Parteitag in Hamburg Was Sie über die Wahl zum CDU-Vorsitz wissen müssen

Auf dem Hamburger CDU-Parteitag gibt Angela Merkel den Vorsitz ab. Aber wer folgt ihr nach? Wie läuft die Wahl ab? Und was passiert am Freitag sonst noch? Der Überblick.
Kandidaten Spahn, Kramp-Karrenbauer, Merz

Kandidaten Spahn, Kramp-Karrenbauer, Merz

Foto: FILIP SINGER/EPA-EFE/REX/ SHUTTERSTOCK; DPA

Im Michel, nahe dem Hamburger Hafen, geht es los an diesem Freitagmorgen: Ökumenischer Gottesdienst, damit startet die CDU seit Jahrzehnten in ihre Bundesparteitage. Aber schon in der Hauptkirche Sankt Michaelis, wie das Wahrzeichen der Hansestadt offiziell heißt, wird alles anders sein als sonst: Drei Kandidaten für den Parteivorsitz werden auf den Bänken der Barockkirche sitzen.

Drei prominente Kandidaten, die sich auf dem 31. Bundesparteitag zur Wahl um den Vorsitz stellen, das gab es in der Geschichte der CDU noch nie.

In der Regel verständigte sich die Partei im Vorfeld auf eine Person. Dass 1971 der damalige Unionsfraktionschef im Bundestag, Rainer Barzel, und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Helmut Kohl gegeneinander antraten, blieb eine historische Ausnahme.

Noch nie war ein CDU-Parteitag deshalb wohl so spannend wie dieser, die Zahl der akkreditierten Journalisten ist ebenso rekordverdächtig wie die der angemeldeten Gäste. 1001 Delegierte entscheiden über die Zukunft der Partei. Der Dreikampf zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn und Friedrich Merz ist das eine - aber er ist ja überhaupt erst möglich geworden, weil Angela Merkel nach 18 Jahren an der Parteispitze in Hamburg abtritt.

Merkel geht, aber wer wird kommen?

Wofür stehen die drei Kandidaten? Wie wird die Wahl ablaufen? Und was passiert am Freitag noch auf dem Parteitag? Der Überblick:

  • Die Kandidaten

Nachdem vor einem guten Monat die CDU-Vorsitzende im Präsidium ihrer Partei verkündet hatte, dass sie in Hamburg - anders als erwartet und von ihr bis dahin kommuniziert - nicht erneut kandidieren würde, dauerte es eine halbe Stunde, bis Friedrich Merz seine Bereitschaft zur Kandidatur öffentlich machte. Und schon in der folgenden Sitzung des CDU-Bundesvorstands kündigten auch Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn ihre Bewerbungen für den Parteivorsitz an.

Für die meisten ebenso überraschend wie Merkels Rückzugsankündigung am Tag nach der Hessenwahl kam Merz' Bewerbung. Kramp-Karrenbauer und Spahn dagegen galten schon seit Längerem als mögliche Kandidaten für den Tag X.

Kramp-Karrenbauer, erst seit März CDU-Generalsekretärin, ließ seitdem ihr Parteiamt weitestgehend ruhen , der Terminplan von Bundesgesundheitsminister Spahn wurde mit seiner Kandidatur noch enger, der Politik-Rückkehrer und frühere Unionsfraktionschef Merz konnte sich voll auf seine Kampagne konzentrieren .

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Pressekonferenzen, acht Regionalkonferenzen, Vorstellungsrunden bei den CDU-Vereinigungen und weiteren Gruppierungen, Interviews, Talkshow-Auftritte - die Kandidaten haben sich nicht versteckt in den vergangenen Wochen.

Lesen Sie hier über die Profile der Kandidaten:

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Die Kandidaten: Dafür stehen sie

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

  • Die Favoriten

Nur eines lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit sagen: Der neue CDU-Chef wird nicht Jens Spahn heißen. (Andernfalls müsste dem Kandidaten schon eine Art Wunder von Hamburg gelingen.) Spahn bemühte sich in den vergangenen Wochen nach Kräften, aber für diejenigen in der CDU, die vor allem das Anti-Merkel-Gefühl antreibt, scheint Merz der geeignetere Kandidat zu sein. Das zeigte sich auf den Regionalkonferenzen, aber auch darin, dass sich selbst Spahns bis dato treueste Fans von der Jungen Union und der Mittelstandsvereinigung MIT für Merz ausgesprochen haben.

Aber dann ist da noch Annegret Kramp-Karrenbauer - zwischen ihr und Merz dürfte sich das Rennen entscheiden. Merz scheint eher das Herz der Basis zu erwärmen. In Umfragen in der Bevölkerung, sowohl bei allen Wählern wie auch CDU-Sympathisanten, liegt Kramp-Karrenbauer deutlich vorn.

