Wahl in Rheinland-Pfalz Mainz bleibt wohl Mainz

Ein Funk-Elektroniker, ein Bäckermeister, ein Philosoph und eine Psychologin kämpfen um die Macht in Mainz. Aber der Ausgang der Landtagswahl am 25. März in Rheinland-Pfalz scheint bereits klar.

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Der Titelverteidiger: Kurt Beck (SPD)
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Der Titelverteidiger: Kurt Beck (SPD)

Hamburg - Die 4,3 Millionen Einwohner von Rheinland-Pfalz gelten mehrheitlich als konservativ. Vor neuen Situationen schreckt man da eher zurück. Bei einer Infratest-Befragung gaben 63 Prozent an, mit der Arbeit der aktuellen Landesregierung zufrieden zu sein. Deshalb sieht Amtsinhaber Kurt Beck dem Wahlgang auch gelassen entgegen. "Die Stimmung ist gut. Die politische Konkurrenz tut das Ihre", stellte der Sozialdemokrat kürzlich beruhigt fest. Mainz bleibt also offenbar Mainz.

Der Nachfolger von Rudolf Scharping kann tatsächlich auf eine positive Bilanz verweisen: Die Arbeitslosenquote ist bundesweit die drittniedrigste, bei den Ausbildungsplätzen nimmt man den zweiten Rang ein. Und auch beim beliebten CDU-Thema "Innere Sicherheit" darf Beck gelassen sein: Die Aufklärungsquote bei Straftaten ist höher als irgendwo sonst in Deutschland.

"Wir kämpfen bis zum Umfallen"

Beck, gelernter Funk-Elektroniker, ist seit 1994 Ministerpräsident, bei der jüngsten Landtagswahl 1996 wurde seine Partei mit 39,8 Prozent stärkste Fraktion. Mit der FDP bildete er eine Koalition, das einzige rot-gelbe Bündnis in der Bundesrepublik. Und jetzt sieht es sogar so aus, als ob der beliebte Landesvater noch einmal zulegen könnte: In Umfragen lagen die Sozialdemokraten zwei Wochen vor der Wahl bei 44 Prozent, die koalierenden Liberalen bei sieben Prozent. Beck profitiert aber auch von seinem unpopulären Gegner Christoph Böhr. Der CDU-Politiker, promovierter Philosoph, liegt bei den Sympathiewerten der Spitzenkandidaten abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Soll für die CDU siegen: Christoph Böhr
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Soll für die CDU siegen: Christoph Böhr

Böhr selbst tut zumindest so, als glaube er noch an ein Wunder in Südwest: "Wir kämpfen bis zum Umfallen." Doch das richtige Thema für einen Umschwung in der Wählergunst ist ihm und seiner CDU immer noch nicht eingefallen. Die Union liegt in den Umfragen bei 39 Prozent. Was erschwerend hinzu kommt: Angeblich ist sogar jeder fünfte CDU-Anhänger gegen ein Wechsel in der Staatskanzlei. Der Kohl-Freund Böhr setzt vor allem auf den massiven Unterrichtsausfall in Rheinland-Pfalz, aber auch das scheint keine allzu glückliche Entscheidung zu sein. Rivale Beck kündigte nämlich die flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen an und lenkte damit vom Ausfall-Problem ab.

"Rainer Bauckhage"

Hans-Artur Bauckhage führt die FDP durch den Wahlkampf
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Hans-Artur Bauckhage führt die FDP durch den Wahlkampf

Ganz entspannt scheinen die Liberalen mit ihrem Spitzenkandidaten Hans-Artur Bauckhage, einem gelernten Bäckermeister, dem Wahlgang entgegen sehen zu können. Auch irritierende Wahlplakate, die Bauckhage zusammen mit Landeschef Rainer Brüderle mal als "Rainer Bauckhage", mal als "Hans-Artur Brüderle" präsentieren, richten offenbar keinen großen Schaden an. Ob die FDP mit ihrem recht farblosen Führungsmann allerdings tatsächlich das erwünschte zweistellige Wahlergebnis einfahren kann, bleibt abzuwarten.

Mit einem plötzlichen Wechsel des Koalitionspartners von der SPD zur CDU ist bei den Liberalen nicht zu rechnen, die Liaison mit Becks Sozialdemokraten soll auf jeden Fall fortgesetzt werden - zumal sie Kanzler Schröder die Option offen lässt, in Berlin einmal die Pferde zu auszutauschen, falls er der Probleme mit den Grünen überdrüssig ist.

Die Grüne Ise Thomas mit Bundesumweltminister Jürgen Trittin
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Die Grüne Ise Thomas mit Bundesumweltminister Jürgen Trittin

Die Pfälzer Grünen als zweite Oppositionspartei haben allerdings ganz andere Sorgen. Sie liegen in den Umfragen bei fünf Prozent. Die emsige, aber noch recht unbekannte Spitzenkandidatin Ise Thomas, die ehemals in der Andernacher Psychiatrie arbeitete, muss befürchten, gar nicht wieder in den Landtag einziehen zu dürfen. Wie die CDU setzt auch die Ökopartei auf die Bildungspolitik und beklagt den Ausfall von Schulstunden. Ein Schulterschluss zwischen Union und Grünen ist ausgeschlossen. Beide demonstrieren auch hier seltene Einmütigkeit: Thomas sieht Schwarz-Grün erst "in weiter Ferne", für Böhr kommt dies sogar "in den nächsten 200 Jahren nicht in Frage". Wird es erst dann wieder spannend zwischen Trier und Ludwigshafen?



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