Wahlkampf Grass wirft Koch NPD-Sprache vor

Günter Grass hat Roland Koch ein weiteres Mal scharf angegriffen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung für die SPD in Hamburg warf der Literatur-Nobelpreisträger dem Hessischen Ministerpräsidenten vor, sich der Sprache der NPD zu bedienen.


Hamburg - Angriffslustig wie eh und je. Günther Grass mischte sich heute erneut mit gewohnt scharfen Worten in die Debatte um die Jugendkriminalität ein. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im Deutschen Schauspielhaus für den Hamburger SPD-Spitzenkandidaten Michael Naumann attackierte er den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Die Bundesrepublik sei weder von Rechts- noch von Linksradikalen gefährdet, wohl aber von einem inneren Zerfall, sagte der 80-Jährige. "Ich halte es für viel gefährlicher als die NDP oder ihre Randgruppen, wenn Politiker in Verantwortung die Sprache der NPD übernehmen", betonte Grass. "Das macht jetzt Roland Koch."

Nennt sich selber einen kritischen Sozialdemokraten: Günther Grass im Deutschen Schauspielhaus
DDP

Nennt sich selber einen kritischen Sozialdemokraten: Günther Grass im Deutschen Schauspielhaus

Damit stehe Koch in einer Reihe mit dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, der einst vor der "Durchrassung des deutschen Volkes" warnte. Der hessische Regierungschef betreibe derzeit einen Wahlkampf auf "altbewährte Weise", die ihn schon 1999 "an die Macht" gebracht habe. "Ich hoffe, dass es genügend mündige Bürger in der Bundesrepublik gibt, die diesen Schwindel durchschauen und bei den Wahlen in Hessen, Niedersachsen und Hamburg die richtige Antwort geben", erklärte Grass, der Naumann in dessen Wahlkampf zur Hamburger Bürgerschaftswahl am 24. Februar unterstützt.

Bereits am Freitag war Grass den CDU-Mann heftig angegangen. Während eines Gastvortrags bei der Klausur der SPD-Bundestagsfraktion in Berlin nannte er Roland Koch einen Demagogen. "In einer Zeit, in der, wie wir es gegenwärtig erleben, die Demagogen wieder meinen, die Stunde habe für sie geschlagen, muss man ein kräftiges Wort einlegen - ob das nun Herr Koch in Hessen ist oder Lafontaine auf der anderen Seite", sagte er mit Blick auf Linke-Fraktionschef Oskar Lafontaine und Kochs Wahlkampagne.

Grass war von 1982 bis 1992 SPD-Mitglied, ehe er aus Protest gegen die Verschärfung des Asylrechts aus der Partei austrat. Vergangenes Jahr geriet er selbst in die Schlagzeilen, weil er seine SS-Mitgliedschaft als junger Mann bekannt hatte.

ler/ddp/dpa



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