Videoanalyse: "Es wird ganz eng"

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Die spannende Frage lautet: Wovon lassen sich die Delegierten leiten? Immerhin dürfte die Vorsitzendenwahl auch eine Vorentscheidung über die nächste Kanzlerkandidatur bedeuten - also steht die Frage im Raum, mit wem die CDU dann die besten Chancen hätte.

Oder lassen sich die Delegierten am Ende auch davon leiten, wen ihnen beispielsweise die Partei-Eminenz Wolfgang Schäuble empfiehlt (Merz)? Kramp-Karrenbauer hat ebenfalls prominente Unterstützer und zudem beispielsweise die mächtige Frauen-Union hinter sich.

Anders als Schäuble hat die scheidende Vorsitzende ihre Präferenz pro Kramp-Karrenbauer nicht öffentlich gemacht. Am Ende könnte auch die Frage, wer besser mit der als Kanzlerin weiterhin amtierenden Merkel zurechtkommen wird und die Große Koalition stabilisiert, Einfluss auf das Delegiertenvotum haben.

  • Der Ablauf

Nach dem Gottesdienst im Michel, der um 8.30 Uhr beginnt, startet der Bundesparteitag um 10.30 Uhr auf dem Hamburger Messegelände. Zunächst wird Merkel ihren sogenannten Bericht als Vorsitzende abgeben - es ist ihre Abschiedsrede. Nach 18 Jahren an der Parteispitze soll sie gebührend verabschiedet werden, heißt es selbst von Merkel-Kritikern. In der anschließenden Aussprache dürfte es sehr wohlwollende Wortmeldungen geben.

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Merkels Rückzug vom CDU-Vorsitz: Ins Gesicht geschrieben

Foto: © Arnd Wiegmann / Reuters

Anschließend wird der Tagesordnungspunkt "Wahl eines Vorsitzenden oder einer Vorsitzenden aufgerufen". Sollten sich innerhalb einer bestimmten Frist noch weitere Kandidaturen ergeben haben, indem sich ein Delegierter selbst oder ein nicht delegiertes CDU-Mitglied vorschlägt (14 weitere Bewerber wurden in der CDU-Zentrale vorstellig, niemand erfüllte bis zum Parteitag allerdings die Nominierungskriterien für eine Kandidatur), dürften auch diese Personen sich auf dem Parteitag vorstellen. Dafür sind eine alphabetische Reihenfolge und eine Redezeit um die 15 Minuten vorgesehen. Anschließend sind Fragen an die Kandidaten möglich, bevor der Wahlgang eröffnet wird. Die Wahl findet geheim statt, auf jedem Delegiertenplatz wird dafür eine sogenannte Tischwahlkabine zum Auseinanderfalten stehen.

Erreicht niemand mehr als die Hälfte der Delegiertenstimmen, kommt es zu einer Stichwahl zwischen den beiden Personen, die im ersten Durchgang die meisten Stimmen erhielten. Falls ein zweiter Wahlgang nötig ist, folgt dieser unmittelbar nach Bekanntgabe des Ergebnisses aus dem ersten, weitere Wortmeldungen sind nicht vorgesehen.

Die 1001 Delegierten setzen sich zusammen aus einem Vertreter des CDU-Auslandsverbands in Brüssel und 1000 Delegierten der Landesverbände, darunter sind 658 Männer und 343 Frauen. Von den Delegierten sitzen 150 im Bundestag, dazu kommen viele weitere Mandatsträger aus den Landtagen und Kommunalparlamenten.

  • Die sonstigen Wahlen

Neben dem Parteivorsitz sollen am Freitag in Hamburg die kompletten Bundesgremien neu gewählt werden, also die fünf stellvertretenden Parteivorsitzenden samt dem Rest des Präsidiums (Bundesschatzmeister und sieben Beisitzer) und der Vorstand (26 zu wählende Mitglieder). Auch der Mitgliederbeauftragte wird gewählt.

Dazu kommt möglicherweise noch die Wahl eines neuen Generalsekretärs oder einer neuen Generalsekretärin. Wer auch immer Merkel an der Parteispitze nachfolgt, darf eine Person für diese Funktion benennen, die dann entweder noch in Hamburg oder auf dem darauffolgenden Parteitag gewählt wird. Noch am Freitagabend soll dann auch über den Uno-Migrationspakt diskutiert werden und über einzelne kleinere Anträge, die weiteren inhaltlichen Debatten sind für Samstag geplant.

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