Vorstoß durch von der Leyen Auch Moppel sollen dienen dürfen

Vom Gepäckmarsch gestählter Körper in Uniform? Für Verteidigungsministerin von der Leyen ist das kein Merkmal eines modernen Soldaten mehr. Mit einer Lockerung der Fitnessregeln will sie die Truppe als Arbeitgeber attraktiver machen.
Soldaten beim Marschieren (Archivbild): Softskills statt Muskeln?

Soldaten beim Marschieren (Archivbild): Softskills statt Muskeln?

Foto: David Fischer/ picture alliance / dpa

Berlin - Die Bundeswehr muss anziehender werden - das findet zumindest die Verteidigungsministerin. Wenn es nach Ursula von der Leyen (CDU) geht, gilt das aber vor allem für den Ruf der Truppe als Arbeitgeber. Und weniger für den körperlichen Zustand der Soldaten. Daher hat die Ministerin eine Überprüfung der Eignungsmerkmale für die Bundeswehr angekündigt.

"Beispiel körperliche Fitness", sagte sie der "Rheinischen Post". "Es stellt sich die Frage, ob jeder einzelne Soldat und jede einzelne Soldatin, gleich welche Aufgabe sie im Riesenkonzern Bundeswehr ausfüllt, tatsächlich einen langen Marsch mit schwerem Gepäck bewältigen können muss."

Wichtiger als die reine körperliche Belastbarkeit könnten schon bald andere Fähigkeiten werden. "Da müssen wir eher danach gehen, was eigentlich eine moderne, hochtechnisierte Armee braucht", so die Ministerin. Fitness sei immer gut, eine moderne Armee brauche aber ebenso die Fähigkeit zum vernetzten Arbeiten, soziale Kompetenzen, eine moderne Unternehmenskultur und ein ausgeprägtes Technikverständnis. "Für Menschen, die das bei der Bundeswehr einbringen wollen, dürfen wir nicht unnötige Hürden aufbauen."

Eine Reaktion auf diesen Vorstoß der Ministerin steht noch aus - dafür hallt ihre Forderung vom Wochenende noch nach. Im SPIEGEL hatte von der Leyen da für eine höhere Militärpräsenz an den Nato-Außengrenzen plädiert. Dies sei angesichts der Angst vor weiteren russischen Annexionen nötig. Für ihre Einlassung steht von der Leyen weiter in der Kritik - auch in der eigenen Partei.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), stellte in einem Zeitungsinterview klar, "dass es auf das militärische Agieren Putins (des russischen Präsidenten) vom Westen keine militärische Antwort geben wird". Der "Neuen Westfälischen" sagte er: "Daran wird und darf es keinen Zweifel geben."

Auch der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold forderte von der Leyen zur Zurückhaltung auf. "Ich würde mir eigentlich wünschen, dass die Verteidigungsministerin sich um die Verteidigungspolitik kümmert, weil wir einen Außenminister haben, der die außenpolitischen Fragen mit dem gebotenen klugen Händchen schon leistet", sagte Arnold der dpa.

jok/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.