Streit über Helikopterflug mit Sohn Lambrecht äußert Verständnis für Kritik

Die Verteidigungsministerin hat die Mitnahme ihres Sohnes in einem Regierungshelikopter als »rechtlich völlig korrekt« verteidigt. Laut einem Medienbericht wurde die Flugrechnung über 150 Euro erst am Dienstag gestellt.
Christine Lambrecht: »Aber mir ist es als Mutter auch wichtig, den Kontakt zu meinem Sohn zu halten«

Christine Lambrecht: »Aber mir ist es als Mutter auch wichtig, den Kontakt zu meinem Sohn zu halten«

Foto: Markus Schreiber / AP

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat Verständnis für die öffentliche Kritik an einem Mitflug ihres Sohnes in einem Regierungshubschrauber geäußert. Im ZDF-»Mittagsmagazin« kündigte die SPD-Politikerin an, es würden Konsequenzen gezogen, damit solche Vorwürfe künftig nicht mehr möglich seien.

Als Juristin, Ministerin und Bürgerin sei es ihr wichtig, dass alle ihre Entscheidungen »auch rein rechtlich völlig korrekt sind«. »Das ist hier auch der Fall. Die Kostenübernahme ist erfolgt«, sagte Lambrecht. Als Ministerin habe sie sehr wenig Zeit für Privatleben. »Aber mir ist es als Mutter auch wichtig, den Kontakt zu meinem Sohn zu halten«, sagte sie. Dafür bitte sie um Verständnis.

Die Ministerin wurde in dem Interview auch auf einen Bericht der Tageszeitung »Welt« angesprochen, wonach auf eine Anfrage zu dem Thema hin ein inoffizieller Hinweis erfolgt sei, dass Lambrecht sich rechtliche Schritte gegen eine mögliche Berichterstattung vorbehalte. Dazu sagte Lambrecht, sie selbst habe keinen Kontakt gehabt. »Also, ich behalte mir bei allen Äußerungen, die über mich oder meine Familie getroffen werden, vor, entsprechend dann auch darauf zu reagieren, wenn es zu falschen Tatsachenbehauptungen kommt.«

Auch aus der Ampelkoalition kam Kritik an Lambrecht. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, sagte dem Fernsehsender »Welt«: »Ich persönlich bin der Meinung, dass selbst, wenn etwas rechtlich möglich ist, es politisch nicht wirklich klug ist. Und deswegen muss jeder für sich selber darauf achten, wo Grenzen überschritten werden. Das muss die Ministerin letztlich für sich entscheiden. Ich persönlich, wenn sie mich gefragt hätte, hätte ihr davon abgeraten.« Strack-Zimmermanns Parteikollege Wolfgang Kubicki hatte die Aktion zuvor als »tölpelhaft, aber rechtstreu« bezeichnet.

Lambrecht hatte in einem Regierungshubschrauber zu einem Truppenbesuch in Norddeutschland Mitte April ihren 21-jährigen Sohn mitgenommen, ohne dass er am Militärtermin teilnahm. Am nächsten Tag und nach einer Hotelübernachtung ging es mit Auto und Personenschützern auf die nahe Insel Sylt.

In einer Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion am Dienstag hat Lambrecht nach SPIEGEL-Informationen von einer »Kampagne« gegen sich gesprochen. Teilnehmer zitieren sie mit dem Satz, dass es in der Debatte über sie selten um Inhalte gehe, sondern meist gegen sie als Person. Mal werde ihr Schuhwerk kritisiert, jetzt eben ein Flug.

Im Anschluss an ihre Ausführungen gab es Teilnehmern zufolge Applaus in den Reihen der Abgeordneten. Bundeskanzler Olaf Scholz war während ihrer Stellungnahme nicht im Raum. Dem Vernehmen nach soll er der Ministerin aber zuvor demonstrativ die Hand auf die Schulter gelegt haben, was in der Fraktion als Zeichen seiner Unterstützung gewertet wurde.

Bericht: Lambrecht hat 150 Euro gezahlt

Laut dem »Business Insider« hat das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr erst am Dienstag eine Rechnung für den Mitflug ihres Sohnes gestellt. Demnach soll die Ministerin rund 150 Euro für den Trip zahlen, heißt es. Das Magazin meldet dies unter Bezug auf Informationen aus Regierungskreisen.

Auf Anfrage habe sich das Ministerium nicht zu der Rechnung geäußert. Eine Sprecherin sagte, dass die Mitnahme entsprechend den Richtlinien in Ordnung gewesen sei. »Zu Stand und Inhalt des laufenden Verfahrens zur Abrechnung von Kosten kann ich derzeit noch keine Details nennen,« zitiert »Business Insider« die Sprecherin.

Seit Wochen unter Druck

Lambrecht, die mit dem Umbau der Bundeswehr das vielleicht größte Projekt der Legislaturperiode zu organisieren hat, steht wegen fachlicher Fehler und einer Reihe von Ungeschicklichkeiten seit Wochen unter Druck.

Lambrechts Krise belastet mittlerweile auch ihre Partei. Ausgerechnet kurz vor der wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen sieht sich eine zentrale Ministerin im Bundeskabinett dem Vorwurf ausgesetzt, die Dienstprivilegien für private Zwecke ausgenutzt zu haben.

svs/dpa
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