Wahl in Nordrhein-Westfalen Erster FDP-Mann bringt Ampel ins Spiel

Für Schwarz-Gelb in NRW wird es eng. Nun spricht sich der saarländische FDP-Landeschef und Wirtschaftsminister Christoph Hartmann im Interview mit SPIEGEL ONLINE dafür aus, auch über andere Koalitionsoptionen nachzudenken. Eigenständigkeit tue den Liberalen gut, meint er.

Wirtschaftsminister und Landesparteichef: Der saarländische FDP-Mann Christoph Hartmann
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Wirtschaftsminister und Landesparteichef: Der saarländische FDP-Mann Christoph Hartmann


SPIEGEL ONLINE: Herr Hartmann, in Nordrhein-Westfalen sacken die Umfragewerte für Schwarz-Gelb ab. Es gibt bereits Spekulationen über eine Ampel, also eine Koalition aus SPD, FDP und Grünen nach dem 9. Mai. Würden Sie das Ihren Kollegen empfehlen?

Hartmann: Das müssen die Liberalen in Nordrhein-Westfalen entscheiden. Grundsätzlich sage ich aber - das hängt von den Sozialdemokraten ab. Ich leide schon ein Stück weit darunter, dass die SPD personell und strategisch so schlecht aufgestellt ist, dass sie mit der FDP im Augenblick nicht koalitionsfähig ist.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie etwa Sehnsucht nach alten sozial-liberalen Zeiten?

Hartmann: Ich war bei der Geburtstagsfeier unseres Ehrenvorsitzenden Walter Scheel. Da hat auch Egon Bahr gesprochen, mit dem Scheel und Willy Brandt die neue Ostpolitik in den siebziger Jahren einläuteten. Die Rede Bahrs war so gut - da habe ich mich gefragt: Wo sind diese Sozialdemokraten geblieben?

SPIEGEL ONLINE: Die FDP hat sich in NRW und im Bund auf Schwarz-Gelb festgelegt.

Hartmann: Ich möchte daran erinnern, dass wir viele Jahre lang in Rheinland-Pfalz mit der SPD sehr erfolgreich zusammengearbeitet haben. Was Rainer Brüderle für uns und Kurt Beck für die SPD damals zeigten - es geht, wenn Personen miteinander können und Inhalte stimmen.

SPIEGEL ONLINE: Aber ist die FDP im Bund nicht gewählt worden, weil es eine klare Alternative gab - Schwarz-Gelb?

Hartmann: Moment. Unser Ergebnis von 14,6 Prozent ist auch deshalb zustande gekommen - das zeigen die Umfragen - , weil viele unserer Wähler ein Ende der Großen Koalition wollten. Nun zeigt sich aber, dass die CDU eigentlich auch mit uns so weiterregieren möchte wie einst mit der SPD. Die strukturellen Unterschiede zwischen CDU und SPD sind nur noch gering. Es gibt schwarze und rote Sozialdemokraten. Warum sollten wir dann nicht eines Tages wieder mit dem Original koalieren?

SPIEGEL ONLINE: In NRW setzt die FDP auf die CDU. Zugleich ist der dortige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers schwer angeschlagen. Berauben sich Ihre Parteifreunde also einer Chance?

Hartmann: Wenn ich die FDP in NRW richtig verstanden habe, ist für sie die erste Option Schwarz-Gelb. Alles andere muss sich dann ergeben. Genauso sind auch wir im Jahr 2009 im Saarland in den Wahlkampf gezogen. Wenn eine Koalition mit der CDU nicht möglich ist, muss man sich umschauen. Eigenständigkeit tut der FDP immer gut. Die FDP in NRW sollte sich daher für alle Fälle mehr als eine Option offenhalten.

SPIEGEL ONLINE: Union und FDP streiten im Bund heftig. Erhöht eine noch buntere Dreierkoalition - sei es nun Ampel oder Jamaika - nicht den Streitfaktor?

Hartmann: Es gibt mehr zu koordinieren. Aber das muss nicht mehr Streit bedeuten.

SPIEGEL ONLINE: Was ist Ihr Erfolgsrezept in der Jamaika-Koalition mit CDU und Grünen?

Hartmann: Natürlich gibt es bei uns Differenzen. Aber der Koalitionsvertrag ist doch so präzise, dass man ihn nicht jeden zweiten Tag hinterfragen muss.

Das Interview führte Severin Weiland

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