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Kurt Beck: "Die Weichen sind gestellt"

Wahlkampf in Rheinland-Pfalz Der Twitter-Kurt

Kein Witz, Kurt Beck zwitschert. An manchen Tagen sogar im Minutentakt. Moderner Wahlkampf, mag sich der rheinland-pfälzische Regierungschef denken. Aber vielleicht verwechselt der 61-Jährige da einfach etwas.

Kurt Beck

Geht ja alles nicht mehr ohne Social Media heute, Wahlkampf muss modern sein, irgendwie. Deshalb ist die Moderne auch bei in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei angekommen. Der 61-jährige Ministerpräsident zeigt inzwischen, was er twittermäßig so drauf hat. 

Das sieht bei ihm dann zum Beispiel so aus:

7. Januar, 10.07 Uhr: "11 Uhr Pressekonferenz 'Regierungsbilanz' - Vorab schon: Unser Rheinland-Pfalz steht gut da. Weichen für erfolgreiche Zukunft sind gestellt"

7. Januar, 11.19 Uhr: "Regierungsbilanz: Unser Land Rheinland-Pfalz steht gut da. Wir haben die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt!"

7. Januar, 11.27 Uhr: "Rheinland-Pfalz steht gut da. Weichen für eine erfolgreiche Zukunft sind gestellt!"

7. Januar, 12.57 Uhr: "Rheinland-Pfalz ist sehr gut aufgestellt. Wir sind für die Zukunft bestens gerüstet!"

Beck, der Weichensteller.

Auch nach dem Schiffsunfall auf dem Rhein war Beck sehr aktiv:

21. Januar, 10.29 Uhr: "Helfer an haveriertem Tanker gehen mit großer Sorgfalt vor. Lob: Einsatzleiter Landrat Kern und WSA-Chef Mauermann arbeiten vorbildlich."

25. Januar, 5.08 Uhr: "Innenminister Bruch informierte Kabinett über Havarie an Loreley. Beteiligte Einsatzkräfte arbeiten professionell und sehr gut zusammen."

Dabei ist Beck eigentlich ein Traditionalist und bei technischen Neuheiten eher skeptisch. "Ich bin kein SMSer. Das fang' ich auch gar nicht erst an. Von diesen verkürzten Botschaften halte ich nicht viel", sagte er einmal.

Schlagzeugsound und E-Gitarre

Längst vergessen, Beck hat inzwischen ziemlich aufgerüstet: Facebook, Twitter, der gelernte Elektromechaniker aus Bad Bergzabern ist überall dabei. Liegt vielleicht auch daran, dass Beck sich jetzt gegen einen anderen Konkurrenten behaupten muss als 2005. Damals schickte die CDU Christoph Böhr ins Rennen, einen blassen Kandidaten, gerade mal fünf Jahre jünger als der Amtsinhaber.

Julia Klöckner

Jetzt tritt , 38, an. Sie ist fotogen und allein durch ihr Alter viel eher der Inbegriff von Modernität als der bärtige Pfälzer, dem Kritiker Behäbigkeit und Biederkeit vorwerfen. (Doch selbst Klöckners Unterstützer-Kampagne kommt recht altbacken daher - siehe Kasten unten.)

Auf Becks Internetseite  gibt es ein YouTube-Video vom Programmparteitag seiner Rheinland-Pfalz-SPD. Es wirkt ein bisschen wie Offener Kanal Idar-Oberstein: Schlagzeugsound, eine E-Gitarre setzt ein, auf den Bildern: Beck mit Wahlhelfern vor einem Wahlkampfauto. "Ich unterstütze Kurt Beck", steht darauf und "www.ichundkurtbeck.de". Die Kamera zoomt auf den Aufkleber mit der Unterstützeradresse. Dann Händeschütteln. "Na, das habt ihr aber schön gemacht", sagt Beck. Die Gruppe geht in die Halle zum Parteitag. Schnitt. Schlagzeug und E-Gitarre. Beck am Rednerpult, grauhaarige Delegierte, die müde klatschen. Manche halten Plakate hoch: "PERS BECK TIVE 2011", immerhin skandieren sie nicht "Yes, we can".

Und dann spricht Beck, darüber, dass Schüler künftig in kleineren Klassen unterrichtet werden sollen, falls er im Amt bestätigt wird. Becksche Satz-Ungetüme, die im Nirgendwo enden: "Wir wollen und wir werden, liebe Freundinnen und Freunde, in den kommenden fünf Jahren in einem Stufenplan im Gegenwert von rund tausend Stellen für Lehrerinnen und Lehrer, die demografisch bedingt als Alternative einsparbar wären, solche deutlichen Verbesserungen."

YouTube, Facebook, Twitter. Beck ganz modern - und doch ganz der Alte.

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