sagte Dobrindt dem Blatt. "Solche perversen und unverschämten Parolen sind eines Berliner Senators unwürdig."

Auch FDP-Generalsekretär Dirk Niebel zeigte sich entsetzt: "Mit seiner Äußerung bagatellisiert Körting Sexual- und Gewaltstraftaten. Statt solcher Vergleiche sollte Körting sich darum kümmern, dass keine Steine geworfen werden und Autos nicht angezündet werden."

Körting selbst räumte gegenüber dem Blatt ein, der Vergleich möge "unglücklich gewesen sein. Was ich aber damit sagen wollte: Jeder, der die körperliche Integrität eines Menschen so angreift, begeht eine schwere Straftat. Ob er nun als erster handelt oder es anderen nachmacht, ändert nichts an seinem Vergehen."

Die Polizei sprach nach der Nacht von Kreuzberg von einer neuen Qualität der Gewalt. Rund 2500 meist linke Randalierer hatten sich dort stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Zwei Beamte wurden laut Polizei mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und fingen Feuer - die Flammen konnten schnell gelöscht werden, die Polizisten blieben unverletzt. Zuvor waren zwei Polizisten vor ihren Autos an einer Feuerwache angegriffen worden. Einer erlitt laut Glietsch einen "massiven Schock".

Vorwürfe, der Polizeieinsatz sei teilweise unkoordiniert gewesen, wiesen Körting und Polizeipräsident Dieter Glietsch jedoch zurück. 5800 Polizisten waren im Einsatz. Glietsch zeigte sich zuversichtlich, dass die Polizei so viele Beweise gesichert habe, dass es "zu einer hohen Zahl an Verurteilungen kommen" werde.

pad/dpa/AP

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