Volksverhetzung Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verbrennung von Anne-Frank-Tagebuch

Auf einer rechten Sonnenwendfeier in Sachsen-Anhalt sollen drei Männer das "Tagebuch der Anne Frank" verbrannt haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung. In der Kritik steht auch ein Bürgermeister aus der Linkspartei - er soll den Organisatoren der Feier nahestehen.


Magdeburg - Nach der Verbrennung einer Ausgabe des "Tagebuchs der Anne Frank" in Pretzien in Sachsen-Anhalt haben Polizei und Staatsanwaltschaft drei Tatverdächtige ausgemacht. Gegen die Männer im Alter von 24, 27 und 28 Jahren werde wegen Volksverhetzung ermittelt, sagte Uwe Hornburg von der Staatsanwaltschaft Magdeburg heute. Sie sollen das berühmte Tagebuch des jüdischen Mädchens sowie eine US-Fahne am 24. Juni im Rahmen einer sogenannten Sonnenwendfeier verbrannt haben.

Die öffentliche Feier im Gemeindezentrum des Ortes war von einem Verein organisiert worden, der vom Verfassungsschutz der rechten Szene zugeordnet wird. Laut Staatsanwaltschaft gehören zwei der drei Verdächtigen diesem "Heimat Bund Ostelbien" an. Sie seien strafrechtlich bislang nicht in Erscheinung getreten. In der Kritik steht auch Pretziens Bürgermeister Friedrich Harwig (Linkspartei), der selbst Mitglied im "Heimat Bund" sein soll. Die Linkspartei forderte ihn auf, von seinem Amt zurückzutreten und sein Parteibuch zurückzugeben.

Das jüdische Mädchen Anne Frank hatte sich mit seiner Familie während des Zweiten Weltkriegs in einem Amsterdamer Hinterhaus versteckt gehalten und dort Tagebuch geführt. Kurz vor Kriegsende wurde das Versteck verraten, alle Insassen wurden in deutsche Konzentrationslager verschleppt. Anne Frank starb im März 1945 in Bergen-Belsen im Alter von 15 Jahren. Ihr Tagebuch wurde nach dem Krieg veröffentlicht.

phw/dpa



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