Verteidigungsministerium Berater von KPMG sollen bei Rüstungsprojekten aufräumen

Verteidigungsministerin von der Leyen holt sich beim Dauerproblem Rüstungsprojekte Hilfe von außen. So schnell wie möglich sollen Berater von KPMG die pannenanfälligen Projekte durchleuchten.

Aus Washington berichtet


Für die wohl schwierigste Aufgabe im Bundesverteidigungsministerium hat sich Ministerin Ursula von der Leyen einen Partner von außen ausgesucht. In diesen Tagen entschied ihr Ministerium, dass die Unternehmensberatung KPMG in den nächsten Monaten die wichtigsten und traditionell pannenanfälligen Rüstungsprojekte durchleuchten soll, die ihren Vorgängern in den vergangenen Jahren immer wieder Negativschlagzeilen und Rücktrittsforderungen einbrachten.

Nach einer Auswahlphase hat das Ministerium nun KPMG ausgewählt, hieß es im Ministerium. Da die anderen Mitbewerber in den kommenden zwei Wochen noch Einspruch gegen die Entscheidung einlegen können, wollte das Ministerium nichts bestätigen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete allerdings ebenfalls am Donnerstagabend über das Votum, das endgültig Ende des Monats mitgeteilt werden soll.

Die Aufgabe für die Wirtschaftsprüfer ist anspruchsvoll. Egal ob beim Transportflugzeug A400M, dem "Eurofighter" oder der Pannen-Drohne "Euro Hawk" gibt es bei allen Rüstungsprojekten, die meist mit Milliarden-Etats belegt sind, immer das gleiche Muster. Immer werden die Produkte über die Jahre teurer als erwartet, häufig zeigen sie erhebliche Schwächen und werden teilweise Jahre zu spät ausgeliefert.

Kernprojekt der Ministerin

Das alles soll sich unter von der Leyen nun ändern, neben der Attraktivitätsoffensive für die Bundeswehr gehört die Reform des Rüstungsbereichs zu den beiden Kernprojekten der Ministerin, die Ende vergangenen Jahres überraschend von Kanzlerin Angela Merkel an die Spitze des Wehrressorts bugsiert worden war. Mit der Entscheidung für KPMG soll ein erster Schritt gegangen werden. Anhand der Analyse der externen Berater, die nach bisherigen Planungen im Spätherbst vorgelegt werden soll, will von der Leyen entscheiden, welche Projekte fortgeführt, verändert oder ganz gestoppt werden.

Bisher ist von der Leyen bei der Mammutaufgabe nicht gerade zimperlich mit ihrem Haus umgegangen: Für den ambitionierten Neuanfang hat sie im Februar sowohl den zuständigen Rüstungsstaatssekretär Stéphane Beemelmans als auch den Leiter der Fachabteilung für die Beschaffung von Waffen gefeuert. Was nach außen als radikaler Schritt dargestellt wurde, birgt für von der Leyen auch ein erhebliches Risiko: An der Reform des Rüstungsbereichs wird die Ministerin gemessen werden, neue Pannen kann sie ab Ende des Jahres nicht mehr auf Vorgänger schieben.

Dass KPMG den Auftrag übernehmen soll, entbindet von der Leyen von einem weiteren Problem. Schon vor Wochen hat sie dafür votiert, eine weitere Unternehmensberaterin zur neuen Staatssekretärin zu ernennen. Bisher will das Ministerium die Personalie Katrin Suder, bisher Partnerin bei McKinsey in Berlin, ebenfalls nicht bestätigen. Das lag bis in diesen Tagen vor allem daran, dass sich Suder als Projektleiterin für McKinsey ebenfalls für die Durchforstung der Rüstungsprojekte beworben hatte - ein klassischer Interessenkonflikt.

Bekommt KPMG nun den Auftrag mit einem Budget von rund 400.000 Euro, ist der Weg für Suder frei. Die Personalie, hieß es im Ministerium, könne damit noch vor der Sommerpause im Kabinett bestätigt werden.



insgesamt 81 Beiträge
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gordinho-br 19.06.2014
1. Wieso braucht
Man da externe Hilfe? Da muss nur jemand den Posten übernehmen, der Ahnung von der Sache hat, und kein Luftgewehr unter einen Helikopter montieren will.
ketzer2000 19.06.2014
2. Typisch
Zitat von sysopDPAVerteidigungsministerin von der Leyen holt sich beim Dauer-Problem Rüstungsprojekte Hilfe von außen. So schnell wie möglich sollen Berater von KPMG die pannenanfälligen Projekte durchleuchten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/verteidigungsministerium-kpmg-soll-ruestungsprojekte-durchleuchten-a-976260.html
Da werden Rüstungsprojekte gestartet und bei der Industrie beauftragt, dann kann die Industrie nicht liefern, die Projekte verzögern sich und durch neue Anforderungen seitens des Auftraggebers gerät der Entwicklungs- und Beschaffungsvorgang endgültig zur Farce. Was heraus kommt, sind offensichtlich Waffen, die in der Praxis nicht taugen, siehe Sturmgewehr, Kampfhubschrauber oder fluguntaugliche Drohne. Jetzt sollen für 400t€ die Projekte durchforstet werden. 1. 400 t€ sind für eine so komplexe Beratung nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Dabei wird es nicht bleiben. 2. KPMG wird nur rudimentäre Analysen auf Basis von Bw Unterlagen liefern können, da Fach Know-How nicht vorhanden ist. Besser wäre, die Waffen endlich im Krieg zu testen und damit die Produkte am Feind zu testen. Das würde auch Herrn Gauck freuen, denn dann würde wir endlich im großen Spiel der Gerechtigkeit auf Erden mitmischen.
hobbyleser 19.06.2014
3. Flinten-Uschi auf der Überholspur
Erstaunlich, dass Flinten-Uschi sich und ihrem Haufen bestbezahlter Beamter soviel Kompetenz zutraut, dass sie sich diese Unternehmensberater-Mischpoke ins Haus holt. Die Brüder haben zwar nicht den blassesten Schimmer von der Materie, aber ich bin mir sicher, dass die ganz ausgezeichnete Charts und PPTs erstellen und diese in blumigen Schwafelattacken auf Zensursula niederregnen lassen werden. Nebenbei zahlt der Steuerzahler die Brioni-Anzüge der Heißluftwissenschaftler.
Wirbelwind 19.06.2014
4. Von der Leyen versucht die Verantwortung für zukünftige Skandale abzuschieben!
Ein durchschaubares Spiel: Von der Leyen versucht die Verantwortung für zukünftige Skandale abzuschieben!
J'y vais 19.06.2014
5. Ran an den Feind!
Den militärisch-industriellen Komplex aufmischen? Grisham würde in Amerika einen Thriller mit einigen Toten darüber schreiben. Viel Glück!
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