Verteidigungsministerium De Maizière entlässt Guttenbergs Staatssekretär

Thomas de Maizière hat seinen neuen Posten im Verteidigungsministerium bezogen - und dort als erstes Staatssekretär Otremba entlassen. Dieser war bislang für die Bundeswehrreform zuständig. An dem Großprojekt will de Maizière zwar festhalten, er behält sich aber Änderungen vor.

Ex-Staatssekretär Walther Otremba (Archivbild): Steile Karriere in zahlreichen Ministerien
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Ex-Staatssekretär Walther Otremba (Archivbild): Steile Karriere in zahlreichen Ministerien


Berlin - Walther Otremba hat schon vielen Chefs mit unterschiedlichen Parteibüchern gedient - doch unter dem neuen Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) wird er nicht arbeiten. Als eine der ersten Amtshandlungen entließ de Maizière am Freitag den Spitzenbeamten.

Otremba soll in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden. Gründe wurden keine genannt - doch das Verhältnis von de Maizière und Otremba galt schon länger als angespannt.

Der 59-Jährige war bis zuletzt verantwortlich für die große Bundeswehrreform. Dabei geht es vor allem um den Umbau des Ministeriums und die Straffung der Führungsstrukturen.

An der Bundeswehrreform wolle er grundsätzlich festhalten, stellte de Maizière klar. Doch Entscheidungen werde er erst "nach einer gründlichen Lagefeststellung" treffen. Dabei sind nach Angaben eines Ministeriumssprechers "leichte Richtungsänderungen" in der Neuorganisation der Streitkräfte nicht ausgeschlossen. Nach einer Koalitionsentscheidung aus dem vergangenen Dezember soll die Bundeswehr von derzeit 235.000 auf bis zu 185.000 Soldaten verkleinert werden.

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Nach Guttenbergs Rücktritt: Abschied und Neuanfang
Erst im Dezember hatte Otremba mit seinem Auftritt auf der Kommandeurtagung in Dresden für Unruhe in der Truppe gesorgt. Dabei soll er nach Angaben aus Teilnehmerkreisen betriebswirtschaftliche Gründe für eine schnelle Reform Bundeswehr in den Vordergrund gestellt haben und für Kritik unzugänglich gewesen sein.

CDU-Mitglied Otremba war von dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg 2009 mit der Reform betraut worden. Vor dieser Tätigkeit hatte er eine steile Karriere in diversen Ministerien durchlaufen. In der Beamtenkaste gilt er als Alleskönner.

Seit 1983 arbeitete er im Finanzministerium, war später enger Vertrauter des CSU-Ressortchefs Theo Waigel. Als SPD-Mann Oskar Lafontaine das mächtige Haus übernahm, geriet der selbstbewusste Otremba politisch ins Abseits. Unter Hans Eichel (SPD) war er wieder mehr gefragt, ging dann aber 2002 als Chef der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation nach Bonn.

Unter Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) schaffte er 2006 als Staatssekretär in Berlin ein Comeback. Als Glos zurücktrat, arbeitete Otremba noch einige Zeit für Guttenberg weiter. Im Streit um Staatshilfe für den Autobauer Opel oder das untergegangene Versandhaus Quelle war er wichtiger Ratgeber des jungen Ministers.

2009 ging Otremba zurück ins Finanzministerium, wo es aber schnell zum Kompetenzgerangel in der Führungsebene kam. Wieder wechselte er den Schreibtisch: ins Verteidigungsministerium. Doch auch dort ist für ihn nun Schluss.

kgp/dpa/dapd

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