Nach Wahlschlappe Wagenknecht macht eigene Partei für Erstarken der AfD mitverantwortlich

In Sachsen und Brandenburg holte die Linke einst Traumergebnisse von mehr als 20 Prozent. Davon ist seit Sonntag keine Rede mehr. Fraktionschefin Wagenknecht wirft der eigenen Partei Versäumnisse vor.
Macht der eigenen Partei Vorwürfe im Ost-Wahlkampf: Fraktionschefin im Bund, Sahra Wagenknecht

Macht der eigenen Partei Vorwürfe im Ost-Wahlkampf: Fraktionschefin im Bund, Sahra Wagenknecht

Foto: ALEXANDER BECHER/EPA-EFE/REX

Lange war die Linke in den ostdeutschen Bundesländern die Stimme der Unzufriedenen, holte Wahlergebnisse, von denen sie im Westen der Republik nur träumen konnte. Nach der Wahlschlappe von Sonntag ist sie plötzlich nur noch eine von vielen Parteien - die AfD hat sie deutlich überholt. Sahra Wagenknecht kritisiert nun die eigene Partei für Fehler im Wahlkampf.

"Wir waren über viele Jahre die Stimme der Unzufriedenen", sagte die scheidende Linksfraktionschefin im Bundestag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Indem wir uns von unseren früheren Wählern entfremdet haben, haben wir es der AfD leicht gemacht. Insofern sind wir für ihren Erfolg mitverantwortlich."

Sie fügte hinzu: "Die wachsende Distanz zu dieser Lebenswelt zeigt sich auch in unserem Umgang mit AfD-Wählern, die gern pauschal als Rassisten beschimpft werden, obwohl viele von ihnen früher links gewählt haben."

Die Linke fiel in Sachsen und Brandenburg auf rund zehn Prozent und büßte in beiden Fällen etwa acht Prozentpunkte ein. Wähler gingen dabei an die AfD, aber auch alle anderen Parteien verloren (mehr dazu lesen Sie hier).

Frage nach der Zielgruppe

Die Linke müsse klären, für wen sie in erster Linie Politik machen wolle, sagte Wagenknecht weiter. "Für die gut ausgebildete, gehobene Mittelschicht in den Metropolen oder für diejenigen, die um ihr bisschen Wohlstand immer härter kämpfen müssen? Wenn wir Menschen jenseits des hippen Großstadtmilieus erreichen wollen, müssen wir ihre Sicht der Dinge ernst nehmen, statt sie zu belehren, wie sie zu reden und zu denken haben", erklärte Wagenknecht, die nur noch bis zur Neubesetzung ihrer Funktion im Herbst amtiert. Unter anderem wegen ähnlicher früherer Äußerungen liegt sie mit Teilen ihrer Partei über Kreuz.

Die Fraktionschefin mahnte auch beim Klimaschutz Augenmaß bei ihrer Partei an. "Wenn Teile der Linken die CO2-Steuer befürworten, die Pendler und die Mittelschicht außerhalb der Großstädte hart treffen würde, müssen wir uns nicht wundern, dass sich viele abwenden."

mho/dpa
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