Verurteilung Gericht befürchtet Flucht von Max Strauß

Das Landgericht Augsburg hat nach dem Urteilsspruch über Max Strauß einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Bei dem zu drei Jahren und drei Monaten Haft Verurteilten bestehe Fluchtgefahr. Strauß hat sich der millionenschweren Steuerhinterziehung schuldig gemacht.



Augsburg - Kurz nach der Verkündung setzte das Gericht den Haftbefehl wegen Fluchtgefahr wieder außer Kraft - allerdings gegen strenge Auflagen. Strauß muss sich wöchentlich bei der Polizei melden, sich Auslandsreisen genehmigen lassen, jeden Wohnsitzwechsel unverzüglich dem Gericht mitteilen und seine Pässe abgeben.

Am Morgen war der 45-jährige Strauß für schuldig befunden worden, vom Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber Provisionen in Höhe von umgerechnet 2,6 Millionen Euro erhalten und nicht versteuert zu haben. Die Verteidigung hat gegen das Urteil Revision angekündigt.

Strauß-Anwalt Wolfgang Dingfelder sagte nach dem Schuldspruch: "Wir haben ein einseitiges Blendwerk vorgeführt bekommen, das von der Verteidigung nicht akzeptiert werden kann." Dingfelder rügte die Richter aufs Heftigste: "Mein Mandant ist über acht Jahre geteert und gefedert worden, heute ist er abgeschlachtet worden."

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Sohn des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) dreieinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Der psychisch angeschlagene Strauß hatte während des fast sechs Monate dauernden Verfahrens jede Aussage verweigert.

Nach Ansicht der Anklage stammen die Provisionen aus Airbus- und Panzergeschäften mit Kanada, Thailand und Saudi-Arabien. Schreiber habe das Geld für Strauß auf das Schweizer Nummernkonto "Maxwell" überwiesen und treuhänderisch verwaltet, sagte der Staatsanwalt. Die Verteidigung versicherte dagegen, Strauß habe nie auch nur einen Pfennig bekommen.

Die überraschende Festnahme des ebenfalls in der Schreiber-Affäre angeklagten Ex-Verteidigungs-Staatssekretärs Holger Pfahls hatte auf die Urteilsverkündung keinen Einfluss. Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichteten vor dem Urteil auf eine Zeugeneinvernahme des fünf Jahre lang untergetauchten früheren CSU-Politikers.