SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

21. Januar 2013, 17:28 Uhr

Niederlage in Niedersachsen

McAllister bleibt CDU-Landeschef

Oppositionsführer will David McAllister in Niedersachsen zwar nicht werden. Den Posten als CDU-Landeschef will der Wahlverlierer jedoch behalten. Der Landesvorstand sprach ihm das Vertrauen aus - und spendete dem Enttäuschten minutenlangen Applaus.

Berlin - Der Vorstand der Niedersachsen-CDU ist am Montagnachmittag in der Landesgeschäftsstelle zusammengekommen, um die Niederlage bei der Landtagswahl zu analysieren. Ministerpräsident David McAllister reiste nach Beratungen der Bundesspitze per Auto aus Berlin an, wollte vor Beginn der Vorstandssitzung aber keine Angaben zu seiner persönlichen Zukunft machen. Empfangen wurde McAllister in Hannover, als wäre er ein Wahlsieger: mit lautem Beifall.

Aus der Wahl am Sonntag war die CDU zwar als stärkste Kraft hervorgegangen, und die FDP hatte ihr historisch bestes Ergebnis eingefahren. Trotzdem werden die bisherigen Koalitionspartner nach zehn Jahren wohl auf die Oppositionsbank umziehen müssen. Nach einem der spannendsten Wahlkrimis der vergangenen Jahre bereiten sich SPD und Grüne in Hannover auf Koalitionsgespräche vor. Ein einziger Parlamentssitz sichert ihnen die Mehrheit.

Des CDU-Landesvorstand sprach McAllister während seiner Sitzung das uneingeschränkte Vertrauen aus und bestätigte ihn als Landesvorsitzenden der CDU in Niedersachsen, erfuhr SPIEGEL ONLINE aus CDU-Kreisen.

In Berlin hatte der Ministerpräsident zuvor erklärt, dass er den Posten des Oppositionsführers nicht übernehmen will. Sein Landtagsmandat in Hadeln-Wesermünde wird er den Kreisen zufolge jedoch annehmen. Er hatte dort elf Prozent Plus bei den Erststimmen geholt.

Am Dienstag werde voraussichtlich der bisherige Fraktionsvorsitzende Björn Thümler in seinem Amt bestätigt, sagte McAllister. Es brauche "ein paar Tage Zeit, um zu überlegen, wie sich die niedersächsische CDU personell aufstellen will", sagte McAllister in Berlin.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin hatte Kanzlerin Angela Merkel am Mittag den rot-grünen Wahlsieg in Niedersachsen als schmerzhaft bezeichnet. Ihre Partei sei "ein Stück weit traurig" wegen der Niederlage. Es sei schwierig, ein solches Ergebnis zur Kenntnis zu nehmen - besonders für die Partei in Niedersachsen. Sie sprach von einer klaren Niederlage.

McAllisters Erwartungen und die seiner Partei waren groß. Im Juli 2010, nach dem Wechsel von Christian Wulff ins Schloss Bellevue, wurde er mit nur 39 Jahren vom CDU-Fraktions- zum Regierungschef. Was noch fehlte in der Karriere, war ein Sieg bei dieser Wahl.

ler/heb/dapd

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung