Wählerverhalten in Baden-Württemberg Der Minus-Mappus

Das Image ihres Ministerpräsidenten bewerten die Baden-Württemberger einer Wähleranalyse zufolge eher negativ - und auch seiner schwarz-gelben Koalition geben sie keine guten Noten. Die Atomdebatte verstärkte den Abwärtstrend der Regierung Mappus.

Baden-Württembergs Regierungschef Mappus: Schlechte Imagewerte
DPA

Baden-Württembergs Regierungschef Mappus: Schlechte Imagewerte


Stuttgart - Die Entscheidung in Baden-Württemberg über die künftige Landesregierung ist wegen des Ein-Stimmen-Wahlrechts noch offen, weil es tendenziell die stärkste Partei - also die CDU - begünstigt. Dennoch steht schon jetzt fest, dass die Abstimmung ein Debakel für die Christdemokraten ist: Ihnen droht das schlechteste Ergebnis seit 1952.

Die Forschungsgruppe Wahlen spricht von einer Zeitenwende: Eine große Mehrheit der Befragten wollte einer ersten Analyse zufolge neue Parteien in der Landesregierung sehen.

Für 57 Prozent der Wähler war die Landes- und für 38 Prozent die Bundespolitik wichtiger. Diese hat in Baden-Württemberg wegen hoher Unzufriedenheit mit schwarz-gelber Politik eine starke Mobilisierung zugunsten des linken Lagers bewirkt. Die Wähler haben nach Ansicht der Forschungsgruppe damit ein klares Zeichen auch nach Berlin abgegeben.

Gewichtige Gründe für den Wahlausgang vom Sonntag sehen die Forscher gleichwohl vor Ort:

  • heftige Imageverluste von CDU und FDP im Land
  • eine magere Regierungsbilanz
  • ein wenig beliebter CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus
  • sein Kurswechsel in Sachen Atomkraft
  • seine Ansichten zum Bahnhof Stuttgart 21

Nur noch 32 Prozent der Befragten sprachen sich für eine schwarz-gelbe Koalition aus. 67 Prozent sehen im Kurswechsel von Regierungschef Mappus ein wahltaktisches Manöver. Lediglich 18 Prozent fühlen sich hier von der CDU am besten vertreten, aber 53 Prozent von den Grünen. Dass die CDU dennoch stärkste Kraft bleibt, verdankt sie einer treuen, überwiegend älteren Wählerschaft.

Beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 sowie Bildung und Schule, nach der Atomkraft die beherrschenden Landesthemen, hat die CDU dagegen Defizite, die exemplarisch für die Leistungsbilanz insgesamt stehen. Auf der +5/-5-Skala wird die CDU-Kabinettsarbeit nach 1,2 vor fünf Jahren jetzt nur noch mit 0,5 bewertet. Die FDP fällt von plus 0,5 auf minus 0,4. Und während sich die Regierung nach Ansicht von 64 Prozent "zu wenig um die Belange der Bürger kümmert", haben sich die Grünen in der Opposition auf 0,6 (2006: 0,0) verbessert. Die SPD stagniert bei 0,6 (2006: 0,6). 49 Prozent der Befragten meinen: "Man weiß nicht genau, wofür die SPD in Baden-Württemberg steht."

Ein signifikantes Manko für Schwarz-Gelb ist schließlich der Mann an der Spitze des Kabinetts: Mappus ist erst der zweite Regierungschef in einem Bundesland überhaupt mit negativer Gesamtbilanz sowie einem negativem Imagewert von minus 0,2.

Sein Herausforderer Nils Schmid (SPD) kommt dagegen auf 1,1, wird lagerübergreifend positiv bewertet und liegt mit 37 Prozent in der Frage nach dem gewünschten Ministerpräsidenten sogar vor Mappus mit nur 33 Prozent.

In der Konstellation Mappus versus Winfried Kretschmann (Grüne), beim Ansehen mit 1,0 ebenfalls positiv, geben 36 Prozent dem Amtsinhaber und 32 Prozent dem grünen Kandidaten den Vorzug.

Nur 39 Prozent meinen, dass die Grünen samt Ministerpräsident eine Regierung führen können, 58 Prozent bezweifeln eine grüne Regierungsfähigkeit.

