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14. Mai 2012, 06:59 Uhr

CDU-Debakel in NRW

Seehofer attackiert Wahlverlierer Röttgen

"Ein Desaster mit Ansage": CSU-Chef Seehofer wirft dem NRW-Spitzenkandidaten Röttgen schwere Fehler vor. Aber auch aus der CDU wird der Bundesumweltminister heftig kritisiert.

Düsseldorf - Norbert Röttgen unter Beschuss: Nach der verheerenden Niederlage bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen wird der CDU-Spitzenkandidat vor allem vom CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer heftig kritisiert. "Der Wahlausgang ist für die Union eine politische Katastrophe, die mich wirklich aufwühlt. Es ist ein Desaster mit Ansage", sagte der bayerische Ministerpräsident der "Bild"-Zeitung.

Die CDU hatte am Sonntag mit Röttgen an der Spitze heftige Verluste erlitten und kam nur noch auf 26,3 Prozent. Die SPD verbesserte sich auf 39,1 Prozent. Röttgen war unmittelbar nach Bekanntwerden der Ergebnisse als CDU-Landeschef zurückgetreten.

Kanzlerin "Merkel und ich haben am Rande der Bundesversammlung Norbert Röttgen klargemacht, dass diese Wahl für die gesamte Union von Bedeutung ist und dass man sich mit Haut und Haaren und jeder Pore in so einen Wahlkampf stürzen muss", wetterte Seehofer.

Der CSU-Chef stellte mit Blick auf die Energiewende zugleich Röttgens Eignung als Bundesumweltminister indirekt in Frage. "Röttgen ist zuständig für eines der wichtigsten Projekte dieser Regierung. Die Menschen wollen endlich Antworten hören, wie es mit der Energiewende weitergehen soll, und sie wollen sehen, dass wir aufs Tempo drücken." Er hoffe, "dass der Bundesumweltminister mit dieser Herausforderung anders umgeht als mit dem Wahlkampf in NRW".

Massive Kritik an Röttgen kam aber auch aus der CDU. Für seinen Wahlkampf wurde er auch vom Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs angegriffen. "Unser Ergebnis ist eine Katastrophe", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Auch Fuchs kritisierte Röttgens Wanken zwischen Berlin und Düsseldorf: "Das ist der Denkzettel dafür, wenn ich mich nicht entscheiden kann. Dann entscheidet sich der Wähler gegen mich."

Ähnlich äußerte sich Wolfgang Bosbach, Chef des Bundestags-Innenausschusses: "Es hätte der CDU geholfen, wenn Norbert Röttgen sich zu Beginn des Wahlkampfes für Düsseldorf entschieden hätte - und zwar ohne Wenn und Aber und auf dem Platz, den der Wähler ihm zuweist."

Hintze weist Seehofers Kritik zurück

Allerdings sei dieses Thema "nicht entscheidend gewesen für das Wahlergebnis". Bosbach beklagte stattdessen "eine Addition von Debatten, mit denen wir die Wähler verunsichern". So gäben CDU und CSU beim Streit um das Betreuungsgeld "ein völlig diffuses Bild" ab. In der Auseinandersetzung um die Kürzung der Solarförderung hätten selbst CDU-Ministerpräsidenten dem eigenen Minister und Spitzenkandidaten zwei Tage vor der Wahl im Bundesrat ein Bein gestellt und die Kürzung abgelehnt.

Die Kritik von Seehofer an Röttgen sorgte aber auch für Ärger in der CDU. "Ich wünsche ihm von Herzen, dass er nie so einen Wahltag erlebt, wie wir es erlebt haben", sagte der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen Landesgruppe im Bundestag, Peter Hintze, im ZDF-"Morgenmagazin". "Aber falls er mal in seinem Leben einen so bösen Wahltag erlebt, dann wünsche ich ihm, dass er nicht solche Kommentare anhören muss von außen, wie er sie uns jetzt gestern und heute gegeben hat", sagte Hintze.

SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil forderte Röttgen nach der Wahlschlappe auch zum Rücktritt als Bundesumweltminister auf. "Röttgen war nicht nur als Spitzenkandidat überfordert. Er ist es auch als Minister bei der Energiewende", sagte Heil der "Rheinischen Post".

als/AFP/dapd

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