VW-Abgasskandal Polizei erwartet teilweisen Stillstand ihrer Flotte

Die Krise um manipulierte Dieselfahrzeuge aus dem VW-Konzern betrifft auch Tausende Polizeifahrzeuge. In vielen Bundesländern stellt sich die Polizei auf zahlreiche Rückrufe ihrer Streifenwagen ein.
Streifenwagen der Marke VW: Tausendfache Rückrufe drohen

Streifenwagen der Marke VW: Tausendfache Rückrufe drohen

Foto: Jens Wolf/ dpa

Der Dieselskandal betrifft auch die deutschen Sicherheitsbehörden. Die Polizei hat bundesweit Tausende Streifenwagen aus Wolfsburg im Dienst. In vielen Bundesländern stellen sich die Innenminister und Behörden jetzt auf zahlreiche Rückrufe ein. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, dass fast überall große Teile des Fuhrparks von den Anfang 2016 bevorstehenden Nachrüstungen betroffen sind.

  • Im Volkswagen-Stammland Niedersachsen geht die zentrale Polizeidirektion davon aus, dass etwa tausend Streifen- und Zivilwagen der Kernmarke VW sowie bis zu hundert Wagen von Audi, Skoda und Seat zurückgeholt werden müssen. Insgesamt geht es um mehr als ein Viertel der rund 4300 Fahrzeuge im Fuhrpark der niedersächsischen Polizei. Die Teilzeit-Ausfälle würden die Arbeit allerdings nicht behindern, heißt es in Hannover. 65 Prozent aller Polizeiwagen in der Heimatregion tragen das VW-Emblem.
  • Noch mehr Autos trifft es in Nordrhein-Westfalen. Die Polizei muss im bevölkerungsreichsten Bundesland etwa 2100 Fahrzeuge untersuchen lassen, wie der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Arnold Plickert, mitteilte. "Wenn die Streifenwagen stillgelegt würden, wäre die Handlungsfähigkeit eingeschränkt", meinte er. Ein Erlöschen der Betriebserlaubnis sei jedoch nicht zu befürchten. Die NRW-Polizei steigt derzeit von Volkswagen-Modellen auf BMW um.
  • Auch in Baden-Württemberg müssen die Sicherheitskräfte zumindest zeitweise auf beträchtliche Teile ihrer Dienstflotte verzichten. An der Rückrufaktion dürfte hier fast jedes sechste Auto teilnehmen, erklärte das Innenministerium in Stuttgart: 989 von insgesamt 5600 Wagen. Trotz der Nachbesserungen für diese Autos gebe es aber genügend Ersatzfahrzeuge.
  • Rund 530 Wagen müssen in Bayern zum Service. Details wisse man zwar noch nicht, "da aber alle betroffenen Fahrzeuge laut der Volkswagen AG technisch sicher und fahrbereit sind, rechnen wir weder mit Engpässen im Fuhrpark noch mit sicherheitsrelevanten Einschränkungen", hieß es. In Bayern liegen BMW und VW bei den Polizeianteilen etwa gleichauf.
  • In Hessen meldet das Innenministerium derzeit rund 430 betroffene Wagen - etwas mehr als zehn Prozent der Polizeiflotte. Die Behörde setzt hier stärker auf Daimler oder Opel.
  • Im benachbarten Rheinland-Pfalz trägt nach Einschätzung des Innenressorts wohl ein Großteil der 840 VW-Diesel-Polizeiautos den fraglichen Motor in sich.
  • In Berlin ist die Zahl der betroffenen Fahrzeuge bisher unklar. Man habe trotz des geplanten Rückrufs jedoch genug Einsatzwagen, hieß es bei der Berliner Polizei. Insgesamt 887 der etwa 2500 Autos stammten von VW.
  • In Brandenburg dürften ungefähr die Hälfte der Polizeiwagen Volkswagen-Diesel sein. "Sicherheitsrelevante Verzögerungen" im Einsatz fürchtet man nicht.
  • Thüringens Polizei muss nach ersten Erkenntnissen demnächst 250,
  • Sachsen-Anhalt 343 Dieselfahrzeuge in die Werkstatt schicken.
  • In Schleswig-Holstein hat die Polizei 535 VW-Dieselautos im Einsatz - fast die Hälfte aller Streifenwagen im nördlichsten Bundesland.

Bundesweit muss Volkswagen ab Januar 2016 rund 2,4 Millionen Dieselmodelle mit der betrügerischen Software zurückholen. Die für die Kunden kostenlose Aktion dürfte bis zum Jahresende andauern. EU-weit sind rund 8,5 Millionen Fahrzeuge betroffen, weltweit elf Millionen Fahrzeuge.

VW hatte vor gut einem Monat eingeräumt, die Abgaswerte von Millionen Autos manipuliert zu haben. Ans Licht gebracht hatte den Fall die US-Umweltbehörde EPA.

ler/dpa
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