Hessens Landeschef Bouffier hält Schwarz-Grün im Bund für "attraktive Option"

Hessens Ministerpräsident Bouffier avanciert zum Vorreiter schwarz-grüner Gedankenspiele. Im SPIEGEL empfiehlt er seiner Partei, auch im Bund eine Koalition mit der Ökopartei zu wagen.
Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Vize Tarek Al-Wazir

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Vize Tarek Al-Wazir

Foto: picture alliance / dpa

Lange galt Volker Bouffier als einer der konservativsten Knochen der CDU. Seit er aber als hessischer Ministerpräsident das erste schwarz-grüne Bündnis in einem Flächenland anführt, ist der Weggefährte von Roland Koch plötzlich zur Symbolfigur für eine neue Zeit geworden.

Da die Koalition in Hessen bislang ohne größere Reibung regiert, legt Bouffier, der zugleich stellvertretender CDU-Vorsitzender ist, seiner Partei auch im Bund ein schwarz-grünes Bündnis nahe. "Ich halte Schwarz-Grün für eine attraktive Option", sagt er mit Blick auf die Bundestagswahl im kommenden Jahr. In Hessen habe sich die Koalition jedenfalls "für beide Seiten gelohnt", erklärte Bouffier im Interview mit dem SPIEGEL. "Schwarz-Grün war eine gute, richtige Entscheidung." (Lesen Sie hier das vollständige Interview im neuen SPIEGEL.)

Bouffier weiß allerdings, dass nicht alle in der Union seine Euphorie teilen, insbesondere die bayerische CSU nicht. Ausdrücklich widersprach Bouffier seinem CSU-Kollegen Alexander Dobrindt, der ein schwarz-grünes Bündnis im Bund gerade erst wieder ausgeschlossen hatte. "Ich teile diese Meinung so nicht."

Tierwohl? Für die CDU keine "spinnerte Geschichte mehr"

"Wir haben beide viel voneinander gelernt", sagte Bouffier über sein Bündnis mit den Grünen in Hessen. Bei manchen Themen habe er heute einen anderen Blick als früher. "Wenn wir etwa über Ernährung reden, über Verbraucherschutz oder das Tierwohl. Wir halten solche Themen nicht mehr für spinnerte Geschichten."

Das Erfolgsrezept seiner Koalition sei, dass man sich gegenseitig respektiere, gerade auch die Eigenständigkeit des anderen. "Das ist ein wesentlicher Unterschied dazu, wie die Sozialdemokraten die Grünen behandelt haben", meint der CDU-Politiker. "Die SPD hat noch immer den Eindruck, die Grünen seien ein abgefallener Teil ihrer selbst - und behandelt sie gelegentlich auch so."

Bouffier weiß, dass er selbst stark von den schwarz-grünen Gedankenspielen profitiert, die derzeit die deutsche Politik bestimmen. So hält sich seit Wochen das Gerücht, er könne womöglich Joachim Gauck im kommenden Jahr nachfolgen - als schwarz-grüner Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.

Die Grünen werden zwar nicht zwingend begeistert sein von dieser Idee. Bouffier aber fühlt sich von derlei Spekulationen geschmeichelt. "Zum einen muss man sich nicht schämen, wenn andere einem etwas zutrauen", sagte er dem SPIEGEL. "Zum anderen ist der Ausgangspunkt solcher Spekulationen der Umstand, dass CDU und Grüne in Hessen regieren und das sehr gut läuft. Dass das ein gewisses Interesse am zuständigen Ministerpräsidenten auslöst, kann ich verstehen."

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