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18. Dezember 2007, 16:16 Uhr

Vorsorge

Ulla Schmidt will Kinder häufiger untersuchen lassen

Häufiger, gründlicher, verpflichtend: Gesundheitsministerin Schmidt hat sich für engmaschigere medizinische Untersuchungen von Kindern ausgesprochen. Entsprechende Regelungen lässt sie nun prüfen.

Berlin - Mit ihrer Initiative will Ulla Schmidt Kinder besser vor Verwahrlosung und Misshandlung schützen. Sie erklärte, mit Blick auf die Vorsorgeuntersuchungen habe sie dem zuständigen Gemeinsamen Bundesausschuss zwei Prüfaufträge erteilt. Zum einen gehe es darum, die Untersuchungen in schnellerem Rhythmus vorzunehmen. "Das ist sicher kein alleiniges Patentrezept, aber es könnte eine weitere Hilfe sein", betonte Schmidt. Derzeit ist die Folge der ärztlichen Untersuchungen in den ersten Lebensmonaten sehr dicht, danach aber teils über mehrere Jahre gespreizt.

Beim Kinderarzt: Bisher hat lediglich das Saarland Pflichtuntersuchungen für Kinder eingeführt
DDP

Beim Kinderarzt: Bisher hat lediglich das Saarland Pflichtuntersuchungen für Kinder eingeführt

Zum anderen solle der Bundesausschuss klarstellen: "Wenn es Anzeichen von Vernachlässigung und Misshandlung gibt, dann muss gehandelt werden." Schmidt fügte an: "Ärzte - nicht alle, aber manche - müssen mehr über das Erkennen von Misshandlung wissen und auch klar sagen: Da ist ein Kind geschlagen worden. Hier darf es kein Verheimlichen geben."

Die Ministerin unterstützte, dass die Länder verpflichtende Einladungen zu den Vorsorgeuntersuchungen organisieren. "Wo Eltern diesen Vorsorgeuntersuchungen nicht nachkommen, müssen sie von den örtlichen Jugendbehörden aufgesucht werden", meinte Schmidt. "Die Mitarbeiter müssen im Zweifelsfall die Kinder sehen. Sie dürfen sich nicht abspeisen lassen." Bisher gibt es verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen nur im Saarland . Andere Bundesländer wollen nachziehen.

Prävention vor Ort soll helfen

Gleichzeitig forderte die SPD-Politikerin heute Unterstützung für ihr Präventionsgesetz. Dieses "wird den Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Verwahrlosung und Misshandlung ergänzen", meinte Schmidt. Durch die anvisierte Gesundheitsvorsorge über Vernetzung im Stadtteil würden auch Probleme bei Kindern schneller erkannt. "Künftig sollen private Initiatoren, Ämter, Krankenkassen, Sportvereine, Schulen, Unternehmen, auch Ärzte zusammen Prävention fördern", erläuterte Schmidt. "Wo das geschieht, da fallen ganz zwangsläufig Informationen über misslingende kindliche Entwicklungen an."

Die Beteiligten vor Ort könnten Alarm schlagen. Entscheidend seien die Vernetzung und der Austausch von Informationen. Die öffentlichen Gesundheitsdienste, Schulen und Stadtteileinrichtungen müssten die Augen offen halten. "Es sollte so gelingen, an alle Eltern heranzukommen", meinte Schmidt. Sie sprach sich auch dafür aus, Kinderrechte in der Verfassung zu verankern. "Das wäre ein Impuls, damit der Staat schneller zu Gunsten der Hilfen für Kinder entscheiden kann."

Die CDU und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten die Aufnahme von Kinderrechten in die Verfassung abgelehnt. Merkel will am Mittwoch mit den Ministerpräsidenten über konkrete Hilfen für Kinder sprechen und dabei eigene Vorschläge machen.

ler/AP

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