Chronologie des Falles Wulff Vom Hauskredit zum Prozess

Ein Privatkredit für sein inzwischen verkauftes Haus in Großburgwedel ist der Anfang der Affäre um Christian Wulff, die 2012 zu seinem Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten führte. Eine Chronologie der Ereignisse.


25. Oktober 2008: Christian Wulff, damals niedersächsischer Ministerpräsident, erhält von einer Unternehmergattin einen Privatkredit über 500.000 Euro zum Kauf eines Hauses.

18. Februar 2010: Wulff lässt auf eine Anfrage im niedersächsischen Landtag antworten, er pflege keine geschäftlichen Beziehungen zu dem Unternehmer. Den Kredit verschweigt er.


30. Juni 2010: Christian Wulff wird zum Bundespräsidenten gewählt.

12. Dezember 2011: Wulff hinterlässt auf der Mailbox von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann eine Nachricht: Es geht um den geplanten Artikel über seine Hauskauf-Finanzierung. Wulff droht mit dem "endgültigen Bruch" mit dem Springer-Verlag und mit juristischen Schritten. Später beteuert er, er habe den Artikel nicht verhindern wollen, sondern nur um Aufschub gebeten.

13. Dezember 2011: Die "Bild"-Zeitung berichtet erstmals über Wulffs Hauskauf-Finanzierung.

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Prozess gegen Christian Wulff: Eine Frage der Ehre

15. Dezember 2011: Wulff bedauert in einer schriftlichen Mitteilung, den Hauskredit im Landtag nicht erwähnt zu haben. Am selben Tag entschuldigt er sich bei "Bild"-Chefredakteur Diekmann für Ton und Inhalt der Nachricht auf der Mailbox.

18. Dezember 2011: Wulff lässt seine Anwälte eine Liste mit Urlauben veröffentlichen. Insgesamt sechs Mal hat er demnach zwischen 2003 und 2010 in den Ferienhäusern von wohlhabenden Freunden Urlaub gemacht.

22. Dezember 2011: Wulff entschuldigt sich öffentlich für die entstandenen Irritationen. Zugleich entlässt er seinen Sprecher Olaf Glaeseker.

4. Januar 2012: In einem TV-Interview räumt Wulff ein, sein Wut-Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Diekmann sei "ein schwerer Fehler" gewesen. Trotz des anhaltenden Drucks werde er aber nicht zurücktreten. Er wisse, dass er nicht alles richtig gemacht, aber nichts Unrechtes getan habe.

16. Februar 2012: Die Staatsanwaltschaft Hannover beantragt die Aufhebung der Immunität Wulffs, um Ermittlungen führen zu können.

17. Februar 2012: Wulff erklärt seinen Rücktritt. Die Staatsanwaltschaft beginnt wegen möglicher Vorteilsannahme bzw. Vorteilsgewährung zu ermitteln. Es geht um zwei Urlaube auf Sylt und einen Oktoberfest-Besuch mit Hotelübernachtung 2008, die der Filmproduzent David Groenewold zunächst für Wulff bezahlt haben soll.

2. März 2012: Fahnder durchsuchen Wulffs Wohnhaus in Großburgwedel bei Hannover.

7. Januar 2013: Die Wulffs haben sich getrennt, wie der Anwalt der Eheleute bestätigt.

13. März 2013: Die Staatsanwaltschaft bietet Wulff an, das Verfahren gegen 20.000 Euro Geldauflage einzustellen. Die Staatsanwaltschaft führt die Ermittlungen gegen ihn inzwischen nicht mehr wegen Vorteilsannahme, sondern wegen Bestechlichkeit. Groenewold wird eine Verfahrenseinstellung gegen Zahlung von 30.000 Euro angeboten.

9. April 2013: Wulffs Anwälte erklären, dass ihr Mandant das Angebot ablehnt. Sie fordern, das Verfahren ohne Auflagen einzustellen.

12. April 2013: Die Staatsanwaltschaft klagt Wulff wegen Bestechlichkeit und den Filmproduzenten David Groenewold wegen Bestechung an. Zur Finanzierung der Sylt-Urlaube stellen die Ermittler das Verfahren mangels Tatverdachts ein.

27. August 2013: Das Landgericht Hannover eröffnet ein Hauptverfahren gegen Wulff und reduziert den Vorwurf wieder auf Vorteilsannahme.

6. September 2013: Das Landgericht eröffnet auch gegen Wulffs Ex-Sprecher Glaeseker ein Hauptverfahren wegen Bestechlichkeit, voraussichtlicher Start ist der 9. Dezember.

14. November 2013: Der Prozess gegen Wulff beginnt.

dpa

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j-db 14.11.2013
1. Jetzt ist gut.
Schön, vor dem Gesetz sind alle gleich, das haben wir begriffen. Die Jagd (Medienpräsenz) auf den ehemals ersten Mann des Landes nimmt groteske Züge an. Ich meine, der hat doch niemanden umgebracht oder ?
birdie 05.12.2013
2. Wulff - die Sensationsgier gewisser Menschen ...
verdrängt jeden Gedanken an Fairness. Einen von denen da oben zu Fall gebracht zu haben - völlig egal ob zu Recht oder zu Unrecht - macht diese "junkies" glücklich. So geschieht es zur Zeit im Wulff-Verfahren. Die "plebs" geilt sich am "aliquid haeeret" auf und jubelt über "panis et circenses". Schade, dass dies von dem vorsitzenden Richter Rosenow nicht konsequent im Verfahren unterbunden wird. Sachliche Prozessführung sieht anders aus.
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