Vor Islamkonferenz Friedrich betont Deutschlands christliche Tradition

Es ist die erste Islamkonferenz für Innenminister Friedrich - und schon gibt es Ärger. Muslimverbände kritisieren das Treffen, die Opposition bemängelt sein Auftreten. Der Minister hält sich mit Aussagen zum Islam inzwischen zurück, hebt aber erneut Deutschlands christliche Tradition hervor.
Innenminister Hans-Peter Friedrich: "Die Prägung des Landes ist christlich-abendländisch"

Innenminister Hans-Peter Friedrich: "Die Prägung des Landes ist christlich-abendländisch"

Foto: REUTERS

Köln/Berlin - Es ist eine Frage, die viele und intensive Diskussionen ausgelöst hat: Gehört der Islam zu Deutschland? Innenminister Hans-Peter Friedrich erklärte seine Position jetzt im ARD-Morgenmagazin. "Selbstverständlich gehören die Muslime, die in Deutschland leben, zu dieser Gesellschaft", sagte er. Vor Beginn der Islamkonferenz war es ihm allerdings auch wichtig zu betonen: "Die Prägung des Landes, der Kultur aus vielen Jahrhunderten, der Wertmaßstäbe, ist christlich-abendländisch."

Die Differenzierung halte er für "wichtig und notwendig". Zugleich rief Friedrich die Muslime im Land auf, sich stärker in die Gesellschaft zu integrieren. "Es gehören diese vier Millionen Muslime zu Deutschland und sie sind eingeladen, gemeinsam mit uns die Zukunft des Landes zu gestalten."

Kurz nach seinem Amtsantritt Anfang März hatte Friedrich für Empörung bei muslimischen Verbänden gesorgt, als er die Aussage von Bundespräsident Christian Wulff zurückwies, wonach der Islam zu Deutschland gehöre. "Dass der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt", erklärte der CSU-Politiker.

Er verstehe die Aufregung über seine Aussage nicht, erklärte Friedrich am Dienstagmorgen. Doch nun gibt es neue Aufregung: Denn bereits zum Auftakt der Islamkonferenz - die erste unter Friedrich - gab es wieder Kritik an seinen Äußerungen.

Friedrich habe "nicht sehr glücklich agiert" und den Geist der von seinem Vorgänger Wolfgang Schäuble ins Leben gerufenen Islamkonferenz "konterkariert", sagte Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, kritisierte, der Innenminister habe "unnötigerweise Äußerungen getan, die er hätte vermeiden können". Er hoffe, "dass Friedrich das klärt".

Die Grünen riefen den Minister auf, sich auf der Konferenz bei den Muslimen "für seine ausgrenzenden Aussagen" zu entschuldigen. "Die Islamkonferenz bietet Friedrich die letzte Chance, die bewusste Provokation von Millionen Muslimen zurückzunehmen", sagte ihr integrationspolitischer Sprecher Memet Kilic der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Ein zahnloser Tiger"

Auch Verbände der Muslime in Deutschland zeigten sich unzufrieden - sie kritisierten allerdings eher die Islamkonferenz an sich. Diese betreibe Symbolpolitik, sagte der Präsident der Islamischen Kulturzentren, Mustafa Imal, dem "Hamburger Abendblatt". Der Regierung sei es nicht gelungen, die Länder einzubinden.

Der Zentralrat der Muslime bezeichnete die Islamkonferenz als "Debattierclub" und "zahnlosen Tiger". Es gebe kaum greifbare Ergebnisse, sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek den "Deutsch-Türkischen Nachrichten". In der Frage der Gleichstellung der Muslime sei wenig passiert. Daher beteilige sich der Zentralrat der Muslime seit einem Jahr nicht mehr an dem Gremium.

Die 2006 gegründete Islamkonferenz soll die Integration der vier Millionen Muslime in Deutschland voranbringen. 16 Vertreter von staatlicher Seite sowie sechs muslimische Verbände und kleinere Initiativen nehmen teil.

Im Mittelpunkt der Beratungen in Berlin, die bereits begonnen haben, stehen nun der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht an öffentlichen Schulen und Islamische Studien an Hochschulen. Auch die Fortbildung von Imamen in Deutschland wird diskutiert. Als Kernthema der Islamkonferenz bezeichnete Friedrich denn auch die Ausbildung von Religionslehrern und Imamen. "Es ist wichtig, diese Menschen heranzuführen, auch an die deutsche Kultur, die Landeskunde, aber vor allem auch an die deutsche Sprache."

kgp/dpa/AFP/Reuters
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