Wahlkampf-Debatten Steinbrück nennt Streit über Ackermann-Party kleinkariert

Wo bleibt das große Wahlkampfthema? Das umstrittene Ackermann-Essen ist es nach Ansicht von SPD-Finanzminister Steinbrück kaum: Die Debatte sei "moralinsauer". Auch Junge-Union-Chef Mißfelder wünscht sich mehr Inhalte - nicht nur von der politischen Konkurrenz.

SPD-Minister Steinbrück: Ackermann-Debatte "kleinkariert" und "moralinsauer"
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SPD-Minister Steinbrück: Ackermann-Debatte "kleinkariert" und "moralinsauer"


Berlin - Ulla Schmidts Dienstwagen-Debakel, das umstrittene Abendessen für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann - darüber diskutieren die Wahlkämpfer aller Parteien mit großer Inbrunst. Doch die politischen Inhalte fehlen in der Debatte.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat die Diskussion um das Ackermann-Essen im Kanzleramt "kleinkariert" genannt. Die Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland dürfe "einladen, wen sie möchte", sagte Steinbrück in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Die Debatte werde seiner Partei im Wahlkampf nicht nutzen, betonte der SPD-Vize und fügte hinzu: "Ich habe den Eindruck, dass wir im Moment versuchen, sehr moralinsauer sehr kleine Karos aufzuplustern." So etwas gehöre nicht in den Wahlkampf. Die Menschen wollten eine inhaltliche Auseinandersetzung.

Auch Altkanzler Gerhard Schröder hatte die Debatte als übertrieben bezeichnet und die Ausgaben des Kanzleramts für das Ackermann-Essen verteidigt. "Schließlich leben wir nicht in einer Bananenrepublik, und man sollte seine Gäste ordentlich bewirten", sagte Schröder SPIEGEL ONLINE.

Ähnlich äußerte sich auch der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Philipp Mißfelder. Er kritisierte die Wahlkampfführung der großen Parteien als inhaltsleer und kündigte an, das Thema Generationengerechtigkeit auf die politische Agenda zu setzen. "Wir leisten uns den Luxus, in Zeiten der größten Wirtschaftskrise über den Dienstwagen von Ulla Schmidt und ein Abendessen für Josef Ackermann zu diskutieren", sagte Mißfelder dem "Hamburger Abendblatt". "Das ist ein unpolitischer Wahlkampf, und Horst Schlämmer ist bisher das größte Medienereignis", sagte der Chef der CDU-Nachwuchsorganisation, der auch Mitglied des CDU-Präsidiums ist.

Der Politiker kündigte an, unmittelbar nach der Bundestagswahl eine Debatte darüber zu initiieren, wie sich die Politik in Deutschland ändern muss, um der jüngeren Generation eine Perspektive zu bieten. "Wir werden als JU drei Wochen nach der Wahl bei unserem Deutschlandtag in Münster sehr offen diskutieren, was die schwarz-gelbe Bundesregierung für die Zukunft der jungen Menschen tun muss." In der Großen Koalition sei das Thema Generationengerechtigkeit vor allem von der SPD "ausgebremst" worden.

ffr/dpa/ddp/AFP

insgesamt 1648 Beiträge
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ZumPostwinkel 24.08.2009
1. Ist doch eine Mischpoke.
Zitat von sysopDie Kanzlerin ließ den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seinen Geburtstag in ihrer Regierungszentrale feiern - die Kosten für das abendliche Tête-à-tête trägt der Steuerzahler, berichtet das ARD-Magazin "Report Mainz". Jetzt hagelt es Kritik. Wieviel Nähe von Politik und Wirtschaft verträgt die Demokratie?
Warum darf denn die ergebene und untergebene Befehlsempfängerin nicht ihren heimlichen Chef einladen?
Henry II 24.08.2009
2. Wie im Lotto
Ohne das hier vorgefallene bewerten zu wollen: Am Schluss wird es dann wohl so sein, dass irgendein (vermeintlicher) Skandal oder "Fehltritt" eines Politikers die Bundestagswahlen 2009 entscheidet! Ist eigentlich wie beim Lotto, der Zufall ob und was bis zum magischen Datum bekannt wird, entscheidet wer die BRD die nächsten 4 Jahre regiert
purzel76 24.08.2009
3. Trauruig, traurig, traurig ...
Weder in Wirtschaft noch Politik gibts irgendein Feingefühl was man den armen Menschen in Deutschland mit solchen Nachrichten für eine Message schickt: "Wir lassen es krachen und Du zahlst mal wieder bzw. euch streichen wir das Geld dann". Peanuts + Partys "Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um meinen Schlaf gebracht..."
Adran, 24.08.2009
4.
Das dürfte ja wohl der größere Aufreger sein.. Kahlschlag kommt nach der Wahl Die deutsche Industrie will Stellen im großem Umfang streichen - sobald die Bundestagswahl vorüber ist. Dann läuft das Stillhalteabkommen mit Berlin aus. (http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Jobabbau-Kahlschlag-kommt-nach-der-Wahl/557336.html) Da beeinflusst die Industrie die Wahl!
ccmehil 24.08.2009
5. Und das ist gut so!
Es wird wahrlich Zeit, dass einmal die Beziehungen zwischen Banken und Regierung auf ordentliche Füße gestellt werden. Immer diese heimlichen Treffen. So eine gemütliche Feier lockert doch die Atmosphäre schön auf.
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