Gruppierung in der Union Neuer Vizechef der WerteUnion war früher ein Neonazi

Die konservative WerteUnion hat am Wochenende den AfD-nahen Unternehmer Max Otte zum Chef gewählt. Nun kommt heraus: Sein Vize Klaus Dageförde war früher in der rechtsextremen Szene. Otte hält zu ihm.
Die WerteUnion ist ein konservativer Kreis von Mitgliedern der Unionsparteien

Die WerteUnion ist ein konservativer Kreis von Mitgliedern der Unionsparteien

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Am vergangenen Wochenende hat die WerteUnion Klaus Dageförde zu einem von drei Stellvertretern des neuen Chefs Max Otte gewählt. Nun hat Dageförde bestätigt, eine Vergangenheit in der rechtsextremen Szene zu haben. »Ich streite nicht ab, dass ich mich in den Achtzigerjahren zwei oder drei Jahre lang in dieser rechten Szene bewegt habe«, sagte Dageförde der »taz«.

Das soll auch eine Anklageschrift der Stuttgarter Staatsanwaltschaft aus dem Jahr 1990 bestätigen, auf die sich die »taz« beruft. Die Staatsanwaltschaft wirft Dageförde darin vor, als »Rädelsführer« eine verbotene Organisation fortgeführt zu haben. Bei der Organisation handelt es sich um die von Michael Kühnen gegründete Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA), die sich als Fortführung von NSDAP und SA verstand.

Ende 1983 wurde sie vom damaligen CSU-Innenminister Friedrich Zimmermann verboten. Der Prozess begann im Februar 1991 und platzte im Mai 1994 nach 124 Verhandlungstagen. Insgesamt waren 21 Personen angeklagt, nach Angaben von Dageförde wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt. Dageförde bestritt, Kameradschaftsführer in Bamberg gewesen zu sein. Er habe nach dem Verfahren jeglichen Kontakt zu den rechten Organisationen abgebrochen. 2004 sei er in die CDU eingetreten.

Die WerteUnion, die sich als Vertretung der konservativen Strömung in der Union sieht, hatte am Wochenende den Unternehmer Max Otte zum neuen Vorsitzenden gewählt. Das CDU-Mitglied Otte hatte in der Vergangenheit öffentlich über seine Nähe zur AfD gesprochen. 2017 kündigte er zum Beispiel vor der Bundestagswahl eine Stimmabgabe für die AfD an. Im selben Jahr sagte er der »Wirtschaftswoche«, bis auf Björn Höcke sei die AfD »nicht rechtsradikal«. Die AfD sei vielmehr »zu 90 Prozent eine bürgerlich-konservative Partei«. Von 2018 bis Anfang 2021 war er Vorsitzender des Kuratoriums der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung. An der Wahl gab es auch innerhalb der Unionsparteien heftige Kritik.

Nach Angaben von Otte hat Dageförde bei der Versammlung des Vereins am Wochenende seine Neonazivergangenheit angesprochen. »Herr Dageförde hat in seiner Bewerbungsrede gesagt, dass er vor vielen Jahren kurz in der rechten Szene unterwegs war, dass er aber seit 30 Jahren clean ist und nichts mehr mit der rechten Szene und rechtsextremem Gedankengut zu tun hat«, sagte Otte der »taz«. »Das reicht mir.«

lau
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