Videobotschaft Deutscher Dschihadist meldet sich aus Waziristan

Der Bonner Extremist Mounir C. hat für die militante Islamische Bewegung Usbekistans ein neues Propagandavideo aufgenommen. Darin brüstet er sich damit, dass neue Rekruten aus Deutschland im Kampfgebiet angekommen seien. Tatsächlich ist die IBU in Schwierigkeiten.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Die militante Islamische Bewegung Usbekistans (IBU) behauptet in einem aktuellen Propagandavideo, dass neue Rekruten aus Deutschland bei ihr im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet eingetroffen seien. Belege dafür werden in dem 39 Minuten langen Video allerdings nicht geliefert.

Das Video, das am späten Mittwochabend auf der Website der IBU veröffentlicht wurde und das SPIEGEL ONLINE vorliegt, besteht im Wesentlichen aus einer "Willkommensrede" des Bonner Dschihadisten Mounir C. alias "Abu Adam" an die angeblichen Neuzugänge. Nur kurz sind neben ihm selbst drei weitere - zum Teil unkenntliche - Personen zu sehen. Ob sie aus Deutschland stammen und wer sie sind, wird nicht preisgegeben. Das Band wird im Abspann auf Juni 2010 datiert.

"Es freut mich, unter euch neue Gesichter zu sehen", erklärt Mounir C. in dem Video. "Herzlich Willkommen auf dem Boden der Ehre." In der folgenden Erbauungsrede spricht der Rheinländer vor allem über die Erschwernisse der Reise in das Kampfgebiet und den mutmaßlichen Lohn dafür: Der militante Kampf sei eine "Abkürzung ins Paradies". Deshalb hätten sie alle das Leben in Deutschland aufgegeben, wo "täglich unsere Herzen befleckt" worden seien.

In seiner Rede greift C. eine ganze Reihe typisch dschihadistischer Propaganda-Elemente auf, als Ziel benennt er etwa die Befreiung Jerusalems und die Errichtung eines "islamischen Staates". Die Ansprache fügt sich somit in sattsam bekannte Muster von Reden, deren Sinn vor allem darin besteht, weitere Nachahmer zu rekrutieren.

IBU in Bedrängnis

Die Authentizität des Videos konnte nicht unmittelbar unabhängig bestätigt werden - alle äußeren Anzeichen sprechen aber dafür: so etwa der Fundort, der Inhalt, die Stimme des Sprechers und sein Aussehen. Mounir C. ist bereits in mehreren Propagandavideos der IBU aufgetreten.

Die IBU ist eine ursprünglich usbekische Organisation, die aber ihr Operationsgebiet schon vor Jahren ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet verlegt hat. Ihre Kämpfer werden insgesamt auf mehrere hundert bis tausend geschätzt. Sicher ist, dass sie an verschiedenen Fronten kämpfen. So haben IBU-Kämpfer sich Gefechte mit pakistanischen Soldaten geliefert, aber auch Nato-Konvois attackiert. Auch bei einem Anschlag auf Bundeswehrsoldaten in Nordafghanistan hat die IBU mutmaßlich mitgewirkt.

Die IBU kooperiert dabei mit verschiedenen einflussreichen lokalen Netzwerken. Im Laufe des vergangenen Jahres ist sie allerdings immer wieder in Bedrängnis geraten, zum Beispiel bei Operationen der pakistanischen Armee oder durch den Beschuss ihrer Lager mit CIA-Drohnen.

Seit Monaten wird darüber spekuliert, dass der Anführer der IBU, der Usbeke Tahir Joldaschew, bei einem solchen Luftschlag getötet wurde. Die IBU dementiert dies und veröffentlicht regelmäßig Propagandavideos, in denen der untersetzte bärtige Mann auftritt und Reden hält oder Kämpfer züchtigt. Allerdings sind diese Aufnahmen nicht zu datieren.

Rückkehrgedanken unter deutschen Rekruten?

