Wahlforscher "Rache für den 22. September"

Meinungsforscher sind sich einig: Mit den Wahlschlappen in Hessen und Niedersachsen hat die SPD offenbar die Quittung für die Regierungsarbeit seit der Bundestagswahl bekommen.


Frankfurt am Main - Die "Überlagerung durch die Großwetterlage" sei bei den Landtagswahlen "selten so stark" wie jetzt gewesen, sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner. Vor allem in Hessen, wo insbesondere die CDU-Wähler mit Rot-Grün in Berlin haderten, sei der bundespolitische Einfluss entscheidend gewesen. Die CDU-Wähler seien zur Urne gegangen, "um Rache für den 22. September zu nehmen".

Auf der anderen Seite seien viele potenzielle SPD-Anhänger der Wahl fern geblieben, weil sie von der Politik der Bundesregierung und von Bundeskanzler Gerhard Schröder enttäuscht seien. Zu einem Großteil sei deshalb auch die unzureichende Mobilisierung der Wähler verantwortlich für die Schlappe der SPD in Hessen.

Das Wahlergebnis in Niedersachsen war nach Ansicht Güllners ebenfalls von der Bundespolitik beeinflusst, aber in stärkerem Maße von der Landespolitik bestimmt als in Hessen. So habe sich der scheidende Ministerpräsident Sigmar Gabriel am Ende selbst geschlagen, weil er in den letzten Wochen Schröder attackiert habe, der in Niedersachsen immer noch weit populärer sei als er selbst.

Die große Mehrheit der Bundesbürger erwarte von der im Bundesrat gestärkten CDU/CSU nun eine gesteigerte Mitverantwortung für die Einleitung der dringend notwendigen Sozialreformen."Die Menschen setzen darauf, dass die Politik die nötigen Kurskorrekturen im Konsens in Angriff nimmt", sagte der Forsa-Chef.

Nicht gezogen hat dagegen das internationale Thema Irak, mit dem die Sozialdemokraten angesichts schlechter Umfragewerte in der Schlussphase beider Wahlkämpfe das Ruder noch herumreißen wollten. Nach einer Infratest-dimap-Umfrage für die ARD spielte die ablehnende Haltung Deutschlands zu einem möglichen Irak-Krieg nur für 1 Prozent der Wähler eine Rolle. Als wichtigstes Thema wurde dagegen von 52 Prozent die hohe Arbeitslosigkeit genannt.



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