Wahlkampf in Hamburg "Exklusiv für Facebook-Freunde"

Über ein Drittel der Hamburger Wahlberechtigten blieb beim letzten Mal daheim. Auch der aktuelle Wahlkampf ist nicht gerade mitreißend. Das fängt schon bei der Plakatierung an.
Facebook-Fan-Aktion für die SPD (Screenshot): "Glühweintrinken mit Olaf Scholz"

Facebook-Fan-Aktion für die SPD (Screenshot): "Glühweintrinken mit Olaf Scholz"

Manche Plakate sind schwer zu kapieren. Die CDU schreibt: "Kriminalität minus 25 Prozent. Und nu?" Wie jetzt, und nu? Genügen 25 Prozent? Ist da Luft nach oben? Und wer soll's richten?

Die SPD macht's kaum besser. Ein Mann schaut verschmitzt nach links oben, es ist Olaf Scholz. Ein einziges Wort steht daneben: Vernunft. Wie schön. Es ist sicherlich von Vorteil, wenn der Anwärter auf den höchsten Posten in Hamburg nicht übermäßig unvernünftig ist. Aber was möchte Scholz dem Wähler sagen?

Hamburgs Erster Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU), Nachfolger des amtsmüden Ole von Beust (CDU), will am 20. Februar sein Amt verteidigen. Das wird schwierig, weil Scholz (SPD) in Umfragen weit vorne liegt. Noch schwieriger ist es, wenn sich der zu Amtszeiten extrem beliebte Beust in den Wahlkampf einmischt. Vier Wochen vor der Wahl bemängelte er den retro-konservativen Kurs seiner Partei und fuhr Ahlhaus' "Aufholwahlkampf" damit dezent in die Parade.

Auf ein Gläschen mit Olaf

Ahlhaus kämpft trotzdem, auf Bühnen, Wochenmärkten, Empfängen. Er kocht Rouladen im Regionalfernsehen, zeigt sich gutgelaunt mit der adretten Gattin. Manchmal kommt die Parteiprominenz angereist, zweimal Merkel, einmal Guttenberg.

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Hamburger Wahlkampf: Szenen einer Fehde

Foto: Angelika Warmuth/ dpa

Ahlhaus hat neuerdings eine Web-Seite, auf der Fotos, Standpunkte und Hamburger Wahrzeichen schick über den Bildschirm flashen. Die Seite von Konkurrent Scholz ist nicht ganz so schick, dafür aber schon viel länger online. "Exklusiv für Facebook-Freunde" lud er Anfang Januar ein - zum "Glühweintrinken mit Olaf Scholz".

Die SPD pumpt eine Million Euro in ihren Wahlkampf, klebte doppelt so viele Großflächenplakate wie die CDU und hat die renommierte Berliner Agentur Butter verpflichtet. Die CDU hat mit 500.000 Euro ein Drittel ihres Budgets von der letzten Bürgerschaftswahl zur Verfügung und stemmt den Wahlkampf ohne Externe.

Anscheinend sind die Parteikassen nicht allzu prall gefüllt: CDU-Kandidaten, die bei den Neuwahlen ein Mandat erringen, sollen nachträglich eine Wahlkampfspende zahlen - die erste Abgeordneten-Diät von 2456 Euro.

Der gute alte Straßenwahlkampf ist übrigens noch nicht tot. CDU-Helfer verteilten an einem regnerischen Nachmittag an einer belebten Kreuzung Flugblätter an Autofahrer: "Wer die City-Maut will, muss SPD wählen." Den klassischen Gegner-Angriff beherrscht auch die SPD. Deren Fraktionschef Michael Neumann ließ Kalauer-Postkarten drucken, mit einem Zitat von Ahlhaus ("Ich würde mich freuen, wenn ich im neuen Jahr mehr Zeit im Privatleben verbringen würde"). Neumann schrieb darunter den Slogan: "Wünsche erfüllen. Am 20. Februar SPD wählen".

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