Von AfD-Parlamentarier mitfinanziertes Grabmal Polen entfernt Gedenkstein für Freikorpskämpfer

Im polnischen Oberschlesien sorgte ein Gedenkstein für deutsche Soldaten und Freikorpskämpfer für Empörung - ein AfD-Bundestagsabgeordneter hatte dafür gespendet. Nun wurde das Objekt abgebaut.
Beschmierter Gedenkstein auf dem Friedhof in Bytom (Beuthen): "Deutsche raus"

Beschmierter Gedenkstein auf dem Friedhof in Bytom (Beuthen): "Deutsche raus"

Foto: Grzegorz Celejewski / Agencja Gazeta

Noch vor wenigen Tagen hatte der Gedenkstein für Empörung in Deutschland und Polen gesorgt. Im polnisch-oberschlesischen Bytom - dem früheren Beuthen - war am Volkstrauertag ein Gedenkstein mit deutschen Inschriften aufgestellt worden. Mit dem Stein wurde nicht nur der "gefallenen deutschen Soldaten" im Ersten und Zweiten Weltkrieg gedacht, sondern auch erinnert "an die Selbstschutz- und Freikorpskämpfer und an die ermordeten und unterdrückten Ostdeutschen".

Der Gedenkstein, unter anderem mitfinanziert vom AfD-Bundestagsabgeordneten Stephan Protschka, hatte ursprünglich auch die Inschrift der rechtsextremen "Jungen Nationalisten" getragen, die vor der Aufstellung - angeblich auf Wunsch des AfD-Politikers - zugespachtelt worden war.

Zu den aufgeführten "Initiatoren" auf dem Stein zählten der AfD-Nachwuchs "Junge Alternative" (JA) aus Berlin und die vom Verfassungsschutz beobachtete Burschenschaft "Markomannia Wien zu Deggendorf" sowie weitere Personen aus der rechten Szene.

Verherrlichung von NS-Verbrechen

Aufgeschreckt durch deutsche Medienberichte, hatte die polnische Botschaft in Berlin vergangene Woche von einem ernsthaften Sachverhalt gesprochen, mit dessen Prüfung unter anderem das Institut für Nationales Gedenken (IPN) in Polen befasst worden sei. Wie der SPIEGEL am Dienstag erfuhr, ist das Denkmal bereits abgeräumt worden. Den Vorgang bestätigte die polnische Botschaft in Berlin.

Nach einer auch auf Deutsch verfassten Erklärung des IPN werden mit der Inschrift "deutsche nationalsozialistische Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg" und "Mitglieder der Formationen Selbstschutz und Freikorps" verherrlicht. Die Aufstellung des Steins beleidige "auf eine entsetzliche Weise das Gedenken an die Millionen von Bürgern der Republik Polen, polnischer und jüdischer Herkunft, die von Mitgliedern der verbrecherischen nationalsozialistischen Formationen Deutschlands ermordet wurden".

Nach Angaben des Instituts hatte der Friedhofsverwalter der Aufstellung nicht zugestimmt. Kurz nach der Errichtung war der Stein von offenbar polnischen Rechtsextremen beschmiert worden - mit Zeichen des rassistischen "White Pride" und auf Deutsch mit dem Wort "Raus" sowie "Szwaby", was umgangssprachlich im Polnischen eine abwertende Bezeichnung für Deutsche ist.

Das Institut für Nationales Gedenken hatte in seiner Erklärung festgestellt, dass jedes derartige Objekt "sofort entfernt werden" sollte.

Wie der Presseattaché der polnischen Botschaft in Berlin, Dariusz Pawlos, dem SPIEGEL mitteilte, sei der Gedenkstein vom Pfarrfriedhof in Bytom "bereits am 22. November" entfernt worden. Auch werde das Institut für Nationales Gedenken demnächst eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstatten (Lesen Sie hier die Erklärung des IPN im vollen Wortlaut ).

JA-Mitglied offenbar als Initiator

Die Initiative für die Aufstellung des Gedenksteins war offenbar von dem örtlichen Vertreter des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit (BJDM) in Polen, Markus Tylikowski, ausgegangen. Er ist auch Mitglied des AfD-Nachwuchses "Junge Alternative" und hatte im Frühjahr über das Büro des AfD-Abgeordneten Protschka an einem Jugendparlament des Bundestags teilgenommen. Der BJDM-Vorstand distanzierte sich von Tylikowskis Aktion und auch von dessen Kontakten, die dieser bei der Spendensuche gepflegt hatte. So hatte er ausweislich eines im Internet kursierenden Fotos vom Dresdner NPD-Chef Maik Müller einen Scheck über 200 Euro für den Stein erhalten.

Unter anderem hatte der Bezug zu den Freikorpsverbänden in Polen Empörung ausgelöst. Die Einheiten - sie bestanden aus überwiegend demobilisierten Soldaten - waren nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im Dezember 1918 per Reichsgesetz zunächst als bewaffnete Einheiten zum Schutz von Sicherheit und Ordnung gegründet worden.

Viele ihrer Anhänger waren jedoch Rechtsradikale und Anhänger der völkischen Bewegung, die an der Niederschlagung der Spartakisten in Berlin und der Räterepublik in München 1919 beteiligt waren. Zudem kämpften die Freikorps auch als "Grenzschutz Ost" gegen Einheiten des nach dem Ersten Weltkrieg wiederauferstandenen polnischen Staats in Oberschlesien. Zudem gab es während der Naziherrschaft von der SS aufgestellte Selbstschutzverbände, die sich aus Angehörigen der deutschen Minderheit in Polen rekrutierten. Diese ermordeten nach der deutschen Besetzung Polens Tausende Polen.

Empörung löste der Gedenkstein in Polen auch deshalb aus, weil er indirekt unterstellt, es gebe im Lande selbst keine Kriegsgräberstätten für deutsche Soldaten. Nach Angaben der polnischen Botschaft in Berlin werden in Polen derzeit 13 offizielle Kriegsgräberstätten unterhalten und gepflegt, auf denen deutsche Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg bestattet sind. Bei neueren Ausgrabungen in Polen aufgefundene Überreste deutscher Soldaten würden entweder auf diesen Stätten beigesetzt oder nach Deutschland überführt, hieß es.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.