Bei der IBU halten sich unterdessen auch mehrere Rekruten aus Deutschland auf. Neben Mounir C. unter anderem sein Bruder Yassin. Ein weiterer aus Deutschland angereister IBU-Kämpfer, der sich "Abu Safiyya" nannte, kam bei einem Gefecht mit der pakistanischen Armee im vergangenen Herbst ums Leben. Einige der deutschen IBU-Kader verkehrten mutmaßlich in der kürzlich geschlossenen Taiba-Moschee in Hamburg.

Insgesamt gehen deutsche Sicherheitsbehörden davon aus, dass sich derzeit Dutzende deutscher Dschihadisten bei verschiedenen extremistischen und militanten Gruppierungen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aufhalten. Unter anderem finden sie sich bei der Islamischen Dschihad Union (IJU), bei al-Qaida und bei den "Deutschen Taliban Mudschahidin", einer IJU-Abspaltung, die nach eigenen Angaben unter dem Kommando der afghanischen Taliban operiert.

Allerdings scheinen nicht alle dieser deutschen Kämpfer mit ihrer Lage zufrieden zu sein. Es mehren sich Hinweise, dass einige Rückkehrgedanken haben.

insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
deb2006, 12.08.2010
1. Mordend ins Paradies
Zitat von sysopDer Bonner Extremist Mounir C. hat für die militante Islamische Bewegung Usbekistan (IBU) ein neues Propagandavideo aufgenommen. Darin brüstet er sich damit, dass neue Rekruten aus Deutschland im Kampfgebiet angekommen seien. Tatsächlich ist die IBU in Schwierigkeiten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,711413,00.html
Irgendwie hat dieser Typ etwas nicht ganz verstanden. Wie sonst ist es zu erklären, dass er ausgerechnet durch möglichst viele Morde ins Pradies kommen will (gesetz den Fall, dass es dieses Paradies überhaupt gibt)? Aber das Wirken dieser Leute hat sich ja noch nie durch geistige Höchstleistungen ausgezeichnet. Von daher ...
hausmeister hempel 12.08.2010
2. Überschrift des Artikel irreführend
Zitat von sysopDer Bonner Extremist Mounir C. hat für die militante Islamische Bewegung Usbekistan (IBU) ein neues Propagandavideo aufgenommen. Darin brüstet er sich damit, dass neue Rekruten aus Deutschland im Kampfgebiet angekommen seien. Tatsächlich ist die IBU in Schwierigkeiten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,711413,00.html
Ein deutscher Pass und die Sozialisation in muslimischer Parallelgesellschaft in Deutschland macht doch aus Zugewanderten keine Deutschen. Die Verhaltensweisen - kulturell tradiert - sind doch sehr verschieden.
A&O 12.08.2010
3. wir kriegen euch alle
Zitat von hausmeister hempelEin deutscher Pass und die Sozialisation in muslimischer Parallelgesellschaft in Deutschland macht doch aus Zugewanderten keine Deutschen. Die Verhaltensweisen - kulturell tradiert - sind doch sehr verschieden.
Sie haben da was falsch verstanden, Zielstellung war doch das "deutsche Wesen" so zu verdünnen, das von deutschem Boden nie wieder und so....Sie wissen schon. Und daran arbeiten die, so sicher wie ein deutsches Uhrwerk....insofern sind das Deutsche, mitgehangen, mitgefangen.
ProPolizei, 12.08.2010
4. Na so ein Zufall...
---Zitat--- Einige der deutschen IBU-Kader verkehrten in der kürzlich geschlossenen Taiba-Moschee in Hamburg. ---Zitatende--- Nun frage ich mich, aus welcher Moschee die nächsten Kandidaten anreisen werden...
mona2 12.08.2010
5. Kämpfer?
Diese Terminlogie, die durch die gesamte deutsche Presse geistert ist grob verfälschend! Das sind keine Kämpfer, genausowenig, wie die Hamas und andere Terrororganstionen 'Kämpfer' haben. Das sind schwerkriminelle Terroristen, die sich feige hinter Frauen und Kindern verstecken!
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