Wahl in Brandenburg AfD wirbt mit Willy Brandt

SPD-Politiker sind empört: Die AfD wirbt in Brandenburg auf einem Wahlplakat mit dem Foto und einem Zitat des früheren Kanzlers und Friedensnobelpreisträgers Willy Brandt.


Die AfD geht vor der Landtagswahl in Brandenburg ausgerechnet mit Willy Brandt auf Stimmenfang. Spitzenpolitiker der SPD reagieren verärgert. "Die Berufung auf Willy Brandt ist ein grober Missbrauch und schlicht obszön", sagte der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) dem "Tagesspiegel".

Das Wahlplakat für die Landtagswahl am 1. September zeigt laut "Tagesspiegel" Brandts Gesicht, darunter sein Zitat: "Mehr Demokratie wagen" mit dem Zusatz "Willy Brandt, 1969".

Die AfD verkündet auf dem Plakat unter dem Slogan "AfD Wählen": "Wir schreiben Geschichte!" 1969 kam es in der Bundesrepublik zur sozial-liberalen Wende mit Brandt als dem ersten SPD-Kanzler. Bei der Wahl in Brandenburg könnte es zu einem Sieg der AfD kommen.

Thierse ging auch mit anderen historischen Referenzen der AfD scharf ins Gericht - etwa die Berufung auf die friedliche Revolution und die DDR-Bürgerrechtsbewegung, der Thierse angehört hat. Das sei eine Verdrehung der Tatsachen, sagte er.

Damals sei es um Grundrechte, Freiheit, Demokratie und Weltoffenheit gegangen. "Die Gleichsetzung der Bundesrepublik von heute mit der DDR von damals, ist eine unglaubliche Verharmlosung der DDR", kritisierte der ostdeutsche SPD-Politiker. Die DDR sei ein unfreies Land gewesen, und die heutige Bundesrepublik hingegen sei so frei, dass sogar die AfD "in ihr wirken kann".

Auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil reagierte auf Twitter empört: "Willy Brandt steht für Frieden, Freiheit & die Einheit Deutschlands. Die AfD für Spaltung und Hetze! Im Westen, im Osten, einfach überall. Aber hey, in Geschichte war die AfD ja noch nie gut."

Peter Brandt, ein Sohn des früheren Kanzlers, sagte dem SPIEGEL: "Die große Empörung ist vermutlich genau das, was die AfDler mit dieser albernen Provokation erreichen möchten."

als/AFP

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insgesamt 38 Beiträge
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FrankDunkel 07.08.2019
1.
Es ist in der Politik beliebt, Aussagen des politischen Gegners - und Brandt wäre definitiv ein Gegner der AfD, würde er noch leben - für eigene Zwecke zu mißbrauchen. Dass ausgerechnet eine in weiten Teilen rechtsextreme Partei wie die AfD einen der bekanntesten Aussprüche Brandts heranzieht, ist bezeichnend für diese Gruppierung, weil unanständig. Sie wollen keine Demokratie, sie wollen das genaue Gegenteil.
dasfred 07.08.2019
2. Alles nur geklaut
So passt es doch zum AfD Konzept. Sie haben nie was eigenes entwickelt. Die heutige Führung hat sich durch die Hintertür in die ehemalige Anti Euro Partei eingeschlichen und dann erstmal die fertige Organisation übernommen. Man hat ja nur immer ein Thema bedient und jetzt, wo der Zuzug von Migranten abebbt ist nichts eigenes mehr vorhanden. Mit ihrer internen Nazi Rhetorik können sie sich noch nicht auf den Plakaten blicken lassen. Da bleibt nur, alles stehlen, was mal im Wahlkampf bei anderen erfolgreich war. Und dann, wie schon erwähnt, hoffen, dass da einige Medien noch als Multiplikator drauf anspringen.
DietrichHorstmann 07.08.2019
3. Strategie der Rechten
die Parteien gegeneinander aufzuwiegeln mit dem Ziel, sich selbst als Opfer von Feindschaft der Etablierten darstellen zu können. Mittel, die anderen Parteien zu Feindschaftserklärungen zu verführen. Ziel: ein Klima von Streit, Empörung, Verunsicherung und Ohnmacht zu erzeugen und sich selbst als Erlöser davon zu präsentieren.
ptb29 07.08.2019
4. Geklaut und populistisch
Trotzdem ist da mehr Aussage drin, als auf den Plakaten der SPD und CDU. Deren Plakate werben mit abgehobenen Sprüchen, dass man sich fragt, warum man sie wählen sollte. Bleiben noch FDP, Grüne und Freie Wähler.
spon1899 07.08.2019
5.
Wenn einem nix einfällt, muss man halt kopieren. Es zeigt nur den geistigen Zustand der AfD. Aber eines ist bemerkenswert. Auch wenn in einigen Ländern einiges im Argen liegt, wähle ich noch lange nicht eine Partei mit diversen Nazis. 25% der Brandenburger scheinen rechtsradikal zu sein, denn keiner kann mehr sagen : "Hab ich ja nicht gewusst". Regieren werden sie trotzdem nicht. Einen Reichskanzler Höcke wird es auch nie geben.
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