Wahlforscher Beusts Popularität gab den Ausschlag

Bei ihrem Sieg in Hamburg hat die CDU von der Popularität von Bürgermeister Ole von Beust profitiert. Die SPD ist dagegen nach einer Analyse von Wahlforschern an ihrem schlechten Ansehen gescheitert.


Hamburg - Auch wenn die Bürgerschaftswahl für die SPD unter sehr ungünstigen bundespolitischen Rahmenbedingungen abgehalten worden sei, war es demnach für die Hamburgerinnen und Hamburger laut der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vor allen Dingen eine Landes-Wahl. So äußerten in der Woche vor der Wahl 74 Prozent aller Befragten, die Politik in der Hansestadt sei für ihre Wahlentscheidung ausschlaggebend, lediglich 14 Prozent nannten die Bundespolitik. Die Hamburger Sozialdemokraten könnten vor allem deshalb die SPD im Bund für ihr schlechtestes Nachkriegsergebnis in der Hansestadt nicht verantwortlich machen, weil die SPD vor Ort ähnlich schlecht angesehen sei wie die SPD im Bund.

Neben der für die CDU relativ günstigen bundespolitischen Stimmung wurden die stärksten Zugewinne, die eine Partei jemals bei einer Wahl erreicht hat, auf das hohe Ansehen ihres Spitzenkandidaten Beust zurückgeführt. Im direkten Vergleich wünschten sich 56 Prozent wieder den amtierenden Ersten Bürgermeister, 33 Prozent sprachen sich für Thomas Mirow (SPD) aus. Der mit einem Amtsbonus ausgestattete Beust erzielte auf der +5/-5-Skala eine sehr gute Bewertung von 2,0, Mirow 0,7. Drei Viertel aller Befragten (74 Prozent) bescheinigten Beust eine gute Arbeit als Bürgermeister, darunter auch mehr als jeder zweite SPD- Wähler.

Beim Kandidatenprofil der Forschungsgruppe schnitt Beust als der glaubwürdigere, der sympathischere Kandidat ab und als Siegertyp sowie als derjenige, der besser zu Hamburg passt. Mirow siegte bei der Eigenschaft "mehr Sachverstand".

Auch bei den zentralen Problemen in der Stadt wie Wirtschaft, Schaffung von Arbeitsplätzen, Kriminalität und bei der Zukunftskompetenz erzielte die CDU nach der Umfrage einen zum Teil erheblichen Kompetenzvorsprung vor den Sozialdemokraten. Lediglich bei den Themen Bildung und Familie konnte die SPD knapp vor der CDU punkten.

Die Forschungsgruppe analysierte auch den Absturz des Rechtspopulisten Ronald Schill, der 2001 noch aus dem Stand knapp 19 Prozent der Stimmen erzielen konnte. Es wurde die Frage untersucht, wie diejenigen Gruppen bei dieser Wahl abgestimmt haben, bei denen Schill das letzte Mal seine größten Erfolge verzeichnete: Bei den Arbeitern kam Schill 2001 auf 27 Prozent. Jetzt erreichte er mit seiner neuen Partei Pro DM/Schill dort lediglich noch sechs Prozent. Die CDU gewann bei den Arbeitern 25 Punkte hinzu und erzielte 47 Prozent, die SPD verlor ein weiteres Mal und kam nur noch auf 32 Prozent bei den Arbeitern.

Ähnlich sah es bei den Männern über 60, einer einstigen "Hochburg von Schill" (2001: 28 Prozent). Hier kam Schill jetzt auf drei Prozent, die CDU machte 28 Prozentpunkte gut und landete auf 58 Prozent.

Aber auch bei den unter 30-jährigen Wählern gewann die CDU 21 Prozentpunkte dazu und wurde mit 42 Prozent deutlich stärkste Partei vor der SPD mit 27 Prozent und den Grünen mit 20 Prozent.

Die Zahlen basieren auf einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen unter rund 1000 Wahlberichtigten in Hamburg in der Woche vor der Wahl sowie 5500 Wählern am Wahltag.



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