Völkermord im Sudan Wieczorek-Zeul für Bundeswehr-Einsatz in Darfur

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul will deutsche Soldaten an der Uno-Friedensmission im Sudan beteiligen. Kanzlerin Angela Merkel hatte dies bisher ausgeschlossen.


Berlin - "Wenn es eine Aufforderung der Vereinten Nationen auch an europäische Länder gibt, können und dürfen wir als Europäer und Deutsche sie nicht zurückweisen", sagte die Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit der "Bild am Sonntag". Das Blutbad in Darfur müsse ein Ende haben. Dort finde ein "Völkermord in Zeitlupe" statt.

Daher dürfe keine Zeit mehr verloren werden, sagte die Ministerin. Die Friedenstruppe der Afrikanischen Union müsse entsprechend dem Beschluss des Uno-Sicherheitsrats auf 20.000 Mann aufgestockt werden. Zum Umfang einer möglichen deutschen Beteiligung machte die Ministerin keine Angaben. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich gegen weitere Auslandseinsätze der Bundeswehr ausgesprochen.

In Darfur sind derzeit 7000 Soldaten der Afrikanischen Union (AU) stationiert, die die südsudanesische Region bislang aber nicht befrieden konnten. Deshalb will die Uno den Einsatz übernehmen, was aber in der sudanesischen Regierung auf Vorbehalte stößt. Das Mandat der AU läuft am 31. Dezember aus.

In Darfur sind seit Beginn des Bürgerkriegs 2003 schätzungsweise 200.000 Menschen getötet und mehr als 2,5 Millionen vertrieben worden. Ausgebrochen war der Konflikt 2003 als die nicht-arabische Mehrheit in Darfur mehr Einfluss auf die Zentralregierung nehmen wollte. Die Regierung in Khartum lehnte dies ab und unterstützte und bewaffnete die arabischen Dschandschauid-Milizen, die seitdem in Darfur wüten.

cvo/ap/rtr



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