Drei Szenarien für den Wahlausgang Das kommt auf Deutschland zu

Schwarz-Gelb, Große Koalition oder Schwarz-Grün? Sieben Wochen vor der Wahl verdichten sich die Diskussionen in den Parteien intern auf drei mögliche Wahlausgänge - genau an dieser Stelle könnte der Wahlkampf doch noch spannend werden.
Reichstag in Berlin: Die Koalitionsplanspiele haben längst begonnen

Reichstag in Berlin: Die Koalitionsplanspiele haben längst begonnen

Foto: Adam Berry/ Getty Images

Deutschland versinkt in Lethargie, früher waren zum Beispiel die Politiker-Sprüche krasser. Berufsrandalierer, Lackschuhpanther, Möchtegern-Schimanski, Nadelstreifen-Rocker. So bepöbelte sich die politische Elite im Bundestag. Gerne genommen wurden auch: "kläffender Goldhamster", "Putzlumpen", "Betonbolschewist", "Beamtenkuh" oder "Weihnachtsgans". Franz-Josef Strauß' Lieblingsspruch lautete: "Irren ist menschlich, aber immer irren ist sozialdemokratisch."

Inzwischen verläuft der politische Diskurs vornehmer. Das ist einerseits schön, andererseits aber auch langweiliger. Es fehlt die Leidenschaft, der wirkliche Streit um Inhalte, die Polarisierung. Im Bundestagswahlkampf wird auf Deutschland ein Phrasengewitter niedergehen. "Gemeinsam erfolgreich für Deutschland", steht in schöner Einfältigkeit auf den CDU-Wahlplakaten. Noch Fragen?

Deutschland wird vom wohlig-gemütlichen Merkel-Sound eingelullt, die anderen Parteien haben dem wenig bis nichts entgegenzusetzen. Das Ergebnis der Wahl, so scheint es fast, steht fest. Die meisten Umfragen und auch die SPIEGEL-ONLINE-Wahlwette zeigen aktuell einen Trend: Es wird für einen rot-grünen Kanzler Peer Steinbrück wohl nicht reichen. Angenommen, das stimmt. Dann heißt das: Sie macht's noch einmal.

Fragt sich also nur noch, mit wem?

Die Wahl könnte doch noch spannend werden

Genau an dieser Stelle könnte der Wahlkampf doch noch spannend werden. Wer kann mit wem? Darum werden bis zum 22. September alle politischen Phantasien kreisen. Es wird keine Rede vergehen, in der nicht irgendwer irgendwem die finstersten Koalitionsabsichten unterstellt: Rot-Rot-Grün, die Ampel, Schwarz-Grün und so weiter.

Bei dem vielen Nebel, der dann aufsteigen dürfte, wird die nüchterne Betrachtung der Lage wichtig sein. Wer sich bei hochrangigen Vertretern der Parteien umhört, weiß: Intern gelten drei Wahlausgänge als realistisch:

  • Szenario 1: Schwarz-Gelb macht einfach weiter. Kann klappen. Merkel wäre die Königin von Deutschland, die FDP ein Anhängsel. Merkel könnte nach Belieben regieren, die Zahl der FDP-Minister im Kabinett würde von fünf auf drei schrumpfen. Allein der rot-grün beherrschte Bundesrat würde Merkel nerven und zu Zugeständnissen zwingen. Aber mit Geld lassen sich die Länder bekanntlich ruhig stellen.

  • Szenario 2: die Große Koalition. Nett für die Kanzlerin. Das hat schon einmal prima für sie geklappt: Merkel konnte auf der Kommandobrücke bella figura machen, die SPD rackerte im Maschinenraum und wurde anschließend vom Wähler abgestraft. In der SPD mögen sie die Große Koalition deshalb nicht. Aber was will eigentlich Parteichef Sigmar Gabriel? Für ihn persönlich könnte sich ein solches Bündnis lohnen. Er wäre womöglich Vizekanzler, könnte in einem hübschen Amt wie dem des Außenministers seinen Ruf aufbessern, also Punkte sammeln für die Kanzlerkandidatur 2017. Einziges Problem: Gabriel müsste seine störrische Partei überzeugen.

  • Szenario 3: die schwarz-grüne Option. Gar nicht so verrückt, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn was passiert eigentlich, wenn die SPD am Ende partout nicht mit Merkel koalieren will? Etliche - auch vernünftige - Genossen finden: Lasst die beiden doch zusammen regieren, das macht die Grünen klein und die SPD für die nächste Wahl wieder stark. Ein Verhandlungsmarathon wäre die Folge: Die Grünen könnten in Versuchung geraten, die Basis würde stöhnen - bei beiden Parteien. Aber es könnte sich am Ende die Ansicht durchsetzen: Warum eigentlich nicht?

Natürlich kann immer alles auch noch ganz anders kommen, aber andere Varianten wie die Dreierbündnisse Rot-Rot-Grün oder die Ampel sind kaum vorstellbar. In der SPD ist Rot-Rot-Grün noch unbeliebter als die Große Koalition. Die Wunden der vergangenen Bruderkämpfe mit der Linkspartei sind längst noch nicht verheilt. Und die FDP wird ein Zusammengehen mit Roten und Grünen in einer Ampel noch vor der Wahl kategorisch ausschließen, weil sie sonst Gefahr läuft, ihre bürgerliche Klientel zu verschrecken.

Unwahrscheinlich auch: Eine wie auch immer konzipierte Minderheitenregierung. Ein solches Abenteuer würde keine der großen Parteien der Wählerschaft zumuten wollen, schon gar nicht in der andauernden Euro-Krise. Wie würden wohl die viel zitierten Märkte reagieren?

Bleibt also nur noch eine unkalkulierbare Größe: der Wähler.

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