Vorwürfe aus der Union "Großinquisitor" Geißler


Berlin - In der Union gibt es Unmut über das Verhalten von Heiner Geißler in der CDU-Spendenaffäre. Der frühere CDU- Generalsekretär sei "inquisitorisch" und kritisiere geradezu "mit Lust" den früheren CDU-Vorsitzenden und Altbundeskanzler Helmut Kohl, kritisierte CSU-Landesgruppenchef Michael Glos am Dienstag. In der Tageszeitung "Die Welt" sagte Glos, "die CSU erwartet von der CDU, dass sie jetzt aufhört, sich mit sich selbst zu beschäftigen und wieder mehr Angriffslust auf den politischen Gegner zeigt. In der CSU steigt die Ungeduld."

Die hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach verlangte in der "Welt" Parteiordnungsmaßnahmen gegen Geißler. "Die Art und Weise, wie Heiner Geißler sich öffentlich über wichtige Personen der CDU artikuliert, ist von einer Dramatik, wie sie aus SPD-Mund nicht zu hören ist. Die Herzlosigkeit und Methodik, die er an den Tag legt, hat etwas von einem Großinquisitor an sich." Ehe man sich den Kopf zerbreche, welche Maßnahmen man gegen Kohl ergreife, müsse über das parteischädigende Verhalten von Geißler geredet werden, forderte Steinbach, die auch Präsidentin des Bundes der Vertriebenen ist.

Steinbach sprach sich für ein Parteigerichtsverfahren gegen Geißler aus. Die CDU müsse deutlich machen, "dass Geißler nicht für die CDU spricht". Von der Parteiführung erwarte sie ein klares Wort, dass Geißlers Ton nicht gebilligt werde.

Geißler seinerseits wies die Kritik von Glos an seiner Rolle bei der Aufklärung der Spendenaffäre zurück. Glos habe eine "böswillige Kolportage" betrieben, sagte Geißler. "Mein Gemütszustand ist genau umgekehrt. Mir ist jeden Tag zum Heulen, wenn ich den Schaden betrachte, der für die CDU und die Demokratie entstanden ist und immer noch neu entsteht", sagte Geißler.



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