hen/dpa

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Seite 1
erwin777sti 27.03.2011
1. EnBW-Deal !? ich denke, auch diese eigenmächtige Affaire reicht Mappus nicht zur Ehre
Zitat von sysopDas Image ihres Ministerpräsidenten bewerten die Baden-Württemberger einer Wähleranalyse zufolge eher negativ - und auch seiner schwarz-gelben Koalition geben sie keine guten Noten.*Die Atomdebatte verstärkte*den Abwärtstrend der Regierung Mappus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,753463,00.html
ich denke, ich hätte irgendwo gelesen, dass bei diesem Deal Mappus die vorgesehenen Kontrollinstanzen übergangen hat, und dass darüber hinaus sich irgendwo noch 30 Mio € bei seinem Trauzeugen verirrt haben sollen. da mir Mappus alleine schon von seiner Erscheinung her suspekt vorgekommen ist, freue ich mich über seine persönliche Niederlage und die Niederlage seiner Partei; 57 Jahre sind ja auch wirklich genug.
Dr_Lecter 28.03.2011
2. Wählerverhalten
Das Wählerverhalten der CDU- und FDP-Wähler bleibt rätselhaft. Wofür haben die gestimmt und warum haben die mitgewählt? Es wurde doch befürchtet, dass gerade viele Konservative daheim bleiben. Insbesondere wegen der Enttäuschung über die CDU-Politik und den "Verrat" an früheren Positionen (z. B.): - Wehrpflicht - Familienpolitik - Atom-Schwenk - Aufweichung des West-Bündnisses Zwar konnten die "Bürgerlichen" ihre Anhänger tatsächlich zur Wahl mobilisieren (auch wenn sie in Summa prozentual deutlich verloren haben), aber haben die nun z. B. für Atomenergie oder dagegen abgestimmt? Letztlich ist es egal, denn KEINE Partei wird sich noch Pro-Atom entscheiden (außer Herr Brüderle heimlich vor Wirtschaftsvertretern). Westerwelle sagt (erneut - wie schon nach der NRW-Wahl): Wir haben verstanden (und meint diemal die Atompolitik). Merkel und die Mehrheit der führenden CDU-Politiker haben eingesehen, dass die Bevölkerung so schnell wie möglich raus aus der Atomenergie möchte. Und alle anderen Parteien wollten das schon lange. Ade AKW :-)
capu65, 28.03.2011
3. .
Zitat von erwin777stiich denke, ich hätte irgendwo gelesen, dass bei diesem Deal Mappus die vorgesehenen Kontrollinstanzen übergangen hat, und dass darüber hinaus sich irgendwo noch 30 Mio € bei seinem Trauzeugen verirrt haben sollen. da mir Mappus alleine schon von seiner Erscheinung her suspekt vorgekommen ist, freue ich mich über seine persönliche Niederlage und die Niederlage seiner Partei; 57 Jahre sind ja auch wirklich genug.
Der Atomdeal von 4,5 Milliarden € hätte laut Fachleuten maximal auf 3 Milliarden € kommen dürfen. Finanziert wird dieser Wahnsinn von der Morgan Stanley Bank Deutschland. Der Deutschlandchef dieser Bank ist ein alter Freund von Mappus. Ein Schwein, wer da was Schlechtes denkt!
leser1801 28.03.2011
4. Aufatmen
Zitat von sysopDas Image ihres Ministerpräsidenten bewerten die Baden-Württemberger einer Wähleranalyse zufolge eher negativ - und auch seiner schwarz-gelben Koalition geben sie keine guten Noten.*Die Atomdebatte verstärkte*den Abwärtstrend der Regierung Mappus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,753463,00.html
Hier in BW atmet man auf, dass der erwiesene, nicht legitimierte Anti-Demokrat Mappus weg ist. Nicht Japan und nicht der Berliner Murks waren daran schuld, sondern vor allem die wählerverachtende Rambo-Politik des Brutalo Mappus. Auch CDU- Wähler haben sie Bilder von den herausgeschossenen Augen des Rentners am 30. September gesehen. Klar haben die Grünen dazu gewonnen durch die Ereignisse un Japan. Aber vor allem angestammte CDU- Wähler sind von der Stange gegangen, wenn man einmal die Wahlkreisergebnisse in einzelnen betrachtet. Mappus ist allein schuld an dem Debakel. Dumm war er noch dazu, sich die strategische Möglichkeit schwarz- grün so zu verbauen. Das weiß er alles selber und wird deshalb heute komplett zurück treten. Man kann sich aber sicher sein , dass er im Dunstkreis der Atom-Maffia sehr schnell wieder höchstbezahlt auf die Beine fällt.
Lorne, 28.03.2011
5. Fehlinformation
Zitat von leser1801Hier in BW atmet man auf, dass der erwiesene, nicht legitimierte Anti-Demokrat Mappus weg ist. Nicht Japan und nicht der Berliner Murks waren daran schuld, sondern vor allem die wählerverachtende Rambo-Politik des Brutalo Mappus. Auch CDU- Wähler haben sie Bilder von den herausgeschossenen Augen des Rentners am 30. September gesehen. Klar haben die Grünen dazu gewonnen durch die Ereignisse un Japan. Aber vor allem angestammte CDU- Wähler sind von der Stange gegangen, wenn man einmal die Wahlkreisergebnisse in einzelnen betrachtet. Mappus ist allein schuld an dem Debakel. Dumm war er noch dazu, sich die strategische Möglichkeit schwarz- grün so zu verbauen. Das weiß er alles selber und wird deshalb heute komplett zurück treten. Man kann sich aber sicher sein , dass er im Dunstkreis der Atom-Maffia sehr schnell wieder höchstbezahlt auf die Beine fällt.
Herr Wagner (so heisst der Rentner) hat sich zuvor an der systematischen Zerlegung des Biergartens beteiligt und dann Polizisten mit Gegenständen beworfen. Trotz mehrfacher Aufforderung sich zu entfernen stellte er sich darwinistisch vor den Wasserwerfer. Ja, seine Verletzung wurde sehr medienwirksam zur Schau gestellt, wie man an Ihnen sieht. Den Tatsachen entspricht dies genauso wenig wie die Mähr der "friedlichen" Demonstranten die "demokratisch" gegen S21 demonstrieren.
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