Wahlkampf-Duell Stoiber wird zum Papier-Tiger

Erst griff er zur Trompete, dann ließ er zum Rückzug blasen: Zu dem erwarteten Fernsehduell zwischen CSU-Chef Stoiber und dem Spitzenkandidaten der Linkspartei, Lafontaine, wird es wohl nicht kommen. Nun will Stoiber lediglich ein "Print-Duell" mit dem Ex-SPD-Vorsitzenden.

Hamburg/Berlin - Zunächst hatte es nach einem Showdown ausgesehen: Edmund Stoiber gegen Oskar Lafontaine, live im Fernsehen oder bei einer öffentlichen Veranstaltung, so deutete es der CSU-Chef in der "Bild"-Zeitung an. "Ich erkläre mich dazu bereit, mich in einem Schlagabtausch mit dem früheren SPD-Vorsitzenden und jetzigen PDS-Spitzenkandidaten Lafontaine inhaltlich über die Folgen einer Wahl der PDS auseinander zu setzen", wurde der CSU-Chef in dem Boulevardblatt zitiert.

Stoiber sagte zur Begründung seiner Idee: "Ich will die PDS inhaltlich und konzeptionell stellen. Vor allem will ich eindringlich die Wählerinnen und Wähler darauf hinweisen, welche Folgen es für die Wirtschaft und für Investitionen in Deutschland hätte, wenn die PDS drittgrößte Partei im Deutschen Bundestag würde und sogar möglicherweise über die Regierungsbildung mitentscheiden könnte."

Lafontaine freute sich über Stoibers Offerte. "Mit dem größten Vergnügen nehme ich die Herausforderung des vom Zuspruch der Wählerinnen und Wähler für die Linkspartei frustrierten bayerischen Ministerpräsidenten an", ließ der Spitzenkandidat der Linkspartei erklären.

Die Republik freute sich bereits auf ein Fernsehduell der beiden Opponenten als Ergänzung zu einem Rededuell zwischen Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und Herausforderin Angela Merkel (CDU). Doch nun will Stoiber von einem Fernsehduell nichts wissen. Ein Sprecher Stoibers sagte heute der Tageszeitung "Die Welt", Stoiber wolle sich in einem Print-Duell mit Lafontaine auseinander setzen. Nach den Worten des Sprechers sucht Stoiber keine Show mit Lafontaine, "sondern eine inhaltliche Auseinandersetzung über die Aussagen dieser neulackierten PDS". Stoiber wolle in der Streitschrift auf die negativen Folgen einer Stärkung der Linkspartei für die Wirtschaft und die negativen Folgen für das Ansehen Deutschlands in der Welt hinweisen.

Nachdem Stoiber Lafontaine gestern zu dem Schlagabtausch aufgefordert und dieser zugesagt hatte, bemühten sich heute eine Reihe von Fernanstalten, das vermutete TV-Duell zu inszenieren. Auch wenn es möglicherweise nicht zu dem TV-Kampf kommen wird, zeigt sich die Linkspartei hocherfreut über Stoiber. Deren Wahlkampfchef, Bodo Ramelow, sagte in Erfurt: "Stoiber hat uns viele Stimmen gebracht." Und setzte genüsslich hinzu: Er weise allerdings die Einschätzung zurück, dass Stoiber ehrenamtlich ins Wahlkampfteam der Linkspartei aufgenommen worden sei.

Zur unionsinternen Debatte sagte Ramelow: "Ich finde ja besonders putzig, dass ausgerechnet Schönbohm fordert, Stoiber solle nicht mehr in den Osten kommen." Nach seinen sprachlichen Ausrutschern über den Werteverlust der Ostdeutschen sei Schönbohm wohl der falsche Mann für solche Vorbehalte. Der CDU-Politiker war erst kürzlich selbst wegen Äußerungen zu den Folgen des DDR-Systems in die Kritik geraten.

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