Nach Kauder-Sturz CSU-Vize Weber warnt vor Autoritätsverlust der Kanzlerin

Angela Merkel wackelt, das schwächt auch Deutschlands Stellung in Europa. CSU-Vize Manfred Weber verlangt im SPIEGEL mehr Disziplin in der Koalition - und ein Bekenntnis zur Autorität der Kanzlerin.
Manfred Weber

Manfred Weber

Foto: FREDERICK FLORIN/ AFP

Der mögliche Spitzenkandidat bei der Europawahl und CSU-Vizevorsitzende Manfred Weber mahnt die Berliner Koalition, die Autorität von Kanzlerin Angela Merkel nicht weiter zu untergraben.

"Deutschlands Stabilität ist wesentlich für ein starkes Europa. Angela Merkel hat daran großen Anteil und genießt für ihre Arbeit hohe Wertschätzung in der EU. Die Koalitionsparteien würden deshalb gut daran tun, die Kanzlerin bei den anstehenden, sehr wichtigen Verhandlungen, wie zum Beispiel zur Migration oder zum Brexit, voll zu unterstützen", sagt Weber in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL. "Ansonsten würden deutsche Interessen geschwächt." (Lesen Sie hier das vollständige Interview im neuen SPIEGEL .)

Zuletzt war der Merkel-Vertraute Volker Kauder überraschend nicht als Vorsitzender der Unionsfraktion wiedergewählt worden. Diese Personalie war auch als klares Zeichen des internen Widerstandes gegen die CDU-Parteichefin gewertet worden.

Kanzlerin Merkel

Kanzlerin Merkel

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Auch Weber selbst hat kein Interesse an einer angeschlagenen Kanzlerin. Der CSU-Mann, der auch Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament ist, möchte als Spitzenkandidat bei der Europawahl antreten. Um sich nach der Wahl allerdings bei den Staats- und Regierungschefs als Nachfolge von Kommissionschef Jean-Claude Juncker durchzusetzen, ist er auf die Autorität Merkels angewiesen.

Weber kündigt an, dass die CSU künftig auf einen proeuropäischen Kurs setzen werde und kritisierte damit den von dem EU-Skeptiker Peter Gauweiler angeführten Europawahlkampf der Partei von 2014 scharf. "Ein Wahlkampf, bei dem man verschiedene Signale aussendet, kann nicht funktionieren. Das haben wir in der CSU bei der letzten Europawahl schmerzhaft erleben müssen", so Weber.

Verständnis für die Probleme der EU-Partner entwickeln

Der CSU-Politiker betont, dass Deutschland aus den Debatten in der Eurokrise lernen müsse. "Wenn in Italien, Griechenland oder Spanien eine große Zahl junger Menschen ohne Arbeit ist, wenn in diesen Ländern eine verlorene Generation zu entstehen droht, dann darf das den ökonomisch starken Partnern in Deutschland, Frankreich oder Finnland nicht gleichgültig sein. Dieses Verständnis für die Sorgen und Nöte unserer Nachbarn haben wir Deutschen manchmal vermissen lassen."

Weber schließt nicht aus, dass er trotz seiner europäischen Ämter Interesse am CSU-Vorsitz haben könnte, falls sich diese Frage nach der Landtagswahl in Bayern stellen sollte. "Diese Frage werde ich nicht beantworten, weil sie auf eine bestimmte Antwort abzielt", erklärt er im SPIEGEL und fügt hinzu: "Ich bin aber im Grundsatz der Meinung, dass Europapolitik eine normale politische Ebene ist. Wie die Landespolitik, wie die Bundespolitik."

Umfragen sehen die CSU in Bayern derzeit bei rund 35 Prozent, als denkbar gilt, dass Parteichef Horst Seehofer bei einem vergleichbaren Ergebnis bei der Landtagswahl zurücktreten muss. Als mögliche Parteichefs werden neben Weber Ministerpräsident Markus Söder und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt gehandelt.